RBI-Chef Strobl: "Gut gegen Risiken gerüstet"

Die Raiffeisen Bank International (RBI) musste wegen ihrer starken Russland-Exposition an der Börse massive Verluste hinnehmen. Bankchef Johann Strobl hält die Position der russischen Tochter dennoch für stabil.

RBI-Vorstandschef Johann Strobl

RBI-Vorstandschef Johann Strobl

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die russische Zentralbank und der Ausschluss von Finanztransfers über das Zahlungssystem SWIFT setzen Russland und seine Banken unter Druck. Laut Wifo-Chef Gabriel Felbermayr droht Russland deshalb ein Run auf seine Banken und eine ausgemachte Finanzkrise.

Der Ökonom hält dabei die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) mit ihren hohen Investments in Russland für die am stärksten betroffene Bank, noch vor der UniCredit oder Societe Generale und meinte daher im Ö1-Gespräch, dass für die RBI ein Schutzschirm gespannt werden müsse. Es gebe jedoch "keine unmittelbare und akute Notwendigkeit" dafür, meinte Felbermayr. Er gehe aber davon aus, dass die RBI bereits Vorkehrungen getroffen habe.

Gut positionierte Banken

In einer Stellungnahme betont Bankchef Johann Strobl die stabile Lagedes Instituts in Russland: "Unsere russische Tochterbank verfügt über eine sehr starke Liquiditätsausstattung und verzeichnet Zuflüsse. Die Kapitalposition ist ebenfalls stark." Die russischen Kunden hätten Vertrauen in die Bank. Gleichzeitig würden die Mitarbeiter in der Ukraine die wichtigsten Bankdienstleistungen aufrechterhalten, so Strobl weiter, der sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedankte: "Dienstleistungen werden unter der Voraussetzung angeboten, dass keine Gefahr für die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden besteht."

Eine abschließende Einschätzung zu der Lage in den Ländern könne derzeit nicht gegeben werden, da die Sanktionen "fast täglich" ausgeweitet würden, so die Bank. "Sie sind hart und in ihren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft weitreichend. Die Auswirkungen auf die RBI-Gruppe werden analysiert."

Das Finanzministerium hält die RBI ebenfalls für eine "sehr gut aufgestellte Bank mit einem exzellenten Management, die gut vorbereitet auf alle Eventualitäten ist". Die RBI und andere österreichische Banken dem Ministerium zufolge seit Jahrzehnten Geschäfte in dieser Region und können mit dem Risiko gut umgehen. Generell seien die heimischen Institute gut aufgestellt und die Lehren aus der Finanzkrise gezogen worden.

Bankenwerte unter Druck

Die Aktien der RBI (AT0000606306) waren am Montag erneut stark unter Druck. Am späten Nachmittag notierten sie um 18,5 Prozent tiefer bei 13,90 Euro je Aktie. In den vergangenen fünf Handelstagen hatten die Papiere rund ein Drittel ihres Werts verloren. Am Wiener Aktienmarkt zeigte sich auch Erste Group (AT0000652011) um rund zehn Prozent schwächer und die Papiere der BAWAG (AT0000BAWAG2) büßten gut viereinhalb Prozent ein.

Auch außerhalb Österreichs litten Bankwerte unter dem beschlossenen Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem Swift und den Sanktionen gegen die russische Zentralbank. Die Aktien der Deutschen Bank (DE0005140008) gaben bis zu Mittag um gut 9 Prozent nach, jene der ING Group (NL0011821202) verloren rund 10 Prozent und jene der italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit (IT0005239360) büßten rund 11,7 Prozent ein. Die UniCredit zählt zu den europäischen Banken mit den größten Engagements in Russland. Die Bank erzielt dort rund drei Prozent ihrer Erträge.

Felbermayr: "Drohende Finanzmarktkrise"

Felbermayr hält angesichts der Sanktionen gegen Russland dennoch einen Ansturm auf die Banken und eine Finanzmarktkrise für möglich und erklärt: "Wir müssen damit rechnen, dass es in Russland 'Bank Runs' gibt, also einen Ansturm auf die Banken. Eine ganz ausgemachte Finanzmarktkrise droht."

Die Geschäftsbanken würden natürlich an der russischen Zentralbank hängen. Diese stelle sicher, dass der Rubel gegen den Euro oder den Dollar austauschbar, also konvertibel sei. Die Zentralbank sei auch zuständig dafür, dass der Zahlungsverkehr laufe. Und jetzt sehe man, dass die Notenbank auf ihre Reserven, die großteils in Frankfurt sowie anderswo im Ausland liegen würden, nicht mehr zugreifen könne. Dann könnten Forderungen russischer Banken gegenüber ihrer Zentralbank nicht mehr befriedigt werden.

Russland könne vermutlich eine ganze Weile ohne diese Deviseneinnahmen funktionieren, so der Wifo-Chef. "So schnell wird Russland nicht zusammenbrechen, das ist klar." Aber die Kosten dieser Eskalation würden jetzt bei den Russen sehr viel deutlicher spürbar. "Und man kann hoffen - das ist ja auch das, was man mit den Sanktionen bezwecken will -, dass der Widerstand gegen diesen Krieg in Russland deutlich wächst."

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