RZB und RBI leiten Fusion ein - Beschluss noch heuer geplant

RZB und RBI leiten Fusion ein - Beschluss noch heuer geplant

Unter einem Dach: RBI-CEO Karl Sevelda prüft mit den Vorständen der RZB die Raiffeisen-Fusion.

Derzeit gibt es noch keine Organbeschlüsse. Die Prüfung der Fusion der Raiffeisen-Banken soll in sechs Monaten abgeschlossen sein. Die Fusion selbst könnte bis 2017 über die Bühne gehen. Die Raiffeisen Bank International (RBI) erzielt im 1. Quartal 2016 ein stark verbessertes Konzernergebnis. Der Börsenkurs der RBI-Aktie stürzt ab.

Wien. Die Raiffeisen Bank International und das Raiffeisen-Spitzeninstitut Raiffeisen Zentralbank prüfen eine Fusion. Das teilten die beiden Banken am Dienstagabend mit. Die Prüfung soll innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein, "um allfällige Umsetzungsbeschlüsse noch 2016 fassen zu können". Derzeit gebe es noch keine Organbeschlüsse, heißt es in der Mitteilung.

Ziel der Zusammenführung seien die Vereinfachung der Konzernstruktur und die Anpassung der Gruppe an die erhöhten regulatorischen Anforderungen. An der Börsennotiz der Raiffeisen Bank International würde die mögliche Fusion nichts ändern, teilt die RBI am Mittwoch mit.

Das bedeutet, dass die Muttergesellschaft RZB somit auf die börsennotierte Tochter verschmolzen wird.

Das Ziel der Fusion ist die weitere Schaffung von Kapitalvorteilen, straffere Entscheidungsstrukturen und letztlich auch Kosten-Synergien. Auch den Aufsehern, namentlich der Europäischen Zentralbank (EZB), dürfte an strafferen Strukturen gelegen sein. Die EZB sei immer an optimaler Kapitalisierung und einer Vereinfachung der "nicht unkomplizierten Struktur unserer Bankengruppe" interessiert, sagte Bankchef Karl Sevelda in der Telefonkonferenz.

RZB-Chef Rothensteiner: "Status nicht gottgegeben"

Der Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, hat am Mittwoch Vorteile einer Fusion mit der RBI hervorgehoben. Den Ausschlag gaben "späte Anpassungen an Basel III und die damit geänderte Sicht der Eigenmittelrechnung". Durch eine Zusammenlegung entspräche man den Erwartungen der Aufsicht weit mehr als bisher.

"Andererseits würden wir die Kapitalaufnahmefähigkeit unseres Spitzeninstituts deutlich verbessern", sagt Rothensteiner in einem interview in der "Raiffeisen Zeitung".

"Auch können wir damit stärker Synergien heben", wobei er denke, dass man hier bereits in den letzten Jahren schon viel herausgeholt habe, meinte der RZB-Chef.

Ob er damit keine Gefahr sieht, dass sich das nach einer Fusion an der Börse notierte Spitzeninstitut irgendwann einmal nicht mehr in österreichischem Besitz befindet? "Nein, wir sind schon jetzt die einzige große österreichische Bankengruppe und werden das auch bleiben", sagt Rothensteiner. "Allerdings ist dieser Status nicht gottgegeben. Wir müssen ihn uns immer wieder erarbeiten. Ich möchte, dass wir über unsere Zukunft auch weiterhin in Österreich entscheiden und nicht Entscheidungen ausführen müssen, die in einer ausländischen Konzernzentrale getroffen werden." Er sei davon überzeugt, "dass unsere Eigentümer das genauso sehen".

Vollzug im Jahr 2017

In den nächsten Monaten sollen die Weichenstellungen für die Fusion erfolgen. Kommt ein Beschluss auf den Zusammenschluss zustande, könnte die Fusion im ersten Halbjahr 2017 abgeschlossen sein.

Die RBI ist eine voll konsolidierte Tochter der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB). Die RZB hält rund 60,7 Prozent der RBI-Aktien, der Rest befindet sich im Streubesitz. Sie ist in Österreich und in 15 Ländern von Zentral- und Osteuropa (CEE) über rund 2.700 Geschäftsstellen tätig. Die RBI zählt eigenen Angaben RBI 14,9 Millionen Kunden, der überwiegende Teil davon außerhalb Österreichs. Auf der Payroll sind 51.700 Mitarbeiter.

Zur Raiffeisen Zentralbank Österreich AG zählen unter anderem 477 selbständige Raiffeisenbanken (mit 1578 Bankstellen), die über die acht Raiffeisen-Landeszentralen mit 89,86 Prozent an der RZB beteiligt sind und quasi der Haupteigentümer der RZB sind. Die Raiffeisen-Bankengruppe beschäftigt österreichweit rund 29.000 Mitarbeiter.

Die Raiffeisen-Organisation Österreich beschäftigt mit Stichtag 1. Jänner 2015 rund 56.800 Mitarbeiter. Neben dem Finanzsektor liegen die Schwerpunkte in den Branchen Milch und Ware (Lagerhäuser) sowie in zahlreichen, kleinstrukturierten Verwertungsgenossenschaften vorwiegend im ländlichen Raum. Die Raiffeisen-Organisation hat österreichweit 1500 selbständige Genossenschaften, an denen wiederum mehr als zwei Millionen Mitglieder beteiligt sind.

Positive Entwicklung

Die RBI hat nach Börsenschluss ihr Ergebnis bekanntgegeben: Im 1. Quartal 2016 konnte das Konzernergebnis von 83 Millionen auf 114 Millionen Euro erhöht werden, was einer Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Das Ergebnis vor Steuern liegt im abgelaufenen Quartal mit 229 Millionen Euro um 22 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Das Ergebnis nach Steuern stieg im Vorjahresvergleich um 38 Prozent auf € 138 Millionen

"Insgesamt handelt es sich um ein zufriedenstellendes Ergebnis, denn auch das erste Quartal stand unter dem Eindruck des anhaltenden Niedrigzinsumfelds", sagte RBI-Chef Karl Sevelda laut Aussendung. Eine Trendwende bei der Zinspolitik sei nicht in Sicht. Einen Großteil der regulatorischen Kosten für das Gesamtjahr 2016 habe man bereits im ersten Quartal verbucht.

Die Anleger dürften die Ankündigungen vom Mittwoch nicht überzeugt sein. Der RBI-Aktienkurs ist am Mittwoch im Frühhandel mit fast sechs Prozent abgestürzt. Gegen Mittwochmittag ist das Minus sogar auf 8,55 Prozent weiter abgestürzt.

Turnaround der Sorgenkinder

"Erfreulich sind insbesondere die positiven Ergebnisse in Ungarn und der Ukraine", sagte Sevelda. "Ich rechne damit, dass diese beiden Länder den Turnaround geschafft haben und auch für das Gesamtjahr 2016 positive Ergebnisse liefern."

Die Nettodotierungen zu Kreditrisikovorsorgen sind im Quartalsvergleich um 77 Prozent oder 364 Mio. auf 106 Mio. Euro gesunken - allerdings sei die hohe Differenz saisonal bedingt, heißt es. Im Gesamtjahr sollen die Risikovorsorgen unter dem Niveau von 2015 (1,264 Mrd. Euro) bleiben.

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