Rückzug der USA aus Atomabkommen treibt Ölpreis hoch

Rückzug der USA aus Atomabkommen treibt Ölpreis hoch

Der Ölpreis ist kurz nach der Ankündigung von Donald Trump das Atiomabkommen mit dem Iran sofort zu kündigen, um fast drei Prozent gestiegen. Saudi-Arabien will die Erdölproduktion wieder erhöhen. Die USA setzen andere Länder unter Druck Deals mit dem Iran zu widerrufen.

Hongkong. Der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran hat den Ölpreis nach oben getrieben. Der Brent-Ölpreis ist am Mittwochvormittag stark gestiegen. Der als wichtige Ölpreisbenchmark geltende Future auf die Rohölsorte Brent notierte gegen 11.00 Uhr in London um 2,70 Prozent höher bei 76,87 Dollar je Barrel (159 Liter). Am Dienstag stand der Brent-Future zuletzt bei 74,85 Dollar.

Ausgelöst hatte die Rally am Ölmarkt die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, dass die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran aussteigen werden. Trump begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass Teheran trotz der Vereinbarung von 2015 sein Streben nach Atomwaffen fortgesetzt habe. Die im Rahmen der Vereinbarung ausgesetzten Sanktionen werden damit wieder schlagend. "Wir werden die höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen", sagte Trump.

Für den Ölmarkt dürfte dies weitreichende Folgen haben, da das Angebot bereits jetzt als knapp gilt. Schon in den vergangenen Tagen hatte der erwartete Rückzug der USA aus dem Abkommen den Ölpreis in die Höhe getrieben. Erst am Dienstag erreichte deshalb in Deutschland auch der Heizölpreis ein Dreijahreshoch.

Die Analysten der Commerzbank betrachten Trumps Entschluss als "folgenschwere Entscheidung". Bevor das Abkommen in Kraft getreten sei, hätten aufgrund der damaligen Sanktionen bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag an iranischem Öl gefehlt. Knapp die Hälfte davon sei auf die EU entfallen. Dazu dürfte es aber dieses Mal nicht kommen, erwarten die Analysten mit Verweis auf die kritische Haltung der EU zu Trumps Entscheidung.

Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien kündigte am Dienstagabend bereits an die Erdölförderung hochzufahren, um etwaigen Versorgungsengpässen entgegen zu wirken. Das Land werde mit wichtigen Ölproduzenten innerhalb und außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) sowie mit Ölverbrauchern zusammenarbeiten, um die "Folgen von Engpässen zu begrenzen", teilte das Energieministerium mit.

Der Iran ist der drittgrößte Ölproduzent des Ölpreis-Kartells OPEC. Nur Saudi Arabien und Irak exportieren mehr Öl. Die größten Abnehmer vom Iran sind derzeit China, Indien, Japan und Südkorea. Iran kommt derzeit auf eine tägliche Öl-Fördermenge von 3,8 Millionen Barrl, was etwa der weltweiten Öl- Produktion von vier Prozent entspricht.

Der Preis für OPEC-Öl ist am Dienstag auf 71,12 Dollar pro Barrel gefallen. Am Montag hatte das Barrel nach Angaben des OPEC-Sekretariats in Wien noch 72,45 Dollar gekostet. Der OPEC-Preis setzt sich aus einem Korb von zwölf Sorten zusammen.

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs sehen für den Ölpreis in den kommenden Wochen nur einen moderaten Anstieg. Bis zum Sommer würde ein Barrel Brent 82,50 Dollar kosten. Der Preis für das texanischen Öl WTI soll demnach etwas langsamer steigen. Dies sei der frenetischen Schieferölproduktion (Fracking) in den USA zu verdanken.

Airbus und Boeing wurde von den Amerikanern bereits die Rute ins Fenster gestellt, die vom Iran bestellten Flugzeugdeals zu stoppen. US-Finanzminiister Steven Mnuchin hat angekündigt, die bestehenden Genehmigungen zu widerrufen. Ende 2016 hatte der europäische Flugzeugbauer Airbus von Iran Air einen Großauftrag über 98 Verkehrsflugzeuge fixiert. Davon wurde eins bisher ausgeliefert. Zwei Airbusse seien über Leasingfirmen in den Iran gelangt.

Airbus hatte Ende 2016 mit Iran Air einen Großauftrag über 98 Verkehrsflugzeuge abgeschlossen. Davon wurde eins bisher direkt ausgeliefert, wie der Sprecher sagte. Im Orderbuch des Unternehmens verblieben also 97 Airbus-Maschinen. Zwei Airbusse seien zudem über Leasingfirmen in den Iran gelangt.

International stieß seine Entscheidung auf Kritik, nur Irans regionale Rivalen Israel und Saudi-Arabien begrüßten den Schritt. Berlin, London und Paris hatten zuvor bei Trump vergeblich für den Verbleib der USA in dem Vertrag mit dem Iran geworben. Sie kündigten an, sich nach dem Ausstieg der USA weiter für den Erhalt der Vereinbarung einsetzen.

Die "Lüge"

Mit dem Wiener Atomabkommen vom Juli 2015 hatte sich die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats und Deutschland verpflichtet, auf Sanktionen gegen den Mullah-Staat zu verzichten. Im Gegenzug sollte der Iran unter anderem weitgehend die Anreicherung von Uran unterlassen, um die Herstellung von waffenfähigem Nuklearmaterial auszuschließen. Die Regelung gilt zunächst bis 2025; einige Teile, darunter verschärfte Kontrollen durch internationale Beobachter, reichen bis ins Jahr 2040. Unabhängige Beobachter bescheinigten dem Iran bisher stets, die Verpflichtungen zu erfüllen. Trump bezeichnete das als eine "Lüge".

Nach dem Rückzug der USA droht der Konflikt um das iranische Nuklearprogramm erneut zu eskalieren - es gibt bereits Warnungen vor einer militärischen Konfrontation. Insbesondere Israel und der Iran gehen auf Konfrontationskurs. Israel wirft dem Iran vor, seine Präsenz im Bürgerkriegsland Syrien ausgebaut und viele Waffen geliefert zu haben. Israel traf noch am Dienstag militärische Vorbereitungen, nachdem ungewöhnliche Militärbewegungen des Iran im nördlichen Nachbarland Syrien beobachtet worden seien. Trump wies seinen Verteidigungsminister an, sich darauf vorzubereiten, jegliche Aggression des Iran gegen die Vereinigten Staaten oder Verbündete "rasch und entschlossen" abzuwehren.

"Mr. Trump, sie haben einen Fehler gemacht"

International besteht auch Sorge vor einem atomaren Wettrüsten in Nahost. Der iranische Präsident Hassan Rouhani bekannte sich zwar zu dem Atomdeal, warnte aber, dass die Anreicherung von Uran ohne eine befriedigende Lösung wieder unbegrenzt aufgenommen werden könnte. Saudi-Arabien hat bereits angekündigt, dem nicht tatenlos zuzusehen. Der oberste iranische Führer, Ayatollah Ali Khamenei, sagte am Mittwoch: "Es besteht keinerlei Logik, in dem Abkommen zu bleiben, wenn uns das EU-Trio dessen Umsetzung nicht versichert."

Khamenei bezeichnete die Äußerungen Trumps als dumm und oberflächlich. "Mr. Trump, ich sage Ihnen im Namen des iranischen Volkes: Sie haben einen Fehler gemacht", hieß es auf seiner offiziellen Website am Mittwoch. Der Ausstieg der USA ist Wasser auf die Mühlen von Rouhanis Kritikern, die sich die Ungeduld der Iraner zunutze machen. So zeigte sich der Chef der Revolutionsgarden, Mohammad Ali Jafari, skeptisch und sagte, die Europäer seien an die USA gebunden und nicht frei in ihrer Entscheidung.

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