14 Seiten Warren Buffett - für Anleger und Donald Trump

14 Seiten Warren Buffett - für Anleger und Donald Trump

Das "Orakel von Omaha" Warren Buffett hat seinen Investorenbrief publiziert. Anfang Mai steht der 88-Jährige auf der Hauptversammlung Rede und Antwort.

Investorenlegende Warren Buffett hat seine Sicht der Dinge zum Kapitalmarkt und seinen eigenen Investments präsentiert. Der alljährlich per Ende Februar verschickte Investorenbrief dient Anlegern oft als Orientierung und Beipackzettel für Investments. Heuer zeigt sich Buffett wegen seines verhauten Investments bei Kraft Foods etwas demütig. Seine Kritik an Donald Trump hält er aufrecht.

Ende Februar ist die Zeit für Warren Buffett, um Rechnung abzulegen. Die mittlerweile 88-jährige Investorenlegende aus Omaha in Nebraska im unspektakulären Midwesten der USA publiziert seinen Investorenbrief, um einerseits über das Geschäftsgebaren seiner Company Berkshire Hathaway zu berichten. Und andererseits zur aktuellen Lage der US-Nation, der Weltwirtschaft, dem Kapitalmarkt und heuer auch sehr klar und deutlich zu den Plänen von US-Präsident Donald Trump Stellung zu nehmen.

Seit 1966 veröffentlicht Buffett alljährlich den heuer 14 Seiten umfassenden Investorenbrief, in dem er zur Performance der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway Stellung nimmt. Mit dem Erfolg Company, die unter seiner Leitung zur erfolgreichsten Anlagegesellschaft der Wirtschaftsgeschichte wurde, hat es Buffett ebenso zu größtem Reichtum geschafft. Er wurde im Lauf der Jahrzehnte immer wieder nach der Reichenliste des Wirtschaftsmagazins "Forbes" zum reichsten Menschen weltweit gekürt. Derzeit rangiert er auf der Reichenliste hinter Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos (112 Mrd. Dollar) und Microsoft-Gründer Bill Gates (90 Mrd. Dollar) "nur" auf Rang 3. Buffets Vermögen wird von "Forbes" auf 84 Milliarden Dollar geschätzt.

Das Problem mit dem Ketchup...

Im diesjährigen Investorenbriefing zeigt sich Buffett zum Teil betont demütig, an manchen Stellen aber auch angriffslustig. Bei Kraft Foods (ISIN US5007541064) hatte sich die Investorenlegende und sein Team kräftig vertan. "Wir haben zu teuer eingekauft. Die Investorenlegende hatte bei der Fusion vom Lebensmittelriesen Kraft und Ketchup-Hersteller Heinz über 26 Prozent übernommen. Der Wert des Investments hat sich bis heute allerdings nicht ausbezahlt.

"Ich habe Kraft Heinz in mehrerer Hinsicht falsch eingeschätzt", räumte Buffett heute zudem in einem Interview mit dem Sender CNBC ein. "Wir haben zu viel dafür bezahlt."

Was aber nicht heißt, dass der Starinvestor gleich w.o. gibt und die Anteile auf den Markt wirft. Er habe nicht die Absicht, sein 26,7 Prozent schweres Aktienpaket an Kraft Heinz zu veräußern, schreibt Buffett im Investorenbrief.

Der Gewinn der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway schrumpfte im vergangenen Quartal um 90 Prozent auf 4 Mrd. Dollar zusammen. Grund dafür waren rund 3 Mrd. Dollar schwere Abschreibungen, die laut Buffett vor allem auf die Beteiligung an Kraft Heinz zurückzuführen waren.

...und die Sache mit dem Apfel

Auch das Investment bei Apple (ISIN US0378331005) wurde zuletzt durch die fallenden Aktienkurse von Oktober bis Weihnachten kräftig gerupft. Buchtechnisch hatte Buffett Milliarden verloren. Doch konnte sich die Aktie seither wieder erholen und zumindest rund 35 Dollar zulegen.

Nichtsdestotrotz dürfte sich Buffett kaum aus der Ruhe bringen lassen. Denn seine Geldtöpfe sind randvoll. 3,8 Milliarden Dollar Dividende konnten seine Investments im abgelaufenen Jahr einstreichen.

Berkshire Hathaway ist in weit über 50 Top-Companies investiert. Der Wert der Investments beläuft sich laut Investorenbrief auf 173 Milliarden Dollar. American Express (17,9 Prozent), Apple (5,4 Prozent), Bank of America (9,5 Prozent), Coca Cola (9,4 Prozent) und Wells Fargo (9,8 Prozent) sind die größten fünf Top-Picks der Investmentcompany.

Lange Jahre war das Depot eine Abbild vor allem amerikanischer Top-Konzerne quer durch die US-Wirtschaft. Investments in die New Economy hatten Buffett & Co lange Jahre gemieden - mit der Ausnahme von IBM, wo das Unternehmen allerdings schon vor Jahren seinen Anteil komplett verkauft hatte. Erst seit dem Jahr 2016 hat die Starlegende in Apple investiert und im Jahr 2017 nochmals nachgekauft.

America First - No way

Für die Politik von US-Präsident Donald Trump kann sich Buffett kaum erwärmen. Und er schreibt daher auch unverblümt kritische Worte an die Adresse des US-Präsidenten. Trumps Protektionismus und der "America-First-Politik" erteilt die Investorenlegende in seinem Investorenbrief eine klare Absage. Vielmehr sieht Buffett sogar den Wohlstand der USA und seiner Bürger bedroht.

Was freilich nicht ganz uneigennützig ist. Denn Buffett strebt weiterhin - wie in den vergangenen fünf Jahrzehnten - Investments an, die über die Grenzen hinausgehen und die vor allem nicht von Zöllen behindert und gebremst werden werden. „Bei Berkshire hoffen wir, erhebliche Summen über die Grenzen hinweg zu investieren.“ Der auch "Orakel von Omaha" genannte Investor pocht weiterhin auf freie Märkte und freien Kapitalverkehr.

Und einen zweiten Seitenhieb kann sich die Investorenlegende nicht verkneifen. "Das Team ist entscheidend", schreibt Buffett. Und unterfüttert seine These aus seinem eigenen Umfeld in seiner Company. Zudem sei der Reichtum der USA auch auf die Dualität der Politik mit seinem Zweiparteiensystem in den vergangenen 77 Jahren zurückzuführen. Der Erfolg sei nicht auf eine einzige Person zurückzuführen, schreibt Buffett seine klare Botschaft.

Er nimmt sich selbst in die Kritik und will trotz Irrtums mit Kraft Foods weiter investieren. Denn die Geldtöpfe von Berkshire Hathaway sind reichlich gefüllt. Das Unternehmen hat rund 110 Milliarden Dollar für Investments auf der hohen Kante. Buffett und sein Investorenteam halten derzeit Ausschau nach einer Großübernahme mit langfristigen Renditeaussichten als nur in den Aktienmarkt zu investieren. Im Moment sei aber kein Übernahmekandidat in Aussicht, der diese von ihm gesetzten Renditeziele entspricht. Die Preise der Kandidaten seien "schwindelerregend hoch".

Ein Briefing mit viel Geschichte

Das Investorenbriefing ist quasi die Ouvertüre zur Hauptversammlung, die alljährlich Anfang Mai in Omaha stattfinden. Buffett listet dabei nicht nur spröde Zahlen, Daten und Fakten endlos auf, sondern erzählt auch seine eigenen Geschichten und Erfahrungen aus seiner frühen Zeit als Investor. Und er stellt auch die Zahlen in einen geschichtlichen Zusammenhang dar.

Schon alleine deswegen dürfte das "Orakel von Omaha" die Neugier der Investoren seit Jahren wecken, sich persönlich auf den Weg zur Hauptversammlung nach Omaha zu machen. Im Vorjahr waren 37.000 Teilnehmer in den geografischen Mittelpunkt der USA gepilgert, wo einst der größte Viehmarkt der USA angesiedelt war. Die Hauptversammlung mit dem Treffen der Aktionären von Berkshire Hathaway und den Analysten gilt seit Jahren als das "Woodstock des Kapitalismus", wo nicht nur Aktionäre amerikanischer Provenienz sondern aus der ganzen Welt sich treffen.

"Es ist das Hochamt", meint ein österreichischer Investor im Gespräch mit trend.at. Wenn Warren Bufffet einmal pro Jahr zu seinen Aktionären spricht, will er nicht fehlen. Das schon bereits seit gut 15 Jahren. Alle Investoren lauschen gespannt, was der Grande für die Zukunft von Amerika, dem Kapitalmarkt und sonstigem parat hat.

Frohe Botschaften

Damit am 4. Mai zur Hauptversammlung seine Company Berkshire Hathaway so viele Interessierten von seinen Ausführungen und seines Teams profitieren können, schließt Buffett seinen Investorenbrief auch mit organisatorischen Hinweisen zur Konferenz. Aus Omaha im Mittleren Westen der USA wird live übertragen. Yahoo sorgt via Internet, dass nicht nur seine Rede, sondern auch die Einschätzungen vieler Manager über die Internetleitungen rund um den Globus empfangen werden können.

Und noch ein Hinweis hat Buffett in eigener Sache parat: Da er seine Nachfolge bei Berkshire Hathaway bereits bestens vorbereitet hat, signalisiert er den Anlegern seiner Company und seiner Investments, dass das Unternehmen bestens für die Zukunft aufgestellt ist. Und er nun auch zu mehr Urlaub und Entspannung kommt.

Zwei Dinge sind gewiss: Buffett hat seine Nachfolge geregelt. Das Problem mit Kraft Foods dürfte er verschmerzen. Einzig: Ob seine Nachfolger die Wertsteigerung der im S&P500-Index notierten Unternehmen ebenso so satt erhöhen werden, wird sich weisen. Buffett hat es in den vergangenen 54 Jahren auf einen Gewinnzuwachs von 15.019 Prozent gebracht.

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