Rohstoffe: Im Jänner kaufen, im Mai verkaufen

Rohstoffe: Im Jänner kaufen, im Mai verkaufen

Die meisten saisonalen Analysen von Aktien und Rohstoffen halten einer statistischen Prüfung nicht stand. Der Einsatz einer Handelsstrategie nach dem Motto „Kaufe im Januar und verkaufe im Mai“ liefert aber bei ausgewählten Rohstoffen gute Ergebnisse.

"Sell in May and go away; come back on St. Leger Day“. Also verkaufe im Mai und kaufe am St. Leger Day heißt eine alte Börsenweisheit.. "St. Leger Day"? Was hat der außerhalb von zumeist britischen Pferdesportliebhabern eher unbekannte Tag, dern den Beginn des Pferderennens in Doncaster, der "St. Leger Stakes" markiert, mit Aktien zu tun?

Obwohl es an Aktienmärkten durchaus saisonale Effekte gibt, sollten Investoren dem St. Leger Day - der nächste ist am 16. September 2017 - eher wenig Bedeutung zumessen. Der Spruch geht nämlich auf den Habitus des britischen Geldadels des 19. Jahrhunderts zurück, sich von Mai bis in den September hinein lieber dem Pferderennsport als der Börse zu widmen. Besonders begehrt war in diesen Kreisen die „Triple Crown of Thoroughbred Racing", einer bis heute bestehenden Rennserie, die im Mai mit den "2000 Guineas Stakes" beginnt und im September mit den "St. Leger Stakes" endet.

Doch wie verhält es sich mit den Rohstoffmärkten? James Butterfill, Head of Research & Investment Strategy ETF Securities, hat die Aktien- und Rohstoffmärkte einer langfristigen Analyse unterzogen und den durchschnittlichen Gesamtertrag seit dem Jahr 1991 auf Monatsbasis heruntergebrochen. Die Analyse zeigt, dass sich Rohstoffe in der Vergangenheit von Jänner bis April besonders gut, im Oktober und November hingegen am schlechtesten entwickelt haben.

Um die statistische Signifikanz des Effekts zu ermitteln hat ETF Securites hat die saisonale Analyse der Prüfung mittels eines Regressions-Tools (P-Werten) unterzogen. Diese P-Werte beurteilen, inwieweit vorhandene Daten ein Argument stützen, dass eine zufällige Zahl ebenso gültig wäre. Je höher der P-Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass dies zutrifft, und desto geringer die Signifikanz der Ergebnisse. Ein Wert unter zehn Prozent gilt als statistisch signifikant.

Die Analyse zeigt allerdings für Rohstoffe einen durchschnittlichen P-Wert von 54 Prozent, was bedeutet, dass saisonale Bewegungen statistisch gesehen nicht von Bedeutung sind. Das gleiche gilt für die Weltaktienmärkte, die mit 37 Prozent zwar einen besseren, aber dennoch hohen P-Wert aufweisen. Interessant ist allerdings, dass der P-Wert für Rohstoffe früher (1957 bis 1991) bei 62 Prozent lag, die statistische Relevanz saisonaler Auswirkungen also allmählich zunimmt.

Warum gibt es saisonale Veränderungen bei Rohstoffen?

Rohstoffe weisen in der Regel saisonale Tendenzen in Bezug auf die Angebots- und Nachfrageveränderungen im Jahresverlauf auf. Ein gutes Beispiel ist der Energiesektor. Bei Gas wird die höchste Nachfrage im Winter verzeichnet, während Erdöl am stärksten in den Sommermonaten nachgefragt wird. Das erklärt auch, warum die p-Werte für Industriemetalle, die in der Gewinnung sehr energieintensiv sind, und für Erdöl mit 38 Prozent, respektive 45 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt liegen.

Landwirtschaft unterliegt ebenfalls starken saisonalen Schwankungen beim Wetter und beim Anbauzyklus. Agrarrohstoffe entwickeln sich in Regenphasen tendenziell am besten. Da die Niederschlagsmenge als Messgröße für Qualität und Volumen herangezogen werden kann, gilt dies vor allem für den Anbauzyklus. Letzten Endes hält aber die saisonale Analyse von Aktien und Rohstoffen einer statistischen Prüfung auf Einzelmonatsbasis nicht stand.

Allerdings bleiben die saisonalen Effekte bei Rohstoffen auf Sicht eines Jahres intakt. ETF Securites hat daher eine einfache Handelsstrategie entwickelt, bei der ein Korb aller Rohstoffe Anfang Januar erworben und Ende April verkauft wird, woraufhin die Barmittel für den Rest des Jahres gehalten werden. Die Strategie erwirtschaftet seit 1991 annualisierte Erträge von 6,8 Prozent, verglichen mit 6,6 Prozent bei Aktien.

Die Rohstoff-Strategie hat ihre Benchmark deutlich öfter übertroffen als eine vergleichbare Strategie für die Weltaktienmärkte. Erstere liefert 60 Prozent der Zeit positive Ergebnisse, bei Aktien sind es nur 35 Prozent. Während also die saisonale Strategie für Aktien nicht funktioniert, ist sie bei Rohstoffen potenziell sinnvoll.

Teilt man den Rohstoffkomplex in Teilindizes auf, werden deutliche Unterschiede in der Performance deutlich. Gold scheint nicht auf saisonale Effekte zu reagieren, sodass die saisonale Strategie keine nennenswerte Outperformance zur Folge hatte. Erdöl entwickelt sich in der Strategie aufgrund der Schwankungsanfälligkeit ebenfalls weniger gut. Die Anwendung der Strategie bei Rohstoffen mit ausgeprägteren saisonalen Effekten wie Landwirtschaft – und dabei besonders Getreide – lieferte die attraktivsten positiven Ergebnisse.


Die Analyse der Rofstoff-Zyklen wurde von James Butterfill, Head of Research & Investment Strategy ETF Securites erstellt.
E-Mail: james.butterfill <AT> etfsecurities.com

Die London Stock Exchange LSE

Geld

Fusion Deutsche Börse und London Stock Exchange vor dem Aus

FMA Strafe: Über die "Mountain Capital Group kitzVenture" brauen sich dunkle Wolken zusammen.

Geld

FMA verdonnert kitzVenture wegen irreführender Werbung

Advertorial

Geldanlage

Zeit ist Geld: Vom Bargeld bis zur Langzeit-Vorsorge