Inflation oder Impfung: Was macht das Gold?

Sicherer Hafen, Krisenwährung, Luxusgut: Gold hat viele Funktionen – und ist gefragt wie selten zuvor. Beim aktuellen Round Table des trend diskutierte eine Expertenrunde, warum Gold so begehrt ist und was eine steigende Inflation oder eine Impfung für den Preis bedeuten.

Round Table: philoro -
vlnr: Thomas Geissler, Geschäftsführer von philoro Melting & Refining; Ronald Stöferle, Herausgeber des Fachreports „In Gold We Trust“ und Fondsmanager der Vermögensverwaltung Incrementum; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Rudolf Brenner, Gründer und CEO des Edelmetallhändlers philoro; Thomas Martinek, Ressortleiter Geld & Anlage beim trend

Round Table: philoro - vlnr: Thomas Geissler, Geschäftsführer von philoro Melting & Refining; Ronald Stöferle, Herausgeber des Fachreports „In Gold We Trust“ und Fondsmanager der Vermögensverwaltung Incrementum; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Rudolf Brenner, Gründer und CEO des Edelmetallhändlers philoro; Thomas Martinek, Ressortleiter Geld & Anlage beim trend

Round Table: philoro


Der Trend ist nicht neu, aber aktuell wie selten zuvor: Gold als Krisenwährung für Anleger. Im August hat der Kurs mit über 2.000 US-Dollar je Feinunze einen neuen Höchstwert erreicht, inzwischen ist er wieder leicht gesunken. Je düsterer die Aussichten, desto heller glänzt Gold. Aber gilt das auch in Zukunft? Ist Gold wirklich der sichere Hafen oder ist der Preis schon heiß gelaufen? Und schadet eine Impfung nur dem Coronavirus oder vielleicht auch dem Goldpreis? Um diese und andere Fragen rund um das begehrte Edelmetall ging es bei einem aktuellen Round Table des trend.

rechts: Rudolf Brenner, Gründer und CEO des Edelmetallhändlers philoro

Worüber sich die Runde einig war: Österreich ist ein Gold-Land. Österreichische Anleger besitzen mit 561 Tonnen des Edelmetalls doppelt so viel Gold wie die Oesterreichische Nationalbank. Rudolf Brenner, Gründer und CEO des Edelmetallhändlers philoro, überrascht das nicht: „Viele Menschen wurden schon durch die Finanzkrise 2008 für das Thema Gold sensibilisiert. Niedrige Zinsen und der Handelskonflikt zwischen den USA und China haben die Bedeutung von Gold noch erhöht.“ Die Konsequenz: Kaum war der Lockdown aufgehoben, bildeten sich Schlangen vor den Verkaufsstellen. „Gold ist ein sicherer Hafen in turbulenten Zeiten“, erklärt Brenner den Ansturm auch auf die philoro-Filialen. „Gold ist krisensicher. Und es ist kein Versprechen, es bedeutet Besitz.“


Gold ist ein sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Gold ist krisensicher. Und es ist kein Versprechen, es bedeutet Besitz.

Rudolf Brenner, CEO philoro

Ronald Stöferle, Herausgeber des Fachreports „In Gold We Trust“ und Fondsmanager der Vermögensverwaltung Incrementum

Der Goldexperte Ronald Stöferle, Herausgeber des Fachreports „In Gold We Trust“ und Fondsmanager der Vermögensverwaltung Incrementum, bestätigt das: „Gold ist ein hervorragender Stabilisator und gehört in jedes Portfolio, so wie ein guter Verteidiger und ein guter Torhüter in jedes wirklich gute Fußballteam gehören.“ In der Vermögensverwaltung rät Stöferle seinen Kunden zu einem Goldanteil zwischen 8 und 15 Prozent, je nach Risikoneigung und Ausrichtung des Portfolios.


Gold ist ein hervorragender Stabilisator und gehört in jedes Portfolio. So wie ein guter Verteidiger und ein guter Torhüter in jedes wirklich gute Fußballteam gehören.

Ronald Stöferle, Goldexperte

Ist Gold also vor allem ein Investment für Schwarzseher und Untergangspropheten? „Überhaupt nicht“, widerspricht Stöferle, „ich bin grenzenloser Optimist, bin Unternehmer, habe Kinder und glaube an eine bessere Zukunft. Und gerade deshalb investiere ich auch persönlich in Gold.“

links: Thomas Martinek, Ressortleiter Geld & Anlage beim trend

Thomas Martinek, Ressortleiter Geld & Anlage beim trend, sieht das ähnlich: „Ohne Frage haben die meisten Anleger ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Aber in den vergangenen Jahren hat sich Gold doppelt so gut entwickelt wie die Aktienmärkte. Also sind die Goldkäufer nicht nur vorsichtige, sondern auch kluge Investoren.“

Selbst wenn es eine Impfung gibt und Virus-Angst und -Krise vorbei sein sollten, bedeutet das keinen Absturz des Goldpreises. „Wird die Stimmung besser und es wird wieder mehr gekauft und mehr gereist, trifft diese steigende Nachfrage auf die große, aufgeblähte Geldmenge“, ist Stöferle überzeugt, „und das ist dann der Moment, wo Inflation zum Riesenthema wird.“ Das wäre ein weiterer Turbo für den Goldpreis, glaubt auch Martinek. Für ihn ist es kein Zufall, dass sich der amerikanische Erfolgsinvestor Warren Buffett, bisher bewusst kein Goldanleger, beim Goldminen-Unternehmen Barrick Gold beteiligt hat.


Es ist kein Zufall, dass sich der Erfolgsinvestor Warren Buffett, bisher bewusst kein Goldanleger, beim Goldminen-Unternehmen Barrick Gold beteiligt hat.

Thomas Martinek, Ressortleiter Geld & Anlage trend

Thomas Geissler, Geschäftsführer von philoro Melting & Refining

Immer stärker in den Fokus rückt auch Altgold, treffender als Recycling-Gold bezeichnet. „Ja, es kommen verstärkt Kunden mit altem Schmuck in unsere Filialen, um diesen Schmuck analysieren und bewerten zu lassen und zu verkaufen“, berichtet Thomas Geissler, als Geschäftsführer von philoro Melting & Refining für dieses Segment verantwortlich. Mit Spezialgeräten wird der Goldgehalt des Schmucks bestimmt und ein Angebot gemacht. „Unsere Preise orientieren sich an den aktuellen Tageskursen und sind absolut transparent“, betont Geissler. Das so erworbene Recycling-Gold wird von philoro eingeschmolzen und als neue Barren oder Münzen wieder auf den Markt gebracht.

Und das wird bald im großen Stil geschehen. Denn philoro investiert in Korneuburg 50 Millionen Euro in eine völlig neue Goldproduktion. Rund 80 Mitarbeiter sollen dort in Zukunft aus „Mininuggets“ Barren und Münzen herstellen. „Das ist die größte Investition unserer Unternehmensgeschichte“, betont Rudolf Brenner, „damit wollen wir erstmals die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Verkauf in Österreich abdecken und uns auch unabhängiger von der Schweiz machen.“ Tatsächlich werden mehr als 70 Prozent aller Goldmünzen und -barren in Schweizer Scheideanstalten geprägt und gegossen – schlecht für den Nachschub, wenn etwa Corona-bedingt Grenzen geschlossen werden.

Für Rudolf Brenner ist das auch ein Anknüpfen an Österreichs Edelmetall-Tradition. „Schließlich waren die Silberminen in Schwaz in Tirol die größten der Welt“, weiß Brenner, „und aus dem in Böhmen geprägten ‚Joachimstaler‘ ist später das Wort ‚Dollar‘ entstanden.“


Schon ab 50 Euro monatlich kann man in unseren Gold-Sparplan investieren und so den Cost-Average-Effekt und niedrige Spesen nutzen.

Thomas Geissler, Geschäftsführer philoro Melting & Refining

Dass Gold keineswegs nur ein Investment für Reiche ist, demonstriert ein neuer Gold-Sparplan, den philoro aufgelegt hat. „Schon ab 50 Euro monatlich kann man in Gold investieren“, erläutert Thomas Geissler. Mit dieser monatlichen Sparrate erwirbt man einen Anteil an einem physischen Ein-Kilo-Barren. Sobald genügend Gold angespart ist, können Barren oder Münzen von uns ausgefolgt werden oder wir überweisen den Gegenwert des Goldbestands. „Durch den monatlichen Kauf kann ein günstiger Durchschnittspreis erzielt werden“, betont Geissler, „zudem sind die Ankaufsspesen bei diesem Modell sehr niedrig“.

Bleibt die „goldene“ Frage, wo der Preis des Edelmetalls in einem Jahr stehen wird? Darüber herrschte bei den Teilnehmern erstaunliche Übereinstimmung: Die Prognose aller liegt bei 2.000 bis 2.300 US-Dollar pro Feinunze.

In Kooperation mit philoro

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