Wachstumsstar Russland: Die Börsenrallye hält an

Wachstumsstar Russland: Die Börsenrallye hält an

Börse Moskau: Ein Plus von 43 Prozent innerhalb eines Jahres - und die Rallye soll weitergehen.

Die russische Wirtschaft steht recht gut da und dürfte 2020 zu den drei Staaten mit dem höchsten Wirtschaftswachstum weltweit zählen. Wie Putin mit neuen Großinvestitionen und Entlastungen für Bürger Geld in die Wirtschaft pumpen will. Experten glauben, dass der russische Börsenboom von 2019 heuer anhält. Russlandfonds, die sich gut geschlagen haben.

Damit haben selbst viele Insider nicht gerechnet: Mit dem Rücktritt der gesamten russischen Regierung. Was wie eine Erschütterung in das Vertrauen des Systems anmutet, bietet aber nach Einschätzung von Experten, mittel- bis längerfristig Stabilität. Denn Wladimir Putin hat im gleichen Atemzug angekündigt, auch nach 2024 das russische Staatsoberhaupt zu bleiben, wenn er laut Verfassung auch als Präsident zurücktreten muss. Die Stabilität an der Spitze gilt als ebenso positiv, ebenso die Ernennung des wirtschaftsfreundlichen Michail Mischustin als Interims-Premierminister. "Er bietet die Aussicht auf ein mittelfristig noch stärkeres Wirtschaftswachstum“, so Nikolay Markov, Russland-Wirtschaftsexperte bei Pictet Asset Management.


Wirtschaftswachstum dürfte sich 2020 weiter beschleunigen
Einem anhaltenden Boom am russischen Aktienmarkt steht damit im Grunde nicht viel im Weg. Schon im Vorjahr verzeichneten russische Aktien (RTS-Aktienindex) ein Plus von über 40 Prozent. Julian Zbar, Russland-Aktienexperte bei Pictet: „Der russische Aktienmarkt wird unterstützt von starker Auslandsnachfrage, niedrigen Zinssätzen, hohen Dividendenrenditen und der Umsetzung von Putins Rentenreformen. Das Wachstum Russlands wird sich nach Einschätzung von Pictet im Jahr 2020 schneller beschleunigen wird als in fast allen anderen Schwellenländern und knapp zwei Prozent betragen (siehe Grafik).

Die Türkei, Argentinien und Russland - dieses Triumvirat führt die Schwellenländer beim Wirtschaftswachstum für 2020 laut Prognosen an.

Mehrere ökonomische Parameter sprechen für ein vergleichsweise hohes Wachstum:
- Die Arbeitslosigkeit ist seit 2002 stark rückläufig und hat sich seither auf 4,8 Prozent verringert und damit fast halbiert.
- Der Haushaltsüberschuss ist hoch,
- die gesamtstaatliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP von 12 Prozent bemerkenswert niedrig.
- die Inflation ist unter Kontrolle und geht weiter zurück.

Geldsegen von 38 Milliarden Euro für nationale Projekte
Vor diesem günstigen wirtschaftlichen Hintergrund startet Präsident Putin seine Initiative „Nationale Projekte“ in Höhe von 25,8 Billionen Rubel (38 Milliarden Euro), die sein Erbe als Russlands größter Herrscher seit der Ära der Zaren festigen soll.
Ziel der Initiative mit einem Anteil von 23 Prozent am BIP ist es, das langfristige Wachstumspotenzial der Wirtschaft auf 3 Prozent zu verdoppeln und die Abhängigkeit von Petrochemikalien zu verringern. Rund 60 Prozent der Mittel fließen in Infrastruktur, Straßen und Umwelt, der Rest in die Bereiche Demografie, Gesundheitswesen, Digitalisierung, Wohnen, Export, Bildung, Wissenschaft, KMU, Kultur und Produktivität.

Anhand von Frühindikatoren erwarten die Russlandexperten von Pictet ein reales BIP-Wachstum von 2,5 Prozent, das über der Konsensprognose von 1,7 Prozent liegt. Begründet werden das mit der guten Umsetzung der ehrgeizigen nationalen Projekte, der Belebung des privaten Verbrauchs, die lockeren finanziellen Bedingungen und geplante Erhöhung der Sozialausgaben. Weitere positive Faktoren sind der steigende Handel mit China - eine Auswirkung der US-Handelspolitik - und die anhaltende Stärke des Ölpreises, der nach wie vor der dominierende Export Russlands ist.

Unterbewerteter Rubel, im Schnitt acht Prozent Dividendenrendite
Wer in russische Anleihen oder Aktien investiert, kann zudem mit Aufwertungsgewinnen rechnen. Nach Einschätzung von Pictet ist der Rubel um über fünf Prozent unterbewertet. Neben der aktuellen Performance und der Aussicht auf Kursgewinne winken bei russischen Aktien im Schnitt Dividendenrenditen von über acht Prozent im Jahr, 2021 sollen die Ausschüttungen gar auf über neun Prozent steigen. "All diese Faktoren ergeben ein positives Bild für Anleger", so Russland-Anlageprofi Zbar.

Hohe Öleinnahmen
Im Jahr 2020 können Exporteure zudem mit erhebliche Subventionen rechnen und die Regierung will das jeder Bürger ein Internet-Zugang ermöglicht wird. Die Ausgaben für die nationalen Projekte könnten heuer dank robuster Öleinnahmen höher ausfallen werden als im Vorjahr, was in diesem Jahr zu einem zusätzlichen Wachstum von 0,5 Prozentpunkten und in den Folgejahren zu einem jährlichen Wachstum von 0,3 Prozentpunkten führen dürfte.

Pensionsantrittsalter angehoben
Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre für Männer und 60 Jahre für Frauen dürfte ausreichen, um den negativen demografischen Trend umzukehren und die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter langfristig zu erhöhen.

Immobilienwirtschaft, Bank und Einzelhandel sollten profitieren
All das und eine viel stärkeren als erwartete Wohnbautätigkeit (die sich darauf konzentriert Häuser aus der Sowjetzeit zu sanieren oder zu ersetzen) würde ein BIP-Wachstum von 2,5 Prozent für 2020 recht realistisch machen. Die Sektoren, die laut Pictet am ehesten davon profitieren, sind Metalle, Immobilien und Banken. Der Konsum dürfte, aufgrund steigender Realeinkommen, 2020 ebenfalls stärker steigen. Hinzu kommen neue finanzielle Unterstützung bei der Mutterschaft, neuen Sozialleistungen und höheren Dividendenrenditen dürften dem Einzelhandel zugute kommen.

Risiken existieren weiterhin
Doch die politische Situation hat auch Schwächen: Das Kartellrecht, das Rechtssystem, Verzögerung in Bezug auf Technologienetzwerke).“ Das schränkt die Dynamik des Privatsektors ein“, meint Julian Zbar, Russland-Aktienexperte bei Pictet.
Dank der verbesserten öffentlichen Finanzen des Landes, der günstigen Inflation, der hohen Dividendenrenditen und des Potenzials zur Beschleunigung des BIP-Wachstums haben sich die russischen Aktien zu einem Markt mit relativ geringen Risiken entwickelt.

Diese Russland-Fonds haben sich in der Vergangenheit bewährt
Zu den langjährig erfolgreichen Fonds auf diesem Gebiet zählt der Raiffeisen Russland Aktienfonds (ISIN: AT0000A07FR3) der in den vergangenen zwölf Monate eine Rendite von 40,1 Prozent abgeworfen hat. In den vergangenen zehn Jahren vermehrte sich das Geld mit diesem Fonds um über 80 Prozent.

Fast gleichauf auf Jahressicht liegt der Pictet-Russian-Equities (ISIN: LU0338482937), der 39,30 Prozent erzielte. In den vergangenen fünf Jahren brachte der Fonds im Schnitt pro Jahr rund 22 Prozent. Lukoil, Sperbank und Gazprom zählen derzeit zu den größten Positionen im Portfolio. Große unterbewertete Titel bilden den Fokus bei der Aktienauswahl.
Ein vergleichsweise geringes Risiko geht laut Morningstar der Amundi Russia Equity (ISIN: LU1883867761) ein. Große Valuetitel sind auch das Spezialgebiet dieses Fonds. Die Titelauswahl der größten Werte ist fast ident mit der vom Pictet-Fonds.

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