SBO im Sog des Ölpreisverfall: Verlust und Umsatzrückgang

SBO im Sog des Ölpreisverfall: Verlust und Umsatzrückgang

SBO produziert Bohrköpfe und Bohrgestänge für die Suche nach Öl und Gas.

Weil die Ölkonzerne angesichts des Ölpreis-Verfalls ihre Investitionen im Vorjahr drastisch reduziert haben, ist der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) 2015 deutlich in die Verlustzone gerutscht. Eine Erholung ist nicht in Sicht, man sei aber mit einer "kerngesunden Bilanzstruktur und der verbesserten Kostenstruktur" sehr gut aufgestellt, beruhigt SBO-Chef Gerald Grohmann.

Wien/Ternitz. Der im ATX der Wiener Börse notierte österreichischen Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) durchlebt derzeit wegen des Ölpreisverfalls eine längere Durststrecke. Während sich 2014 unterm Strich noch ein Gewinn von 54 Mio. Euro ausgegangen war, rutschte das Nettoergebnis 2015 mit 19 Mio. Euro deutlich ins Minus. Die Dividende wird um zwei Drittel von 1,50 auf 0,50 Euro je Aktie gekürzt.

2014 war sich für die im ATX der Wiener Börse notierte SBO unterm Strich noch ein Gewinn von 54 Mio. Euro ausgegangen, 2015 rutschte das Nettoergebnis 2015 mit 19 Mio. Euro deutlich ins Minus. Dennoch werde man der Hauptversammlung im April "im Sinne einer kontinuierlichen Dividendenpolitik" eine Dividende von 50 Cent je Aktie vorschlagen, sagte der seit Oktober amtierende Finanzvorstand Klaus Mader am Donnerstag bei der Vorlage der endgültigen Ergebniszahlen. Für 2014 hatte man noch eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Schoeller-Bleckmann produziert Bohrköpfe und Bohrgestänge für die Suche nach Öl und Gas. Aufgrund des Ölpreis-Verfalls halten sich die Ölfirmen bei ihren Investitionen zurück - bei SBO wirkte sich das im vergangenen Jahr mit einem Rückgang der Auftragseingänge um 59 Prozent auf 203,6 Mio. Euro aus. Der Auftragsstand zu Jahresende 2015 lag mit 34,3 Mio. Euro um 72 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Eine Erholung ist auch heuer nicht in Sicht. "Wer immer sich ein konkretes Datum erwartet, wann es mit dem Aufschwung losgeht, den muss ich leider enttäuschen", sagte Grohmann. "Für heuer rechnen wir, dass die Investitionen um weitere 15 bis 20 Prozent zurückgehen werden." Dass der Aufschwung kommen wird, ist für Grohmann sicher. "Natürlich kann es dann auch sein, dass dieses Bergauf unterstützt wird davon, dass einige Marktteilnehmer, einige Konkurrenten, die nicht so mit Finanzmitteln ausgestattet sind wie wir, dann die Segel streichen", hofft der SBO-Chef.

SBO könne hingegen aus dem Vollen schöpfen, berichtete Finanzchef Mader. Der Eigenkapital-Anteil sei von 57 auf 61 Prozent gesteigert worden. "Im kurzfristigen Vermögen von 391 Mio. Euro stecken 196 Millionen liquide Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um einerseits den Abschwung zu meistern, aber auch andererseits in unsere Wachstumsstrategie zu investieren." Bei Bankverbindlichkeiten von 170 Mio. Euro verfüge man also über einen Zahlungsmittel-Überschuss von 26 Mio. Euro. Darüber hinaus habe man im Vorjahr einen Rekord-Cashflow von 85 Mio. Euro erwirtschaftet.

Vorerst dürfte es aber weiter bergab gehen: Zwar geht die Internationale Energieagentur (IEA) für heuer von einem Anstieg des weltweiten Ölbedarfs um 1,2 mb/d (Millionen Fass pro Tag) auf 95,8 mb/d aus, doch vieles hänge davon ab, wie lange die OPEC an ihrem Kurs festhalten werde, die Produktion auf über 30 mb/d zu halten und damit einer Erholung des Ölpreises entgegenzuwirken.

Für heuer rechnen Analysten mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 55 Dollar pro Fass - laut Grohmann ist das ein Niveau, bei dem auch das Fracking in Nordamerika wieder anspringen wird, "wahrscheinlich schon früher". Wenn sich bei den Ölfirmen ein Vertrauen in die Nachhaltigkeit einer Ölpreiserholung einstelle - "ob das jetzt bei 50, 55 oder 60 Dollar ist, das wissen wir nicht" -, dann werde der nordamerikanische Markt der erste sein, der wieder anspringt. Denn dieser Markt sei auch am stärksten von der Flaute betroffen, dort sei der Rig Count, also die Anzahl der aktiven Bohrtürme, von fast 3.700 im Jahr 2014 auf derzeit nur noch knapp 1.600 gesunken.

SBO hat seinen Mitarbeiterstand im Vorjahr bereits von 1.720 auf 1.135 Leute weltweit reduziert, vor allem durch Kündigungen in England und Amerika, wo man jeweils zwei Standorte zusammengelegt habe, berichtete Grohmann. Ein weiterer Personalabbau sei nicht ausgeschlossen, er werde aber nicht mehr so stark ausfallen. Im niederösterreichischen Ternitz beschäftigt SBO knapp 380 Leute.

Auch SBO hat seine Investitionen zuletzt deutlich zurückgefahren und will sich auch heuer auf die notwendigsten Erhaltungsaufwendungen und Restrukturierungsmaßnahmen beschränken. Während in den vergangenen Jahren im Durchschnitt rund 50 Mio. Euro pro Jahr investiert wurden, wurden 2015 nur 22,9 Mio. Euro in Sachanlagevermögen investiert.

Die SBO-Aktie entwickelte sich im Jahr 2015 weitgehend parallel zum Ölpreis: Sie startete am 2. Jänner mit einem Kurs von 60 Euro in das Börsenjahr und erreichte am 11. Juni 2015 ihr Jahreshoch von 67,22 Euro. Heute hat die Aktie bis 13 Uhr um 1,54 Prozent auf 54,76 Euro zugelegt.

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