Seit Anfang 2020: Das Drama bei Börsen und Rohstoffe in Zahlen

Die Ereignisse in der Wirtschaft und damit auch an der Börse überschlagen sich. Wir geben Ihnen ein Update wie stark Börsen, Rohstoffe und Währungen seit Jahresbeginn gefallen sind und sagen, welche Prognosen derzeit abgeben beziehungsweise revidiert wurden

Seit Anfang 2020: Das Drama bei Börsen und Rohstoffe in Zahlen

Die Börsen tragen derzeit Einheitsfarbe - rot.

Es scheint wie ein tägliches Ritual unter Börsianern: Man raunt sich fassungslos und voller Unbehagen die neuesten Zahlen über die Höhe der Kursabstürze zu. Kleine Rebounds? Werden kaum noch wahr genommen. Der Weg nach unten ist derzeit wohl vorgezeichnet. Jede neue Fallzahl und Sterbestatistik lässt die Anleger in ihren Gliedern erstarren und sorgt für das derzeit am meisten verunglimpte Gefühl: Panik. Oder ist es nur Realismus? Covit-19 ist jedenfalls gekommen, um zu bleiben - zumindest in den nächsten Wochen - der Höhepunkt der Ansteckungen liegt erst vor uns.


Effektivität bei der Bekämpfung des Virus bleibt wichtigster Börsenfaktor

Hoffnung auf rasche Erholung sind dahin
"Wie effektiv der Coronavirus bekämpft wird, wird wahrscheinlich der wichtigste Faktor für die Marktstimmung bleiben", glaubt Paul O'Connor, Investmentstratege bei Janus Henderson Investors. Die Hoffnungen auf eine V-förmige, also eine schnelle, Erholung von Wirtschaft und Börse schwinden täglich. Die DZ Bank geht in ihrer jüngsten Schätzung bereits nicht mehr von einer schnellen Erholung aus. "Es wird nun die hohe Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession einpreist", so der Manager.

ATX: 28 Prozent im Minus - Schoeller-Bleckmann am stärksten betroffen
Am härtesten von den großen Börsen in Westeuropa, den USA und Asien hat es daneben den ATX erwischt. Der österreichische Aktienindex hat seit Jahresbeginn um 27,9 Prozent verloren. Hauptverlierer im bisherigen Abstiegskampf: Schoeller-Bleckmann. Die Aktie brach in den vergangenen drei Monaten hat knapp 40 Prozent ein.

Die größten Verlierer im ATX in den vergangenen drei Monaten :
Schoeller-Bleckmann: - 49,9 %
OMV: -43,2%
Lenzing: : -40,7 %
AT&S: : 39,8 %
Voestalpine : 36,8 %
FACC: 31,9 %
D&Co: - 31,8 %
Raiffeisen: -28,8 %
Vienna Insurance Group: - 28,5 %
Erste Group: -24,6 %
Wienerberger: -24,3 %

Immobilien-Firmen wie CA Immo oder die Immofinanz erweisen sich in diesen Zeiten dagegen fast sicher Hafen. Mehr als fünf, sechs Prozent Verlust waren es oft nicht.

Dax: -21 Prozent seit Jahresbeginn - 10.000-Marke nach unten durchbrochen
Das reinste Blutbad auch bei den Nachbarn, sowohl im Norden als auch im Süden. Der Dax notiert erstmals seit 2016 unter 10.000 Punkten. Damit ist Index um 21 Prozent unter Wasser. Der italienische Index MIB ist in nur im letzten Monat um knapp 28 Prozent eingebrochen. Auf Sicht von drei Monaten sind die Verluste mit 22 Prozent sogar geringer als im ATX. Beim EuroStoxx 50 ist das Minus ähnlich hoch.

USA: Alles (noch) halb so dramatisch
In den USA sind die Kurse längst nicht so Hals über Kopf in die Tiefe gestürzt als in Europa. Dort hat sich aber auch der Virus noch nicht so stark ausgebreitet. Ein Minus von 15 Prozent im S&P 500 klingt fast noch moderat. Die Techbörse Nasdaq verlor seit Jahresbeginn über elf Prozent. Nur der japanische Index Nikkei notiert mit fast 18 Prozent etwas tiefer.

Osteuropa: Polen-Index führt Verliererliste an
Der polnische Aktienindex WIG hat seit Jahresbeginn um 30 Prozent eingebüßt, der kroatische Index CROBEX 21 Prozent und die russische Börse gab 16 Prozent ab.

China: Am Weg der Erholung
Wie stark die Börsen auf Fallzahlen und Todesmeldungen durch den Coronavirus reagieren, zeigt sich an den Börsen in China. Die Shanghai Stock Exchange ist in drei Monaten nur drei Prozent gefallen und das trotz dramatischer Bilder vom Epizentrum des COVIT-19-Ausbruchs.

Rohstoffe: Öl bricht um 45 Prozent ein
Am stärksten gelitten, hat bisher der Ölpreis. Das Barrel Brent ist um 45 Prozent auf 33 Dollar im Steilflug abgestürzt. Russland und die OPEC konnten sich nicht auf die Fördermengen einigen. Der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge ist damit weiter eskaliert. Weitere Kursstürze sind damit mehr als wahrscheinlich: Denn die Saudis könnten die Fördermenge bis auf die Rekordmenge von 12 Millionen Barrel am Tag erhöhen und die Märkte damit mit Öl fluten. Sie wollen so die Marktmacht und damit die Macht im eigenen Land halten. Russland könnte reagieren und ebenfalls den Ölhahn deshalb aufdrehen. Die Abkehr Russlands vom Ölkartell wird vielfach auch als Kampfansage an die USA interpretiert, eine Retourkutsche für weitere Sanktionen. Kursverluste beim Barrel Öl sind damit vorprogrammiert.

Gold: Der Star der Krise
Unter wieder einmal stimmt die alte Binsenweisheit: Wenn alles andere kracht, ist Gold ein sicherer Hafen. Seit Jahresbeginn zog das Edelmetall um acht Prozent an. Wenn die Kurse zwischenzeitlich auch gefallen sind. "In unruhigen Zeiten kann die Volatilität auch beim Goldpreis steigen und hat gegen Ende des Monats zu Gewinnmitnahmen geführt", erläutert Markus Melms, Chef für Vermögensverwaltung bei der Alpenbank.


Trennen Sie sich von Aktien mit schlechtem Ausblick

Derzeit geben wie der Alpenbank-Chef folgenden Rat aus: "Trennen Sie sich von Aktien mit schlechtem Ausblick und behalten und sammeln Sie bei passender Gelegenheit Aktien mit zukunftsfähigem Geschäftsmodell ein." Nur viele Unternehmen haben derzeit keinen Ausblick, der einen nicht Sorge bereitet. Wer die Nerven und einen finanziellen Polster hat, kann auch wie investiert bleiben. Die Hälfte der Einbußen könnte ohnehin bereits hinter uns liegen. Für den Dax werden Verluste bis insgesamt bis zu 40 Prozent für möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich gehalten. Bei rund 7.500 bis 8.300 Punkten wäre dann nach unten hin Schluss. Jetzt schon ans Ansteigen zu denken, ist nur was für Hasardeure.

Selbst in Asien, wo sich der Höhepunkt der Virusausbreitung überschritten sein dürfte, wäre es noch zu früh, um zuzugreifen. Die Wirtschaft und die Aktien dieser Länder könnten kräftig in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn der US-Leitzins sinkt.

Wende im zweiten Halbjahr prognostiziert - 18 Prozent Kurspotential
Aber so dramatisch die Lage derzeit auch ist, in wenigen Monaten soll es wieder Licht am Ende des Tunnels geben. Im zweiten Halbjahr ist laut DZ Bank mit einer deutlichen Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten zu rechnen, infolgedessen sich auch die Gewinnschätzungen im Dax und EuroStoxx 50 sowie die Kurse spürbar erholen sollten. Laut den neuen Indexprognosen erwarten die DZ-Analysten einen Anstieg von DAX und Euro Stoxx auf 11.500 und 3.200 Punkte per Jahresende 2020, was ein Kurspotential von gut 18 Prozent bedeuten würde.

Im ersten Halbjahr 2021 sollte sich die positive Entwicklung der Aktienmärkte fortsetzen und die beiden genannten Indizes infolge der verbesserten Gewinnentwicklung und des Mangels an Anlagealternativen auf 12.300 und 3.200 Punkte steigen. Dem S&P 500 wird derzeit ein Kurspotential von 15 Prozent bis Mitte 2021 zugestanden. Aber nicht zu vergessen: Derzeit ist alles im Fluss. Anschnallen und Nerven bewahren. Wir sind im Auge des Hurrikan. Und wie bei einem Sturmwarnung, sich eindecken mit allem Nötigen und zu Hause bleiben. Auch dieser Wahnsinn wird vorüberziehen.

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