Softwareschmiede SAP schraubt Dividende nach oben

Softwareschmiede SAP schraubt Dividende nach oben

Nachschlag: SAP-Aktionäre bekommen etwas mehr Dividende als geplant.

Für das Geschäftsjahr 2015 will SAP die Dividende um 5 Cent auf 1,15 Euro anheben. Die Anleger sind damit allerdings vorerst nicht zufrieden. SAP-Vorstandschef Bill McDermott macht dagegen große Kasse.

Europas größter Software-Konzern SAP (ISIN DE0007164600) beteiligt die Aktionäre an der guten Geschäftsentwicklung. Die Dividende für 2015 solle um fünf Cent auf 1,15 Euro steigen, teilte SAP heute, Dienstag, mit. Insgesamt würden damit etwa 1,4 Milliarden Euro an die Teilhaber ausgeschüttet. Der deutsche Konzern kann sich die Zahlung wegen eines Rekord-Betriebsgewinns von 5,9 Milliarden Euro im vorigen Jahr leisten. Wegen der Kosten für Übernahmen und Restrukturierungen ist der Überschuss um sieben Prozent auf 3,06 Milliarden Euro gesunken.

Schub erhielten die Verkäufe unter anderem durch die schneller als geplante Umstellung auf das Cloud-Geschäft. Davon profitiert auch die Vorstandsriege: Die Arbeitsverträge von Konzernchef Bill McDermott und anderen Mitgliedern der Führung waren vorige Woche vorzeitig verlängert worden.

Der SAP-Chef schneidet am Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig mit. Er kassiert deutlich mehr ab als noch im Jahr zuvor. Für 2015 habe der Amerikaner inklusive Zusatzleistungen eine Vergütung von 9,3 Millionen Euro erhalten - 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte SAP am Dientag im Geschäftsbericht mit. Die Entlohnung ist im Vergleich zu den Gehältern seiner Dax-Kollegen hoch.

Die Vorstände der Dax-Vorstände haben im Schnitt einer Studie der Unternehmensberatung Willis Towers Watson zufolge 4,9 Millionen Euro kassiert.

In den USA würde der 54-Jährige SAP-Vorstand McDermott in den Gehalts-Charts der Top-Manager weit unten rangieren: Die beiden Chefs des SAP-Erzrivalen Oracle strichen zuletzt ein Jahressalär von jeweils 53 Millionen Dollar (47,4 Millionen Euro) ein.

McDermotts vier Kollegen im Vorstand erhielten jeweils eine Jahresvergütung von etwa 3,9 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Finanzchef Luka Mucic, Vertriebsvorstand Robert Enslin, den für Produkte verantwortlichen Top-Manager Bernd Leukert sowie Produktqualitätsvorstand Gerhard Oswald. Nicht enthalten ist in der Aufstellung Kundendienstleiter Michael Kleinemeier, der erst im November in die Führungsspitze aufrückte.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Der Softwarekonzern hatte seinen Umsatz 2015 um 18 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn war aber unter anderem wegen hoher Kosten für Abfindungen und Frühverrentungen zurückgegangen. Etwa 3.000 Mitarbeiter hatten den Angaben zufolge die Position gewechselt oder waren mit einer Abfindung zum Gehen bewegt worden. Ende 2015 beschäftigte SAP mit 76.986 aber trotzdem gut 2.500 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr. Etwa 18.000 Beschäftigte arbeiteten in Deutschland.

Im Heimatmarkt soll auch etwa ein Drittel des geplanten Budgets für Sachanlagen in den kommenden drei Jahren landen. Bis 2018 seien rund 160 Millionen Euro Ausgaben für Immobilien und Sachanlagen im Heimatmarkt geplant. Knapp 130 Millionen Euro seien für den Konzernsitz im baden-württembergischen Walldorf vorgesehen. Dort werden ein Rechenzentrum und ein Blockheizkraftwerk gebaut. Weitere Schwerpunkte sind unter anderem in Berlin und Potsdam.

Der Datenregen

Für den Aufbau neuer Geschäftsmodelle zieht es den Softwarekonzern allerdings in die USA. Dort soll eine neue Sparte rund um das Geschäft mit Daten entstehen. "Wir wollen unseren Kunden dabei helfen, datenbasierte Geschäftsmodelle aufzubauen", sagte Ingrid-Helen Arnold, bisher Leiterin der Informationstechnik bei SAP. Sie wird die neue Sparte im Silicon Valley von April an leiten.

Moderne Analysesoftware, wie sie SAP mit seinem Programm Hana anbietet, bereitet Daten zum Beispiel aus Online-Shops in Echtzeit auf. SAP hat weltweit mehr als 300 000 Kunden.

Der Wolkensegen

Der neue Geschäftsbereich startet zunächst mit einer Handvoll Leuten. In den kommenden sechs bis sieben Monaten soll die technische Basis gelegt werden. Wie groß der Bereich werden soll, wollte Arnold noch nicht sagen: "Der Bereich soll in den kommenden Jahren einen nicht unerheblichen Anteil zum Geschäft der SAP beitragen." Erst in den vergangenen hatte SAP das Geschäft mit Mietprogrammen (Cloud Computing) mit Hilfe von Übernahmen zu einem neuen Standbein aufgebaut. Es macht inzwischen mehr als zehn Prozent der Umsätze des Softwarekonzerns aus.

An der Börse kam die Dividendenerhöhung nicht gut an: Der Kurs der SAP-Aktie ist im Verlauf des Vormittags um 0,9 Prozent auf knapp über 70 Euro gesunken. Bis 13 Uhr hat sich das Minus bei 0,5 Prozent eingependelt. Nach Angaben von Börsenhändlern war die Dividendenerhöhung einigen Anlegern zu wenig.

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