Richtig investieren: Am Anfang steht das Beratungsgespräch

Richtig investieren: Am Anfang steht das Beratungsgespräch

Gute Beratung lohnt sich: Wer überlegt, in Aktien und Anleihen zu investieren, sollte die Chancen und Risiken abwägen können.

Anlegern geht es momentan wie Autofahrern in Wien: Gute Parkplätze sind rar. Wer spart verliert, denn niedrige Zinsen in Kombination mit steigender Inflation und Steuern nagen am Ersparten. Hilfesuchend wendet sich so mancher Bankkunde an Anlageberater, die Alternativen zum klassischen Sparbuch anbieten – etwa in Form von Aktienfonds.

Ein Sparbuch kennt man, ein Sparbuch hat man. Doch angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Sparbücher real ein Verlustgeschäft. Banken, darunter auch die BAWAG P.S.K. in Kooperation mit Amundi Asset Management, bieten ihren Kunden daher zusehends andere Anlageprodukte wie etwa Fonds an.

Persönliche, individuelle Beratung ist ein wichtiger Punkt, vor allem bei den ersten Schritten in Richtung Finanzmarkt. Doch wie individuell ist eine solche Beratung wirklich? Der trend wollte das herausfinden und vereinbarte ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Die Ausgangslage: Der Autor, ein selbstständiger Journalist von gerade mal 23 Lenzen gab an, ein nettes, wenngleich auch hypothetisches Sparbuch mit einer Einlage von 35.000 Euro daheim liegen zu haben. Er wisse bestens über die Wirtschaftslage Bescheid und wolle das inflationär dahinrottende Kapital schnellstens in trockene Tücher bringen. Und nach Möglichkeit auch vermehren. Was also tun?

Die hohe Kante

Mit ihren ersten Fragen gingen die Berater daran, den kurzfristig absehbaren Geldbedarf auszuloten. „Stehen demnächst größere Anschaffungen an?“, wollen die Berater wissen. „Nein“, gab der Tester an. Er lebe sparsam und zufrieden und habe keine größeren Wünsche. Ein Fernseher sei schon gekauft, die Weltreise wurde nach der Matura absolviert und Auto brauche er als Städter auch keines.

Und wie groß sei die Wahrscheinlichkeit, dass man dennoch spontan auf das Geld zugreifen will? Das müsse nicht sein, gab der Tester an. Mama und Papa würden notfalls aushelfen.

Die Empfehlung der Berater daher: Eine mittel- bis langfristige Anlage. Und nachdem der Anleger so jung sei, dürfe er schon mal etwas riskieren. Von den 35.000 Euro sollen dennoch zunächst 5.000 Euro auf ein täglich fälliges Sparkonto transferiert werden. Für alle Fälle, einen solchen Notgroschen wird trotz Niedrigstzinsen, Inflation und KESt allen Anlegern empfohlen.

Die nächsten 9.000 Euro empfehlen die Berater landen auf die sehr, sehr hohe Kante zu legen. Beispielsweise in Form einer langjährigen, prämienbegünstigten Lebensversicherung.
Und der Löwenanteil, 21.000 Euro, sollte mittelfristig angelegt werden. Hierfür empfiehlt der Berater ein Portfolio, das sich aus 12 Prozent Immobilien, 37 Prozent Anleihen, und stolzen 50 Prozent Aktien zusammensetzt.

Die Begründung

Wie begründen die Berater diesen Split? Zum einen natürlich, weil Sparbücher oder Bausparverträge mangels Zinsertrags für sie keine Option mehr für eine Geldanlage darstellen. Als täglich verfügbarer Sicherheitspolster sind Sparkonten trotzdem weiterhin interessant.

Anleihen und Immobilien wiederum dienen dem Werterhalt des Kapitals. Gewinn lässt sich damit aber – so die Erklärung – auch wenig machen. Dazu ist die Aktienhälfte des Portfolios gedacht, denn der volatile Finanzmarkt ermöglicht hohe Gewinne, wenn Anteile günstig eingekauft und rechtzeitig verkauft werden.

Natürlich, und hier verschweigen die Berater auch das Risiko einer Aktienveranlagung nicht, gehe die Chance Hand in Hand mit einem hohen Risiko. Doch nachdem das Geld nicht in einzelne Werte, sondern in Fonds investiert werden soll in denen zahlreiche Aktien gebündelt sind, werde das Verlustrisiko deutlich reduziert.

Natürlich gebe es keine Garantie für den großen Gewinn. Dazu gehört immer auch eine Prise Glück. Aber nicht nur, denn man kann sich zumindest auch auf das Geschick und die Expertise der Fondsmanager verlassen.

Kalkuliertes Risiko

Eines machen die Berater jedenfalls klar: Jeder müsse selbst entschieden, welches Risiko er bei der Geldanlage eingehe. Diese Entscheidung könnten sie niemanden abnehmen. Für einen 23-jährigen, der am Beginn seiner beruflichen Karriere steht und keine familiären Verpflichtungen hat, sei es aber vertretbar, bei der Geldanlage einen etwas riskanteren, dafür aber mit höheren Ertragschancen verbundenen Weg zu gehen. Sollte sich die Lebenssituation ändern, so könnte man dem neuen Sicherheitsbedürfnis durch Verschiebung von Aktienanteilen zugunsten von Anleihen oder Immobilien Rechnung tragen.

Und in welche Fonds sollte Geld nun investiert werden? Auf diese Frage informiert der Berater über vier Fonds-Empfehlungen von Amundi Asset Management. Wir haben die Empfehlungen unter die Lupe genommen.

Empfohlene Fonds

Da wäre zunächst der Immobilienfonds Opcimmo P (ISIN FR0011066802). Dieser hält schwerpunktmäßig europäische Gewerbeimmobilien, besonders in Frankreich. Die restlichen Investitionen erfolgen in Wertpapiere mit oder ohne Immobilienbezug. Mit 5,85 Prozent BAWAG P.S.K. Ausgabeaufschlag, anstatt der von Amundi verrechneten 7,85 Prozent, und 2,10 Prozent jährlichen maximalen laufenden Kosten im Fonds wirkt der Fonds recht teuer, die Wertentwicklung (brutto) war aber seit der Ausgabe im Juli 2011 konstant positiv. 26,76 Prozent hat der Fonds seither an Wert zugelegt (Stand 31.1.2017). Wobei der beim Kauf angefallene einmalige Ausgabeaufschlag und andere Kosten wie Konto- und Depotentgelte den Ertrag für den Anleger allerdings etwas schmälern. Seit dem Frühjahr 2015 hat sich die Ertragskurve außerdem abgeflacht. Im Jahr 2016 hat der Fonds ein Plus von 2,96 Prozent erzielt.

Den Anleihenpart liefert der Amundi Funds Bond Global Aggregate – AHE ( LU0906524193 & LU0906524276), der vor allem in Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus dem OECD-Raum investiert. Zusätzlich investiert der Fonds in High Yield und Emerging Market Anleihen. Mindesten 80 Prozent der Anleihen liegen im Investment Grade Bereich .- Der Fonds betreibt auch ein aktives Währungsmanagement. Der von der BAWAG PSK verrechnete Ausgabeaufschlag liegt bei 3 Prozent, laufend kostet der Fonds 1,33 Prozent. Und seine Performance? Bis Dezember 2015 lag der Fonds stets über dem Index, seither darunter. Den größten Wertzuwachs verzeichnete der Fonds im Jahre 2014 nämliche 5,88 Prozent. Seit Auflage 16.4.2013 verzeichnet der Fonds eine Wertentwicklung von 7,25 Prozent.

Das größte Kuchenstück kommt dem Aktienfonds zu. Der empfohlene Dachfonds „Konzept Ertrag Aktien Welt – T“ (ISIN AT0000811344) kostet dem Anleger 2,43 Prozent Gebühren im Jahr (bei einem Ausgabeaufschlag von vier Prozent).und investiert vor allem in Kapitalanlagefonds, die überwiegend in Aktien sowohl entwickelter Volkswirtschaften, als auch Schwellenländern veranlagen. Dem leicht überdurchschnittlichen Risiko stehen hohe Gewinnchancen gegenüber. Seit dem Fondsstart am 21.12.1998 sind rund 68,62 Prozent Gewinn zu verzeichnen. Der bei Kauf anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 5,85 Prozent und andere individuelle Kosten wie Konto- und Depotentgelte sind in dieser Berechnung allerdings nicht berücksichtigt.

Abgerundet wird das Portfolio durch einen Laufzeit-Mischfonds: Den „Konzept: Ertrag 2029“ (ISIN AT0000A18W96). Das Prinzip ist einfach: Zu Beginn der Laufzeit landet das Geld zu 50 Prozent in Aktien, gegen Ende wird das so (hoffentlich) erwirtschaftete Kapital zusehends in Anleihen umgeschichtet. Zwei Jahre vor Laufzeitende beinhaltet der Fonds keine Aktieninvestments mehr. Verwaltungsgebühren liegen bei einem Prozent, der Ausgabeaufschlag bei 3,5 Prozent.

Resümee

Zusammengefasst fühlte sich der Tester im Zuge des Gesprächs durchaus gut beraten. Die Argumente der Berater waren nachvollziehbar, es wurde Ertragschancen und Risiken wurden ausführlich besprochen.

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