Servus, RHI-Aktie: Der lange Weg zum ATXit

Servus, RHI-Aktie: Der lange Weg zum ATXit

Bis die Aktie von RHI wie geplant von der Wiener Börse nach London wandert, wird es noch eine Weile dauern. Denn unter anderem müssen kartellrechtliche Fragen in über 50 Ländern geklärt werden. Und auch an der Wiener Börse versucht man, RHI zumindest teilweise am hiesigen Finanzplatz zu halten.

Einige internationale Player machen nach dem Brexit-Votum um den Finanzplatz London einen großen Bogen, andere wiederum streben ein Listing auf der anderen Seite des Ärmelkanals geradezu an: Als am 5. Oktober RHI (ISIN: AT0000676903), der heimische Hersteller von Feuerfestprodukten, die Übernahme des brasilianischen Konkurrenten Magnesita verkündete, wurden im gleichen Atemzug die neuen geographischen Schwerpunkte des internationalen Branchenriesen skizziert: Zwar bleibt das RHI-Management in Österreich und es sollen auch hierzulande Steuern abgeführt werden, der offizielle Firmensitz wird aber in Form eines kleinen Büros in die Niederlande verlegt, die Aktie notiert künftig in London. Die vertragliche Fixierung des London-Listings war eine der Bedingungen, die Magnesita für die Übernahme gestellt hatte; die Akteure erwarten sich dort Vorteile durch die Nähe der Peers, der Kunden aus der Stahl- und Zementindustrie und den Handel mit Rohstoffen vor Ort.

Jedoch: Bis die Aktie von Wien nach London wandert, kann es noch eine Weile dauern.

Denn zunächst muss die Übernahme grünes Licht von Wettbewerbsbehörden in aller Welt bekommen. Laut Barbara Potisk-Eibensteiner, CFO bei RHI, wird es kartellrechtliche Anmeldungen in über 50 Ländern geben, mit teils sehr unterschiedlichen Verfahren. Mit dem Abschluss dieser Phase rechnet man bei RHI frühestens im zweiten Halbjahr 2017 – und dann muss der Beschluss noch auf der Hauptversammlung abgesegnet werden. Die Hauptversammlungen der RHI finden turnusmäßig im Mai statt; haben die Behörden aber erst mal grünes Licht gegeben, wird wohl eine außerordentliche HV abgehalten.

Die Zukunft des ATX ohne RHI

Doch was würde ein Delisting des ATX-Unternehmens RHI eigentlich für die Börse Wien bedeuten? „Sollte es aufgrund eines Mergers zum Wegfall eines ATX-Titels kommen, so kann der ATX bis zur nächsten regelmäßigen Entscheidung über die Zusammensetzung (zweimal jährlich – März & September) mit nur 19 Werten gerechnet werden“, heißt es dazu von der Wiener Börse gegenüber trend.at: Im Fall RHI wäre die Konsequenz eine marginale Änderung in der Gewichtung der verbleibenden im Index angeführten Werte. RHI hat im ATX aktuell eine Gewichtung von etwa 1,7 Prozent, die dann neu zu vergeben wäre.

Entwicklung der RHI-Aktie (blau) innerhalb eines Jahres. Zum Vergleich die Entwicklung des ATX (grün).

Die Wiener Börse gibt zu bedenken, dass RHI im Fall eines Rückzuges neben einem Listing in der EU auch ein Listing im Euro-Raum aufgibt. „Ein Listing außerhalb des Euroraums und künftig auch der EU könnte den Zugang zum europäischen und österreichischen Kapitalmarkt erschweren und die Sichtbarkeit des Unternehmens möglicherweise einschränken“, heißt es von der Börse Wien: „An der Londoner LSE besteht die Gefahr, Teil eines weniger beachteten, riesigen Mittelfeldes zu werden.“ Bislang erfahre das Unternehmen im Heimatland Österreich große Aufmerksamkeit und ist Mitglied des ATX. Und auch für die Aktionäre sieht man bei der Wiener Börse Nachteile: „Die Aufgabe von Auslandsorders in einer Fremdwährung und die Stamp Duty würden den Handel heimischer Privatanleger an RHI Aktien verteuern“, heißt es.

Das Argument der höheren Kosten sieht Potisk-Eibensteiner in Relation zur Performance: Durch die Größe des Finanzplatzes würde RHI auch stärker auf den Radar institutioneller Investoren rücken. „Die Wiener Börse wird stark im Zusammenhang mit Posteuropa gesehen“, sagt sie: „Wir sind aber ein globales Unternehmen und werden in Zukunft noch globaler.“

Von der Wiener Börse heißt es zudem, dass man aktuell in Gesprächen mit dem Management der RHI sei, um „den Link nach Österreich aufrecht zu erhalten“. Potisk-Eibensteiner bestätigt, dass der Vorstand der Wiener Börse sie um einen Termin gebeten habe. Dieses Treffen werde sie gerne wahrnehmen und mit den Verantwortlichen sprechen – allerdings habe man dem Verkäufer bereits vertraglich zugesagt, dass Hauptlisting an der Londoner Börse zu machen.

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