Rohstoffe: Stark steigende Nachfrage treibt Preise an

Die Rohstoffpreise sind seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Die seit Jahresbeginn wieder anziehende Wirtschaft hat den Trend weiter verschärft. Unternehmen kommen dadurch unter Druck, für Investoren eröffnen sich Chancen.

Rohstoffe: Stark steigende Nachfrage treibt Preise an

Fast 20 Jahre lang lagen die Rohstoffpreise am Boden. In der Finanzkrise 2008 sind die Kurse von den damaligen Höchstständen abgestürzt und haben sich in der Folge nur einmal kurz erholt, um dann ihren Abstieg fortzuführen. Seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr ziehen die Preise jedoch wieder kräftig an.

Die Entwicklung des breit gefassten Bloomberg Commodity Index, (WKN A11RSQ) veranschaulicht den starken Preisdruck, der sich nun auch auf produzierende Unternehmen und deren Produkte niederschlägt. Er ist in dieser Zeit um über 50 Prozent von 60 Punkten auf aktuell 90 Punkte gestiegen. Das ist zwar immer noch weit vom Hoch aus dem Jahr 2008 (230 Punkte) entfernt, zeigt aber anschaulich den aktuellen Rohstoff-Boom.

Die Entwicklung des Bloomberg Commodity Index veranschaulicht den Preisanstieg am Rohstoff-Sektor über die Periode der letzten 12 Monate.

Die Entwicklung des Bloomberg Commodity Index veranschaulicht den Preisanstieg am Rohstoff-Sektor über die Periode der letzten 12 Monate.

Jahrelange Unterinvestition trifft auf stark steigende Nachfrage

Angeheizt wird die Lage dadurch, dass die Konjunktur nach der globalen Corona-Krise vielerorts wieder anspringt und die Staaten mit ihren Programmen zur Belebung der Wirtschaft die Nachfrage nach Rohstoffen weiter befeuern.

"Trotz bereits hoher Schuldenstände der Staaten werden im Niedrigzinsumfeld Investitionen in rohstoffintensive Infrastrukturprogramme getätigt“, hält die Investmentgesellschaft Swisscanto in einer Analyse fest. Diese Programme lassen die Nachfrage nach Rohstoffen steigen, das Angebot sei jedoch in vielen Sektoren aufgrund der jahrelangen Unterinvestitionen ausgedünnt, heißt es in der Analyse. Die Folge: Bei vielen Rohstoffen herrscht ein Angebotsdefizit. "Das spricht auch in naher Zukunft für steigende Rohstoffpreise", so Swisscanto.

Analysten schätzen, dass die weitere Erholung der Weltwirtschaft den Mix aus knappem Angebot und stark steigender Nachfrage weiter verschärfen und in der Folge die Rohstoff-Notierungen weiter befeuern wird. "Der Zyklus, der im April 2020 begonnen hat, zeigt in diesen Tagen einen ähnlichen Verlauf wie jener, der 1999 am Anfang eines Superzyklus stand", sagt Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien der Steiermärkische Sparkasse. Er geht davon aus, dass etwa der bisherige Anstieg der Ölpreise erst ein Vorgeschmack darauf war, was kommen kann, wenn wieder alle Flugzeuge in der Luft sind, alle Reisewilligen Auto fahren und die Industrie einen Energiebedarf hat wie selten zu vor.


Rohstoffpreise

Ausgewählte Rohstoffe im Überblick

Starke Preisbeschleunigung seit Jahresbeginn

Seit Jahresbeginn haben die Preise für viele Rohstoffe nochmals deutlich angezogen, die Preise für Industriemetalle, Energie und Baumaterialien etwa zum Teil in zweistelliger Höhe. Agrarrohstoffe erreichten im Gleichschritt ebenfalls Mehrjahres-Höchststände, Schweinefleisch verteuerte sich etwa um 57 Prozent und auch die meisten Rohstoffe, die Gewerbe und Industrie benötigen, haben kräftig angezogen. Ein Überblick über die Preisentwicklung ausgewählter Rohstoffklassen.


Holz: bis zu 300 Prozent Preissteigerung

Für Holz muss aktuell besonders tief in die Tasche gegriffen werden. Bretter und Balken kosten z.B. zwischen 100 und 300 Prozent mehr als noch im Dezember. Der Pictet - Timber Fonds hat in einem Jahr fast 100 Prozent Kurszuwachs erzielt, bei Bauholz gab es einen Kursanstieg von 277 Prozent und mittlerweile eine Verknappung am Markt. Ein Hauptgrund dafür ist die starke Nachfrage in Übersee. Viel Holz geht auch nach China, wo derzeit Höchstpreise bezahlt werden. Die Holzindustrie rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren Preisanstiegen.


Öl: Die Wirtschaft will wieder geschmiert werden

Rohöl der Nordseesorte WTI steht nach dem Niedergang im vergangenen Jahr derzeit hoch im Kurs. Die Nordseesorte kostet derzeit 62 Dollar das Barrel und notiert damit um 325 Prozent höher als vor einem Jahr.


Palladium: Wertvoller als Gold - Peak erreicht

Palladium ist der derzeit teuerste Rohstoff. aber Palladium. Der Rohstoff kostet derzeit fast 3.000 Dollar je Feinunze (ca. 31,1 Gramm) und ist damit deutlich mehr wert als Gold, das derzeit 1.780 Dollar je Feinunze kostet. Der Preisanstieg von 36,9 Prozent im Jahresvergleich ist die Folge einer seit Jahren niedrigen Palladium-Produktion.

Dem Angebotsdefizit steht eine steigende Nachfrage aus der Autoindustrie gegenüber, die für rund 80 Prozent der weltweiten Nachfrage verantwortlich ist. Die strengeren Emissionsvorschriften, die große Mengen des Edelmetalls in Abgaskatalysatoren von Benzinern erfordern, sowie die Angst um Versorgungsengpässe treiben die jüngste Nachfrage an. Autohändler rechnen als direkte Folge in den nächsten Wochen bereits mit Preisanhebungen für die Fahrzeuge.

Der Rohstoffspezialist XTB rechnet allerdings in der nächsten Zeit mit keinen weiteren Preissteigerungen bei Palladium und hält auch die jüngsten Verteuerungen für nicht gerechtfertigt. Für Anleger gibt Indexprodukte, wie den iShares iShares Physical Palladium ETC sowie von den Konkurrenten ETFS und WisdomTree. Allerdings sind diese Produkte im Vergleich zu Gold-ETFs nur mit geringem Anlagevolumen.


Kupfer auf 10-Jahreshoch - Nachfrage vor Beschleunigung

Der Preis für Kupfer, für Elektrotechnik oder Bauindustrie ein wichtiges Material, erreicht mit mittlerweile 9.898 Dollar je Tonne das höchste Niveau seit zehn Jahren. Im Jahresabstand ist der Kupfer-Preis um über 90 Prozent gestiegen. In den letzten Wochen haben die Käufe weiter zugenommen. Hintergrund ist eine erwartete stärkere Nachfrage aus der Automobilindustrie aufgrund des sich beschleunigenden Trends Richtung Elektromobilität.


Platin auf 6-Jahreshoch - Überbewertung droht

Das Edelmetall Platin ist ebenfalls mitten in einer Bullenrallye. Der Preis pro Feinunze ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 60 Prozent auf 1.213 Dollar geklettert. Kurzzeitig notierte das Edelmetall schon bei 1.339 Dollar, dem höchsten Stand seit Herbst 2014. Seit Jahresbeginn hat der Preis bereits um rund 15 Prozent zugelegt. Die Rohstoffexperten der Commerzbank begründen den Preisanstieg mit einer vorherigen Unterbewertung und der Erwartung eines Angebotsdefizits. Angesichts der Dynamik des Preisanstiegs seien aber Züge einer spekulativen Übertreibung zu erkennen, heißt es in einem Kommentar. Wer in Platin investieren möchte, kann die beispielsweise in den 1,5 Milliarden Dollar schweren Indexfonds Aberdeen Standard Physical Platinum Shares ETF tun.


Stahl: Industriemetall auf 10-Jahreshoch

Derzeit profitieren die Hersteller von einem Preisanstieg, wie ihn die Branche seit zehn Jahren nicht gesehen hat. Doch die Rally ist trügerisch. Nach dem dramatischen Einbruch der Nachfrage als Folge der Pandemie erlebt die Stahlindustrie derzeit einen kräftigen Aufschwung. Der Preis für den Werkstoff ist seit Ende des vergangenen Jahres von rund 400 Euro auf über 480 Euro je Tonne Stahls gestiegen. Abnehmer klagen, dass Lieferungen teilweise Lieferungen aufgrund der hohen Nachfrage sogar ausbleiben.

Für die steigenden Preise gibt es mehrere Ursachen. So wurden etwa in der Pandemie viele Hochöfen heruntergefahren und da die wirtschaftliche Entwicklung nur schwer vorherzusagen ist, werden die Kapazitäten nur vorsichtig hochgefahren. An der Rohstoffbörse LME, wo Stahl gehandelt wird, signalisieren die Futures auf Stahl für die nächsten zwölf Monate hohe Preise, danach dürften die Preise laut Futures wieder auf das Niveau von vor der Pandemie sinken.


Sojabohnen, Weizen und Mais

Die US-amerikanischen Sojabohnen-, Weizen- und Mais-Futures rangieren aktuell auf ihren höchsten Kursen seit acht Jahren, was jedoch eher auf kurzfristige Versorgungsprobleme zurückzuführen ist. Ein Kälteeinbruch in weiten Teilen der USA hat die Aussaat in verschiedenen Regionen verzögert, nun wird eine geringere Erntemenge erwartet.


Geldanlage

Investieren in Rohstoffe

So können Anleger in Rohstoffe investieren

Tendenziell sind Rohstoffe als Investment ein schwieriges Terrain. "Die Entwicklung von Rohstoffpreisen folgt eigenen Gesetzen und hängt nicht zwangsläufig unmittelbar mit dem Wirtschaftswachstum oder dem Geschäftserfolg der produzierenden Unternehmen zusammen“, gibt Privatbanker Eberan von der Steiermärkischen Sparkasse zu bedenken und warnt: „Bei Commodities werden tendenziell Erwartungen gehandelt, die mitunter von politischen Entscheidungen geprägt sind."

Die Unternehmen selbst reagieren in der Regel zyklisch auf die Nachfrage und fahren ihre Kapazitäten erst hoch, wenn diese da ist. Basierend auf Annahmen versuchen aber viele produzierende Unternehmen, ihren Rohstoffbedarf und damit das Risiko steigender Preise abzusichern.

Wer in Rohstoffe investieren will sollte sich daher auch der Risiken bewusst sein. Mit einem Indexfonds, wie dem ETF von Legal & General (L&G) können Anleger auf den Bloomberg Commodity Index setzen. Die Gebühr des L&G All Commodities ETF (ISIN: IE00BF0BCP69) liegt bei 0,15 Prozent per annum. Die größten Anteile am Portfolio haben Agrarrohstoffe (33 %) und Energie (30 %). Auf Edelmetalle entfallen 16 %, auf Industriemetalle 15 % und auf Nutzvieh 6 %. Die größten Einzelrohstoffe sind Gold (12 %), WTI-Rohöl (9 %) und Erdgas (8 %).

Zu den bekanntesten Indizes zählt auch der S&P GSCI Commodity Index (ISIN US46428R1077).

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Damit soll der starke Preisanstieg abgemildert werden.

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