Der Milliarden-Snap: Snapchat will 2017 an der Börse zuschnappen

Der Milliarden-Snap: Snapchat will 2017 an der Börse zuschnappen

Das Milliarden-Ding: Snapchat will im Frühjahr 2017 Kasse machen. Der Börsegang des Unternehmens Snap Inc. der Gründer Evan Spiegel (26 Jahre alt) und Bobby Murphy (27) wird gleichzeitig die Richtung für viele andere Start-ups vorgeben, die einen Börsengang anstreben - allen voran AirBnB und Uber.

Das US-Unternehmen Snap Inc. gilt als einer der am wertvollsten gehandelten Börsenkandidaten. Der vor allem bei Jugendlichen beliebte Social-Media-Dienst und WhatsApp-Rivale Snapchat wird von Analysten auf einen zweistelligen Milliardenbetrag bewertet. Ein Milliarden-Offert der Konkurrenz hatten die Snapchat-Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy schon vor drei Jahren abgelehnt. Im Frühjahr wollen die Gründer nun Kasse machen.

New York/San Francisco. Es gilt als eine der Top-Ideen im Social-Media-Business, die Snapchat vor gut fünf Jahren mit seiner Smartphone-App auf den Markt gebracht hat. Das erst im Jahr 2011 gegründete Unternehmen mit Firmensitz Venice in Los Angeles hat nun nach mehreren Übernahmeavancen in Milliardenhöhe durch die Konkurrenz nun offenbar selbst den Weg in Richtung Börsegang eingeschlagen.

Noch im November 2013 hatten die Snapchat-Entwickler sogar ein großzügiges Angebot von Facebook-Chef und -Gründer Mark Zuckerberg ausgeschlagen: Drei Milliarden Dollar - in bar - hatte Zuckerberg laut Wall Street Journal Snapchat-Gründer Evan Spiegel geboten. Zu wenig für Spiegel, der im übrigen zu Studienzeiten ein Gratis-Praktikum bei Red Bull absolviert hatte, um Berufserfahrung zu sammeln.

Der Sohn des erfolgreichen Anwaltsehepaars, der im Nobelort Pacific Palisades neben der US-Metropole Los Angeles im Wohlstand aufgewachsen war, sah keinen Grund, Zuckerbergs Offert anzunehmen. Der damals 23jährige Evan Spiegel wollte das Unternehmen selbst fortführen und entwickeln. Und finanziell sein Projekt ausreizen. Schon damals wurde der Firmenwert um rund zehn Milliarden Dollar taxiert. Heute wird der Messaging-Dienst für Smartphones und Tablett-Rechner von Experten auf 25 bis 35 Milliarden Dollar Unternehmenswert geschätzt.

Mit dem Gang zur Börse würde Snapchat einmal mehr die Latte nach oben legen. Sollte Snapchat im Frühjahr 2017 an die Börse gehen, wäre dies der größte US-Börsengang seit dem Debüt des chinesischen Onlinehändlers Alibaba vor zwei Jahren. Im März könnte der Börsengong für den App-Hersteller erfolgen, der zur Zeit als der stärkste Konkurrent des Messaging-Dienstes WhatsApp gilt.

Die Firma habe die Unterlagen vertraulich eingereicht, sagten die Insider weiter. Mit diesem Vorgehen können Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter einer Milliarde Dollar das Interesse von Investoren ausloten, ohne Finanzdaten offenlegen zu müssen. Die Muttergesellschaft Snap Inc. wollte sich - noch nicht - zu den Informationen nicht äußern.

Nutzer können über die App Fotos, Videos und Nachrichten verschicken. Der besondere Kick: Die Videos und Fotos werden nach einiger Zeit automatisch wieder gelöscht, ohne das der Nutzer selbst dafür etwas tun muss. Und im Gegensatz zu anderen Social-Media-Diensten wird das Nutzerprofil nicht mit Inhalten weiter ausgebaut - zumindest derzeit nicht. Geht es um die Monetarisierung derartiger Dienste wollen die Betreiber unzählige Nutzerdaten sammeln, um damit auch den Werbepartnern genügend Daten zu liefern über die Nutzer.

Snap zählt derzeit mehr als 100 Millionen aktive Nutzer, 60 Prozent davon sind zwischen 13 und 24 Jahre alt - eine für Werbung attraktive Zielgruppe. Investoren fürchten aber, dass Werbung die einzige wichtige Einnahmequelle von Snapchat ist. Im Vergleich zu Facebook mit rund 1,8 Milliarden Nutzern oder der Facebook-Tochter und dem direkten Snap-Rivalen WhatsApp mit rund 1,1 Milliarden Nutzern klingen die Nutzerzahlen von Snap eher bescheiden. WhatsApp wurde im Februar 2014 von Facebook für 19 Milliarden US-Dollar (13,81 Milliarden Euro) - davon vier Milliarden in bar - übernommen.

Die Speerspitze

Snapchat dürfte zur Blaupause für unzählige andere Social-Media-Dinesten werden, die mit einem Börsengang spekulieren. Daher sind die Augen von vielen Unternehmen, vor allem aber auch ihrer Geldgeber wie Venture Capital-Gesellschaften, auf den Börsengang von Snap gerichtet. Auch der Mitfahrdienst Uber sowie die Unterkunftsvermittlung Airbnb sollen angeblich Börsegänge anstreben.

Doch ist das Umfeld für Hightech-Börsengänge heuer zumindest schwierig: Viele Investoren halten sich wegen der starken Kurssprünge in der Branche zurück. Bisher haben 123 Technologiefirmen den Gang aufs Parkett gewagt und insgesamt 7,1 Mrd. Dollar eingenommen, was eher einem bescheidenen Gesamterlös entspricht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank damit die Zahl der Börsengänge um 20 Prozent und die Summe der Erlöse sogar um 58 Prozent.

Für die beiden Unternehmensgründer wird jedoch unterm Strich ein satter Milliardenbetrag übrigbleiben. Das Vermögen von Evan Spiegel, heute 26 Jahre alt, sowie Bobby Murphy (27) wird laut der "Liste der Superreichen" vom US-Magazin "Forbes" bereits auf 2,1 Milliarden bzw. 1,8 Milliarden Dollar beziffert.

Das erkaufte Schweigen

Mit dem Mitgründer Reggie Brown hatten sich die beiden verbliebenen Snapchatter im Jahr 2012 zerstritten. Spiegel und Murphy hatten Brown aus dem Unternehmen rausgeekelt. Und postwendend verklagt, weil Brown behauptet hatte, die Idee für Snapchat stammte von ihm. Es folgten weitere Abmahnungen und teils öffentliche Befetzungen. Nachdem die Spiegel und und Murphy den Ideengeber Brown bestenfalls als Praktikanten bezeichnet hatten, hatte dieser jedoch nicht locker gelassen, seine Ansprüche geltend zu machen. Über seine Anwälte hatte Brown die beiden Snapchat-Chefs auf Entschädigung geklagt.

Mit einer Veröffentlichung, in der schlussendlich doch noch die Verdienste Browns durch Spiegel und Murphy schriftlich und offiziell einbekannt wurden, wurde der mehrjährige Disput doch noch beendet. Der Streit mündete schließlich - für viele Beobachter - in einer Einigung.

Und der Kompromiss war eine Überraschung: Brown bekam neben der Ehre, nun doch einen wesentlichen Beitrag für Snapchat geliefert zu haben, freilich noch eine satte Zahlung von Snap. Über die Höhe der Ablöse wird freilich geschwiegen.

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