Das neue Rennen um flotte Renditen mit Indexfonds #IC19

Das neue Rennen um flotte Renditen mit Indexfonds #IC19

An der Wall Street sind die Indexfonds bereits beliebter als die der Stock Picker. Welche Vorteile ETFs bringen und wo die Gefahren für Anleger lauern.

In den Rankings der besten US-Aktienfonds liegt der JP Morgan US Equities stets an der Spitze. Das Team um die Fondsmanager Tom Luddy und Susan Bao hat nur ein Problem. Ein Indexfonds auf den S& P 500, ein Index, in dem die Kursentwicklungen der 500 wichtigsten Unternehmen der US-Economy enthalten sind, erzielte in den vergangenen fünf Jahren eine bessere Performance.

Während der breite US-Aktien-Index um 62 Prozent zulegte, schaffte der Fonds nur 55 Prozent. Dazu kommt noch, dass die Fondskäufer einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent und dann noch jährlich laufende Kosten von 1,5 Prozent bezahlen müssen. Nicht zu vergessen, dass ein Einstieg erst mit der Kleinigkeit von 35.000 US Dollar möglich ist.

Kein Wunder daher, dass Exchange Traded Funds, abgekürzt ETFs, boomen. Für die Ratingagentur Morningstar sind die Indexfonds sogar die "New Kings of Wall Street". Ende August floss mit 4,27 Billionen US-Dollar weltweit erstmals mehr Kapital in börsengehandelte Indexfonds als in gemanagte Investmentfonds (4,25 Billionen US-Dollar). Und selbst Amerikas größtes Finanzinstitut, eben JP Morgan, registriert in einer Umfrage unter 230 der größten institutionellen Investoren weltweit die steigende Nachfrage nach ETFs. Bereits 29 Prozent aller Vermögensverwalter nutzen ETFs und werden ihren Einsatz ausweiten.

Exchange Traded Funds sind Investmentprodukte, die es Anlegern ermöglichen, dieselbe Kursentwicklung wie die aller in einem jeweiligen Index enthaltenen Aktien nachzuvollziehen. Das können die Titel des Dow Jones, des DAX oder auch des ATX sein. Und das Investment erfolgt zu extrem niedrigen Kosten. Die Gebühren liegen zwischen 0,05 und maximal 0,5 Prozent. Ein Bruchteil dessen, was Anleger für klassische Investmentfonds zu bezahlen haben, hinter denen große Teams und aufwendige Analyseprogramme stehen.

STEIGENDE NACHFRAGE. Der Trend zur vermehrten Nutzung von ETFs nimmt auch in Österreich rapide zu. Immer mehr Institute bieten durch Robo Advisor gesteuerte Veranlagungen in ETFs an.

Aber auch in der gehobenen Vermögensverwaltung ist ein zunehmender Wandel weg von aktiv gemanagten Fonds hin zu passiven Investments registrierbar. Georg Frischmann, Leiter Private Banking der Hypo Tirol Bank, setzt bei der Veranlagung des Vermögens seiner Kunden für bestimmt Fälle ETFs ein: "In der Finanzindustrie hält sich hartnäckig die Meinung, aktive Manager liefern einen Mehrwert. Das stimmt nur zum Teil und hängt stark vom individuellen Markt ab. Während es am amerikanischen Markt sicherlich schwierig ist, einen Fondsmanager zu finden, der nach Kosten einen Mehrwert bringt, gibt es im Schwellenländer-Bereich oder im Small-Cap-Bereich sicherlich viele Manager, die es auf lange Frist schaffen, eine Outperformance zum Index zu generieren."

Ein Ergebnisvergleich: Während man mit einem ETF auf die IT-Börse NASDAQ in den vergangenen fünf Jahren "nur" rund 97 Prozent verdienen konnte, schaffte der Topfonds BGF World Technology 122 Prozent. Und der Emerging Markets Fonds von Nordea 1 brachte über fünf Jahre ein Plus von 37 Prozent, der Indexfonds von Deka aber nur 20 Prozent.

Dennoch: Die Angebote am ETF-Markt in Österreich wachsen jedenfalls rapide. Auch die amerikanische Investmentgesellschaft Vanguard beispielsweise bietet nun ihre Produkte am heimischen Markt an. Der im vergangenen Jahr verstorbene Vanguard-Gründer John "Jack" Bogle gilt als der Vater der Indexfonds. Er hat 1976 den ersten Indexfonds für Retailkunden auf den Markt gebracht. Nach anfänglichen Problemen wurde der Vanguard 500 ein großer Erfolg.

SEBASTIAN KÜLPS. Der Vertreter von Vanguard in Österreich ortet eine starke Zunahme der Nachfrage nach ETFs im heimischen Markt.

Sebastian Külps, Leiter von Vanguard in Deutschland und Österreich: "Wir sehen ETFs als Chance zur Demokratisierung der Finanzanlage. Zu geringen Kosten können Anleger damit erfolgreich an der Entwicklung der Aktienmärkte teilnehmen. Im Verhältnis zu ihren Kosten sind ETFs extrem effizient." Omid Alimohammadi, beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock für ETFs verantwortlich, sieht das ebenso: "Der ETF-Markt in Österreich gewinnt immer mehr an Bedeutung. Vor allem die Kostentransparenz fördert die Nachfrage."

Mehr mit Faktor

Aber mittlerweile gibt es auch "intelligente" ETFs. Über ein EDV-Programm werden jene Aktien eines Index identifiziert, die bestimmte Kriterien erfüllen: die eine hohe Dividende ausschütten, eine niedrige Volatilität aufweisen, oder bei denen es große Aktienrückkaufprogramme gibt.

Diese sogenannten Faktor-ETFs bringen sogar eine bessere Performance als der Index, der ihnen zugrunde liegt (siehe Beispiele im Kasten, oben) .

Wüstenrot-CFO Andreas Grünbichler

ANDREAS GRÜNBICHLER. Der Vorstand der Wüstenrot Gruppe ist Index-Experte und warnt vor den Nachteilen bei extrem fallenden Kursen.

Doch natürlich haben ETFs auch Nachteile. Fallen die Kurse einmal ins Bodenlose, gibt es niemanden, der durch rasche Verkäufe Schlimmeres verhindert. Andreas Grünbichler, Vorstand der Wüstenrot Gruppe, hat den Leitindex der Wiener Börse ATX entwickelt und hat sich als Gastprofessor an der UCLA in den 90er-Jahren wissenschaftlich mit Indexfonds auseinander gesetzt: "High Frequency Trading Programme können bei ETFs eine Verkaufswelle auslösen. Plötzlich ist aber niemand mehr da, der die Aktien kauft. Die Kurse fallen weiter. Der Crash zu Weihnachten vergangenen Jahres ist so zu erklären. Dass solche Situationen auftreten können, daran muss man sich bei Indexfonds gewöhnen."


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