Rohstoffe: Gewinne aus den Tiefen der Erde

Rohstoffe: Gewinne aus den Tiefen der Erde

Nach einer jahrelangen Baisse legen die Rohstoffpreise seit dem vergangenen Jahr wieder zu. Davon profitieren die Bergbaukonzerne deren Aktionären hohe Dividenden winken.

Auf der Beliebtheitsskala der Manager börsennotierter Unternehmen rangiert die US-Aufsichtsbehörde SEC vermutlich weit hinter dem Zahnarzt. Peinliche Verhöre und horrende Strafen drohen bei einem Einschreiten. Ein solches steht derzeit dem Rohstoffgiganten Rio Tinto (GB0007188757) ins Haus. Dieser hatte 2011 ein Kohlevorkommen in Mozambique um 3,7 Milliarden Dollar erworben, das sich als totaler Flop herausstellte und später um 50 Millionen den Besitzer wechselte. Der Vorwurf: Das Management habe die eklatante Fehlinvestition Aktionären und Gläubigern zu lang verschwiegen.

Dass die Eröffnung der SEC-Untersuchung nicht zu einem Absturz der Rio-Tinto-Aktie führte, dürfte zwei Gründe haben: Erstens hat die britische Aufsichtsbehörde FCA den gleichen Vorfall mit einer Strafe von 27,4 Millionen Pfund belegt. Das ist zwar die bisher höchste von der FCA ausgesprochene Geldbuße, diese ist für den Bergbaumulti aber verkraftbar und legt in gewisser Weise auch die Latte für eine Einigung in den USA. Betrug konnten die Briten dem Management von Rio Tinto nämlich nicht nachweisen. Zweitens aber erfreuen sich Rohstoffaktien nach langer Durststrecke auch wieder wachsender Beliebtheit bei den Anlegern. Erfreuliche Prognosen für die Weltkonjunktur nähren Hoffnungen auf eine positive Entwicklung des Sektors.

Aufwärtszyklus

"Die Entwicklung der Rohstoffpreise orientiert sich am globalen Wachstum, und das sieht derzeit sehr gut aus", erklärt Christian Süttinger, Fondsmanager aus dem Multi-Asset- Team der Erste Sparinvest. "Wir sprechen da gar nicht von den Zyklen einzelner Rohstoffe, sondern von einer weltweiten Entwicklung." Tatsache ist: Die meisten Rohstoffindizes notieren noch weit unter ihren Ständen der Jahre 2012/13. Zwischen 2012 und 2016 ging es mit Unterbrechungen bergab, und die Kurse der Rohstoffkonzerne bildeten diese Bewegung getreulich ab - Anfang 2016 befanden sich sowohl die Rohstoffnotierungen als auch die Kurse der Rohstoffgiganten wie Vale (US91912E1055), Glencore (JE00B4T3BW64) und BHP Billiton (GB0000566504) im Keller. Doch seither geht es aufwärts. Wie weit noch? Lassen sich die alten Höchststände erreichen? Darauf sollten sich Anlege auch wieder nicht verlassen. "Die Marktmeinung ist derzeit, dass die damaligen Rohstoffpreise eher auf eine Übertreibung zurückzuführen waren", so Süttinger, "sonst wären die Preise ja schon stärker gestiegen. Aber die gute Konjunktur spricht für ein weiter gutes Klima bei Rohstoffen."

Verdienen dürften die Konzerne jedenfalls genügend. Renditen bis über fünf Prozent locken Dividendenjäger, und auch die Bewertungen sind (siehe Tabelle) trotz der heurigen Kursanstiege moderat: BHP Billiton liegt mit einem KGV von knapp 15 am oberen Rand - US-Aktien sind im Schnitt fast doppelt so teuer.

Die größten Bergbaukonzerne der Welt
Unternehmen Marktkapitalisierung KGV '17e Div.-Rend '17e Div.-Rend '18e
Glencore 67,68 Mrd. $ 13,9 2,35% 3,55%
Rio Tinto 81,57 Mrd. $ 9,9 5,75% 7,75%
Vale 53,33 Mrd. $ k.A. 3,15% 3,85%
BHP Billiton 110,17 Mrd. $ 14,6 3,18% 4,35%
Anglo American 23,66 Mrd. $ 8,3 4,92% 3,85%
China Shenhua Energy 49,93 Mrd. $ k.A. 5,15% 4,68%
Quelle: bankdirekt.at

GÜNSTIG BEWERTET sind die Mining-Riesen im internationalen Vergleich. Hohe Dividendenrenditen winken auch in Zukunft.

Dividendenkaiser

Das Geschäft läuft jedenfalls gut. So konnte die in der Schweiz beheimatete Glencore trotz eines eher verhaltenen dritten Quartals ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr leicht von 2,4 bis 2,7 Milliarden Dollar auf 2,6 bis 2,8 Milliarden anheben, obwohl die geförderten Mengen - unter anderem bei Nickel, Kupfer und Öl - zurückgingen. BHP Billiton leidet derzeit unter Unsicherheit am Eisenerzmarkt. Dieses Marktsegment trägt immerhin rund 40 Prozent zum Ergebnis des Unternehmens bei. Der Verkauf weniger rentabler Bereiche des US-Geschäftes soll allerdings Geld in die Kassen spülen und die Finanzierungsstruktur weiter verbessern.

Erfreulich läuft das Geschäft bei Rio Tinto. Der multinationale Konzern mit Wurzeln unter anderem in Spanien, Australien und den USA meldete eine Steigerung des Halbjahresergebnisses um flotte 152 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar, verfehlte damit allerdings die noch höher gesteckten Erwartungen knapp. Eine Aufstockung des Aktienrückkaufsprogramms soll die Kurse unterstützen. Die Krise hinter sich gelassen hat auch der südafrikanisch-britische Bergbaukonzern Anglo American (GB00B1XZS820). Mit einem Gewinn von 1,42 Milliarden schloss das Unternehmen das erste Halbjahr ab, im Vorjahr hatte es noch rote Zahlen gesetzt. Aktionäre des ursprünglich als Goldmine gegründeten Unternehmens dürfen sich darüber freuen - die Dividendenzahlung wird wieder aufgenommen. Nach der jahrelangen Durststrecke der Branche geht es auch hier wieder aufwärts.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 44/2017 vom 3. November 2017 entnommen.

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