Schwarzer Montag: Kommt 30 Jahre danach der nächste Börsen-Crash?

Schwarzer Montag: Kommt 30 Jahre danach der nächste Börsen-Crash?

Der Trading Floor der New York Stock Exchange im Jahr 1987

Der 19. Oktober 1987 ging als "Schwarzer Montag" größter Börsencrash der Nachkriegszeit in die Geschichte ein. 30 Jahre später geht unter Börsianern die Sorge um, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.

CRASH! Wall Street's blackest day rocks nation - Die Headline der New York Post vom 20. Oktober 1987.

CRASH! Wall Street's blackest day rocks nation - Die Headline der New York Post vom 20. Oktober 1987.

19. Oktober. Dieses Datum jagt vielen Börsianern jedes Jahr wieder kalte Schauder den Rücken hinab. Und am 19. Oktober des Jahres 2017 ganz besonders, denn vor genau 30 Jahren ereignete sich an diesem Tag der bis heute größte Börsencrash der Nachkriegsgeschichte. Der Tag ging als "Schwarzer Montag" in die Wirtschaftsgeschichte ein.

Binnen weniger Stunden stürzte der Dow Jones Index damals um 22,6 Prozent ab. Und er zog andere Börsen mit nach unten: Bis Ende Oktober fielen in der Folge zum Beispiel die Börsenkurse in Australien um 41,8 Prozent, in Hongkong um 45,8 Prozent und in Großbritannien um 26,4 Prozent. Milliarden an Vermögen wurden vernichtet. Doch So hart der Crash und sein Schrecken für die bis dahin erfolgsverwöhnten Gordon Gekkos der Wall Street auch waren (Oliver Stone setzte ihnen noch 1987 mit dem "Wall Street" ein filmisches Denkmal - siehe Trailer): 15 Monate danach hatte der Dow Jones den Tiefschlag auch schon wieder überwunden.

Der Dow Jones im Jahr 1987: Im Oktober war Schluss mit lustig.

Der Dow Jones im Jahr 1987: Im Oktober war Schluss mit lustig.

Börsenexperten wie Lucy O'Carroll, Chefvolkswirtin des Vermögensverwalters Aberdeen Standard, warnen allerdings jetzt, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Die Indizien dafür sind mannigfaltig. Damals wie heute waren die Börsen auf Rekordkurs. 1987 hatte der Dow Jones erst zwei Monate vor dem Kollaps, im August mit 2.736 Punkten eine neue Bestmarke erreicht, gegenüber 1985 hatte sich sein Wert schon fast verdoppelt und bis in den Sommer '87 hinein schien es für die Börsen-Party keine Grenzen zu geben.

Dann begann jedoch die US-Notenbank, die Zinsen für kurzfristige Kredite anzuheben. Es war das erste Mal binnen drei Jahren, dass die Fed einen solchen Schritt setzte. Obendrein begann sich der Dollar gegenüber den anderen Weltwährungen abzuschwächen... und dann kam das bittere Erwachen. Der Cold Turkey.

Das Hoch vor dem Fall?

Die Parallelen zur Vergangenheit lassen Trader im Jahr 2017 zittern: Am 18. Oktober erreichte der Dow Jones (US2605661048) ein neues Rekordhoch. Zum ersten Mal in seiner Geschichte kletterte er dabei über die 23.000-Punkte-Marke. Zudem hat die US-Notenbank Fed nach Jahren der Nullzins-Politik die Absicht durchsickern lassen, in den nächsten Monaten einige Zinsschritte zu setzen. Und der US-Dollar hat obendrein gegenüber dem Euro im laufenden Jahr bereits über zwölf Prozent an Wert verloren (--> aktueller Wechselkurs EUR/USD).

Dow Jones Industrial Average Index (US2605661048); 10-Jahres-Entwicklung; Stand vom 19.10.2017: 23.157 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Dow Jones Industrial Average Index (US2605661048); 10-Jahres-Entwicklung; Stand vom 19.10.2017: 23.157 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Auch andere Indizes sind auf Rekordkurs. Der deutsche Aktienindex DAX (DE0008469008) pendelt um sein Allzeit-Hoch von 13.000 Punkten, was einem Plus von 1.200 Prozent seit seiner Einführung im Jahr 1988 entspricht. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV, eine wichtige Kennziffer zur Beurteilung des Preisniveaus) des DAX liegt aktuell bei 14 und damit knapp unter dem langjährigen Mittel.

DAX (DE0008469008); 10-Jahres-Entwicklung. Stand vom 19.10.2017: 12.976 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

DAX (DE0008469008); 10-Jahres-Entwicklung. Stand vom 19.10.2017: 12.976 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Der österreichische ATX (AT0000999982), der seit Mitte 2016 eine beispiellose Hausse hinlegt - seit Juni 2016 hat er rund 70 Prozent an Wert zugelegt - liegt zwar mit rund 3.360 Punkten noch deutlich unter seinem Allzeit-Hoch von 5.026 Punkten aus dem Jahr 2007, doch der anhaltende Aufwärtstrend des Index bereitet Börsianern ebenso Freude wie Sorgen.

ATX (AT0000999982); 10-Jahres-Entwicklung. Stand vom 19.10.2017: 3.371 Punkte. Für aktuelle Kursinfornmationen klicken Sie bitte auf den Chart.

ATX (AT0000999982); 10-Jahres-Entwicklung. Stand vom 19.10.2017: 3.371 Punkte. Für aktuelle Kursinfornmationen klicken Sie bitte auf den Chart.

"Die Bewertungen waren damals genauso überdehnt, wie sie es heute sind", urteilt O'Carroll. Aktuell liegt das Kurs/Gewinn-Verhältnis im Dow Jones bei knapp 21. Das bedeutet, dass die Aktienkurse der dort notierten Unternehmen im Schnitt den Gewinn je Aktie um das 21-Fache übersteigen. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 15.

"Vergleichbare Schwachstellen"

1987 bestimmten zwar ganz andere Faktoren den Handel, wie O'Carroll betont. Damals sei dem Crash nicht ein Jahrzehnt vorausgegangen, in dem die Zentralbanken Billionen von Dollar, Euro und Yen in die Märkte gepumpt hätten. Aber: "Die resultierenden Schwachstellen sind vergleichbar. Mit weltweiten Aktienmärkten, die immer höhere Allzeithochs erreichen, könnten die Märkte wohl derzeit für ein böses Erwachen reif sein", warnt sie.

Offizieller Trailer zum Oliver Stone Film "Wall Street" (1987) mit Michael Douglas und Charlie Sheen.

Anders als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gab es 1987 keinen konkreten Auslöser für die Verkäufe. Der damalige Präsident Ronald Reagan beteuerte, der Wirtschaft des Landes gehe es gut. Das kann Donald Trump dieser Tage auch ohne Umschweife behaupten. Der damalige Chef der New Yorker Börsenaufsicht SEC, David S. Ruder, sagte später, steigende Zinsen und ein hohes Handelsdefizit hätten zu den Massenverkäufen beigetragen. Der Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - habe aber alles noch verschlimmert.

"Vollautomatisierte Handelssysteme werden auch für andere Börsen-Crashs verantwortlich gemacht", betont James Bateman, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Fidelity. "Vor allem für den sogenannten 'Flash Crash' von 2010, bei dem der S&P 500 Index in nur 20 Minuten um sechs Prozent in die Tiefe rauschte."

Der Trading Floor der New York Stock Exchange im Jahr 1987.

Börsenhandel, New York, 1987: Die Computer von damals waren am Tag des Crashs der Flut an Verkaufsorders nicht mehr gewachsen. Der Handel musste ausgesetzt werden.

Auf dem Börsenparkett in Frankfurt wurden die Orderzettel 1987 noch per Hand ausgefüllt. "Wir kamen mit den Verkaufsaufträgen gar nicht mehr hinterher", erinnert sich ein damals 26-jähriger Börsianer. "Ich ging zu meiner Freundin und sagte ihr: 'Ich glaube, ich habe heute richtig viel Geld verloren.'

Später stellten die Börsenaufseher neue Regeln auf, um Verkaufsprogramme in die Schranken weisen zu können - zum Beispiel durch Handelsunterbrechungen bei hohen Kursausschlägen. Die Macht der Maschinen sei dadurch aber nicht gebannt, warnt Fidelity-Experte Bateman. "Seit 1987 hat sich der Anteil der mit vollautomatisierten Handelsmodellen durchgeführten Transaktionen am amerikanischen Aktienmarkt von 13 Prozent auf heute 27 Prozent mehr als verdoppelt."

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