Der Run auf Tech-Aktien hält an

Software aus den USA, Hardware und Halbleiter aus Holland, Korea oder Taiwan gehören weiterhin ins Depot, betont Anlage-Experte Ken Fisher in seinem Gastkommentar.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

KEN FISHER ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Steigende Zinsen sind Gift für die Technologie-Aktien! Das sagen diejenigen Experten, die glauben, dass ein Steigen der langfristigen Zinssätze die Performance der Tech-Werte im globalen Bullenmarkt kippen lässt. Was ihnen allerdings entgeht: Historisch haben die Tech-Werte den breiten Markt bei steigenden Anleiherenditen meist übertroffen. Und heute? Selbst wenn der jüngste Zinsanstieg anhält, sollten zahlreiche andere Kräfte die Tech-Aktien nach oben treiben.

Techs mit Renditen zu verknüpfen, ist zu kurzsichtig: Höhere Zinsen verringern den Kapitalwert künftiger Gewinne - und vermindern den Betrag, den Anleger bereit sind, für die künftigen Profite von Unternehmen auszugeben. Seit gute Aussichten auf künftige Gewinne die hohe Bewertung der Techs untermauern, argumentieren dieselben Experten, dass steigende Zinsen diese wieder zunichte machen würden.

Eine nette Theorie. Aber Zinsen sind immer nur einer von vielen Faktoren für eine gute Performance. Seit 1973 haben sich die globalen Tech-Aktien in weit über der Hälfte der Zeiträume mit steigenden Zehn-Jahre-Anleiherenditen in den USA, dem langjährigen Zentrum der Tech-Branche, besser entwickelt als die weltweiten Aktien insgesamt.

Tech-Aktie ist nicht gleich Tech-Aktie

Die heutigen Technologiewerte sind deutlich anders als früher - weniger Hardware, mehr Software und Dienstleistungen. Aber sie widersetzen sich immer noch steigenden Zinsen. So stiegen zwischen Mitte 2016 und Ende 2018 die Zinsen für zehnjährige US-Treasuries von 1,37 auf 3,24 Prozent, die globalen Technologieaktien jedoch um 64,7 Prozent (Aktien gesamt 23,0 Prozent). Warum?

Das Wachstum verlangsamte sich mit der zunehmenden Expansion und begünstigte Aktien, die auch in einer stagnierenden Wirtschaft zulegen konnten - eben die Tech-Werte!

Die kurzfristigen und langfristigen Zinsen stiegen parallel, sodass der Abstand stabil blieb. Banken leihen kurzfristig teuer, um auch langfristig verleihen zu können. Die Differenz bildet die künftige Kreditrentabilität ab. Die niedrigen Gewinne verleideten den Banken die Kreditvergabe an Value-Unternehmen mit typischerweise geringer Kreditwürdigkeit. Wachstumsunternehmen, die auf eine Vielzahl von Finanzquellen zurückgreifen oder Wachstum auch intern finanzieren können, entwickelten sich aber blendend.

Inflation als Spielverderber

Die diesjährigen Zinssteigerungen nach der Reduktion der Anleihekäufe durch die EZB beziehungsweise der US-Fed sind minimal. Sie wirken in Österreich ebenso wie in den USA kurzfristig und stimmungsgetrieben.

Die globale Nachfrage nach hochwertigen Schuldverschreibungen wird jedem Zinsanstieg die Luft nehmen. Die Versorgungsengpässe und Straffungen durch die Zentralbank werden überall diskutiert - und damit eingepreist. Höhere langfristige Zinssätze erfordern einen anhaltenden Inflationsdruck, der das übersteigt, was die Märkte bereits eingepreist haben. Aber das ist unwahrscheinlich. In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreise im Oktober gerade mal um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; in den USA im September um 4,0 Prozent - zu wenig, um Schaden anzurichten. Zudem wird der Preisdruck nachlassen. Energie, Öl-und Gasfirmen steigern die Produktion. Die Kohlepreise in Asien fallen. Und die Sorgen um genug Wind in Europa flauen ab, der Zinsanstieg verlangsamt sich.

Der Spread der Zinsstrukturkurve bleibt global gering und behindert die Rentabilität der Banken. Schließlich hilft das nachlassende Wachstum den konjunkturunabhängigeren Unternehmen, und dabei vor allem den großen Software-und Servicesparten der Technologiefirmen -speziell, wenn Engpässe und Pandemie anhalten.

Aber auch die Hardware- und Halbleiterbereiche der Techs dürften helfen, selbst wenn sie kapitalintensiver sind und unter Arbeitsmarkt-und Lieferproblemen leiden. Ihre Produkte sind notwendig, um Software und Dienstleistungen bereitzustellen, und ihre Performance übertrifft die globalen Aktien, insbesondere außerhalb der USA. Denken Sie also bei großen Software-und Dienstleistungswerten an die USA und bei Hardware und Halbleitern zur Diversifizierung an Holland, Korea und Taiwan. Renditeverschiebungen allein entscheiden nicht über den Erfolg eines Sektors. Zinsen bewegen sich aufgrund der gleichen Faktoren wie Aktien in Echtzeit. Ebenso wenig bestimmen die heutigen Schwankungen die von morgen. Sie sollten daher kurzfristige Schwankungen nicht überbewerten. Kaufen Sie weltweit, um von der Stärke der Techs zu profitieren.



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