Erneutes Rekordtief: Russischer Rubel wird noch schwächer

Erneutes Rekordtief: Russischer Rubel wird noch schwächer

Der Rubelkurs wie eine Springtide und für den Surfer nur schwer einschätzbar.

Der Kursverfall des Rubels geht weiter: Für einen Dollar müssen rund 85,99 Rubel bezahlt werden. Für einen Euro müssen bereits 93,70 Rubel bezahlt werden. Am Mittwoch war der Kurs auf mehr als 80 Rubel notiert worden - der Kurs von 80,79 Rubel war der tiefste seit der russischen Währungsreform 1998. Der ungezügelte Verfall des Ölpreises fährt nun auch Russland kräftig in die Parade. Das bedeutet steigende Inflation und sinkende Kaufkraft. Massive Kritik hagelt es von Ex-Staatschef Michail Gorbatschow.

Das nächste Tief ist erreicht: Der Rubel wird schwächer und schwächer: Die russische Währung notiert den zweiten Tag in Folge auf Tiefststand: Fast 85,99 Rubel für einen Dollar muss bezahlt werden. Etwa so viel wie im Jahr 1998, als Russland in einer schweren Finanzkrise gesteckt hat.

Für Russland umso schlimmer, weil das Land vom Öl abhängig ist. Damals verkauften Investoren in Panik, der Kurs fiel schlagartig, erholte sich aber auch schnell wieder.

Gegenüber dem Euro stand der Rubel am Donnerstag bei rund 93,70 Rubel.(--> Aktueller Kurs EUR/RUB) Am Mittwoch waren es 88,16 - um rund 5 Prozent weniger notierte der Rubel zum Euro - dem höchsten Stand seit Dezember 2014. Damals mussten für einen Euro 100 Rubel gezahlt werden.

Unter Beobachtung

Trotz des immer schwächer werdenden Rubels kann nach Angaben der russischen Regierung nicht von einem "Kollaps" der Landeswährung gesprochen werden. "Der Wechselkurs schwankt wirklich, der Kurs ist unbeständig, aber er ist weit von einem Kollaps entfernt", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag vor Journalisten.

Die Zentralbank verfolge den Wechselkurs aufmerksam und werde in der Lage sein, einen wirklichen Kollaps des Rubel zu verhindern, fügte er hinzu.

Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Die Ölschwemme und vor allem die Sanktionen des Westens dürften Russland und seiner Währung noch weiter zusetzen. Eine Drosselung der Erdölproduktion, wie sie etwa die OPEC-Mitglieder Venezuela zuletzt gefordert haben, scheint nicht in Sicht. Der Frei Fall des Ölpreises pro Fass geht auch am Donnerstag weiter. WTI Crude notiert pro Fass mit 28,05 Dollar um 1,06 Prozent. Nordee-Öl Brent verlor 1,28 Prozent auf 27,55 Dollar erholte sich aber am Ende auf über 29 Dollar (--> aktueller Ölpreis BRNT). Die OPEC hat nachjustiert: Der OPEC-Preis wurde Mittwochnachmittag aum 1,487 Dollar auf 22,48 Dollar erneut gesenkt.

Russland in der Krise

Schlecht für Russland. Der niedrige Rubel bedeutet steigende Inflation und damit sinkende Kaufkraft für die russischen Haushalte, sagte Wirtschaftswissenschaftler Igor Nikolajew von der Unternehmensberatung FBK Grant Thornton. Die Bevölkerung verarme.

Für die russische Wirtschaft bedeute die Entwicklung einen weiteren Rückgang der Investitionen. "Die wirtschaftliche Lage ist instabil und ungewiss", sagte Nikolajew.

Der Internationale Währungsfonds hatte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Russland erst am Dienstag abgesenkt. Er rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um ein Prozent schrumpfen wird - nach einem Minus von fast vier Prozent 2015. Neben dem Preisverfall beim Öl machen dem Land die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen des Westens zu schaffen.

Massive Kritik von Gorbatschow

Die Regierung in Moskau hat die Bevölkerung bereits auf Einschnitte eingeschworen. Präsident Wladimir Putin sagte am Mittwoch vor Unternehmern, die letzten beiden Jahre seien "für alle Branchen" schwierig gewesen.

Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Nowosti, die Regierung habe "kein Programm und keinen Plan" für einen Ausweg aus der Krise. "Alles, was man uns sagt, soll uns beruhigen, aber es geschieht wenig, damit das auch passiert." Das Land sei in einer "ernsten Lage".

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