Schweizer Nationalbank: "Negativzinsen absolut essenziell"

Gute Nachricht für Franken-Kreditnehmer: Zumindest die Zinsen bleiben in der Schweiz weiter günstig.

Gute Nachricht für Franken-Kreditnehmer: Zumindest die Zinsen bleiben in der Schweiz weiter günstig.

Die Schweizer Nationalbank SNB wird ihren Zinskurs noch längere Zeit beibehalten. Andrea Maechler, Mitglied des SNB-Direktoriums, erklärt Negativzinsen als essenzielles Instrument, um eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken zu verhindern.

Wie entwickelt sich der Schweizer Franken? Diese Frage stellen sich immer noch mehr als hunderttausend Österreicher, aber auch heimische Unternehmen und Institutionen, die sich vor der Finanzkrise zu Krediten im Schweizer Franken hinreißen ließen.

Während sich die Frage nach der Kursentwicklung des Franken nicht so einfach beantworten lässt, gilt für die Zinsen, die Kreditnehmer für ihre immer teurer gewordenen Fremdwährungskredite berappen müssen, das Gegenteil: Diese werden auf absehbare Zeit im Keller bleiben.

Zinsen als Verkaufsargument

Der Zinsvorteil war auch das - vermeintlich stichhaltige - Argument der Banken und Finanzberater, die seinerzeit als Vermittler bei Franken-Kreditgeschäften auftraten: Die Zinsen für Schweizer-Franken-Kredite waren im Vergleich zum Euro über Jahrzehnte immer günstiger. Bis 2007 lag der Zinsunterschied zum Euro bei variabel verzinsten Krediten im Schnitt meist bei 1-1,5 Prozent pro Jahr, in den besten Jahren sogar bei zwei Prozent.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Immobilien-Krise, Lehman-Pleite, Finanzkrise, Bankenkrise, Weltwirtschaftskrise, Rettungspakete für Unternehmen und Staaten, Euro-Notprogramme und Interventionen von Notenbanken, deren Ende bis heute nicht absehbar ist.

Niedrigstzinsen gegen die Flaute

Mit der Finanzkrise im Jahr sind die Zinsen für Euro-Kredite dann ebenfalls deutlich gesunken, sodass der Zinsvorteil für Franken-Kreditnehmer heute gegenüber dem Euro nur noch bei rund 0,4 Prozent liegt. Dennoch blieb die Zinsentwicklung für Franken-Kreditnehmer günstig, denn 2006 lag der Zinssatz der Schweizer Banken für Hypothekarkredite noch bei rund drei Prozent. Aktuell zahlen Kreditnehmer inklusive aller Nebenkosten weniger als ein halbes Prozent.

Und für die Schweizerische Nationalbank SNB ist der Zinskurs ist zur wichtigsten Waffe geworden, um den auch für den Geschmack der Schweizer deutlich überhöhten Frankenkurs zu bremsen. Der starke Franken macht nämlich auch der export- und tourismusorientierten Schweizer Wirtschaft zu schaffen. Die Schweiz und ihre Produkte, die auch zu Normalzeiten in höheren Preisligen angesiedelt waren, wurden durch die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro seit 2007 um rund 50 Prozent teurer.

Negativzinsen

Im Dezember 2014 führte die SNB Negativzinsen von - 0,25 Prozent auf Girokonto-Guthaben ein, der in der Folge auf -0,75 Prozent gesenkt wurde. Gleichzeitig wurde ein negativer Leitzins von -0,75 Prozent festgesetzt.

Diese Negativzinsen wird es voraussichtlich noch längere Zeit geben. SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler erklärte nun im Rahmen einer Veranstaltung, dass die Zinsen in der Schweiz niedriger sein müssen als anderswo, um eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des Franken zu verhindern. "Für die Schweiz sind die Negativzinsen absolut nötig und essenziell", sagte Maechler. Zudem sei die SNB bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.

Wie lange es noch Negativzinsen gebe, sei schwer absehbar. Es könnte sein, dass diese Phase länger andauere, als ursprünglich gedacht, sagte Maechler. Daher habe die SNB bei der vergangenen Lagebeurteilung mit höheren Freibeträgen die Belastung für die Banken verringert.

Gewinne und Verluste

Ob ein Frankenkredit für einen Kunden bis heute ein gutes Geschäft war bzw. ist hängt stark vom Einstiegskurs ab. Über den Daumen gepeilt hat für jene, die vor etwa 15 Jahren bei rund 1,45 EUR/CHF eingestigen sind der Zinsvorteil den Kursverlust nahezu vollständig kompensiert.

Für jene, die erst zwischen 2005 und 2008 eine Franken-Finanzierung eingegangen sind ist die Rechnung nicht so günstig. Auch wenn der Zinsvorteil im Jahr 2007 bei rund zwei Prozent lag sind diese Kreditnehmer, die bei einem Kurs von rund 1,60 EUR/CHF eingestiegen sind, aufgrund ihrer Zinsgewinne noch nicht im grünen Bereich.

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