RBI-Brezinschek: Bullenmarkt an den Börsen noch nicht zu Ende

RBI-Brezinschek: Bullenmarkt an den Börsen noch nicht zu Ende

Die Aktienmärkte sollten heuer noch einmal einen Schub bekommen. Eine Zäsur wurde zum Jahreswechsel 2019 erwartet. Der Abschwung sollte nur langsam erfolgen.

Wien. Der Bullenmarkt an den internationalen Aktienmärkten drüfte noch weiter anhalten - zumindest im Jahr 2018. Das wirtschaftliche Umfeld sollte den Börsen noch einmal einen Schub geben, erwartet der Chef-Analyst der Raiffeisen Bank International (RBI), Peter Brezinschek. Allerdings sollte 2018 anfälliger für Rückschläge sein. Eine Zäsur dürfte dann der Jahreswechsel 2019 markieren.

"Der Börsenzyklus ist noch nicht zu Ende", sagte Brezinschek am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Seit nunmehr neun Jahren befänden sich die Aktienmärkte nun schon im Aufschwung. Mit 108 Monaten dauere der aktuelle Bullenmarkt bereits doppelt so lange wie im Durchschnitt und der Anstieg falle mit 305 Prozent - gemessen am US-Aktienmarkt - doppelt so hoch aus wie im Schnitt der bisherigen Bullenmärkte. Übertroffen wurde er nur in den Jahren 1990 bis 2000. Damals endete der Bullenmarkt mit dem Platzen der Internetblase. "Das Ende von Bullenmärkten wurde immer von Unternehmensdaten und nicht etwa von Leitzinserhöhungen ausgelöst", so Brezinschek.

Die derzeitige Hochkonjunktur in der Weltwirtschaft werde praktisch von allen entwickelten Volkswirtschaften mitgetragen, deren Konjunkturindikatoren befänden sich alle nahe den historischen Höchstständen.

Die Langsamkeit von Auf- und Abschwung

Da der Aufschwung in der Eurozone nur relativ langsam erfolgt sei, rechnet Brezinschek auch nur mit einem langsamen Abschwung, was ein optimistisches Bild sei. "Erst ab 2020 dürfte das Wirtschaftswachstum unter das Potenzialwachstum von 1,3 Prozent fallen", so Brezinschek. Auch in den USA laufe die Konjunktur weiter rund. Mit US-Steuerreform sei bloß "Öl ins Feuer" gegossen worden. Die sehr erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung spiegle sich auch in der global zuversichtlichen Stimmung der Unternehmen wider.

Nunmehr komme es zu Änderungen im monetären Umfeld. So baue die US-Notenbank etwa seit dem vierten Quartal 2017 ihre Bilanz ab und die Europäische Zentralbank (EZB) werde ihr Anleihenkaufprogramm im September auslaufen lassen. In der Folge rechnet Brezinschek ab März 2019 bis März 2020 mit vier Zinsschritten der EZB um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf dann 1,00 Prozent.

Auf der ersten Zinstagung der amerikanischen Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef Jerome Powell am kommenden Mittwoch erwartet sich Brezinschek Hinweise darauf, ob es in den USA heuer zu drei oder vier Zinserhöhungen kommen wird. "Eine vierte Zinserhöhung würde den Markt zwischenzeitlich belasten, weil der Markt derzeit nicht davon ausgeht", so Brezinschek.

Laut dem RBI-Chefanalysten hat es am US-Aktienmarkt in der Vergangenheit im Schnitt sieben Monate gedauert, bis es vom Hoch zu einer Rezession gekommen ist. Der Rückgang habe dabei im Schnitt 31 Prozent betragen. Demnach könnte es im ersten Quartal 2019 zu einem Einbruch kommen. "Das ist aber nicht unser Stimmungsbild", betonte Brezinschek. Sollte es andererseits erst im ersten Quartal 2020 zum Abschwung kommen, wäre laut einer anderen Analyse heuer noch eine zweistellige Performance möglich.

"10 bis 15 Prozent sind heuer immer drinnen", sagte Brezinschek. Allerdings werden die Schwankungen größer. 2019 dürften dann keine positiven Ertragsraten mehr möglich sein. Dies werde aber von den Konjunkturparametern abhängen und wie stark diese wirkten. "Ich sehe noch einmal ein Umfeld, dass einen Schub bringen kann", sagte Brezinschek.

Für die Finanzmärkte gehe derzeit das größte Risiko von einer Verschärfung des Protektionismus in Form von gegenseitigen Zollschranken aus. Das stelle eine Gefahr für den Welthandel und die Exportwirtschaft dar. "US-Präsident Donald Trump sollte das Spiel mit dem Welthandel beiseitelegen", so Brezinschek.

Ein weiterer Risikofaktor seien die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Die Märkte belasten würde auch eine vierte Zinserhöhung in den USA. Für Unsicherheit sorge zudem der bevorstehende Brexit, und ob dieser hart oder weich ausfallen werde. Beschränkt werde das Wachstumspotenzial der Weltwirtschaft zudem durch den weltweiten Fachkräftemangel.

In Zahlen gefasst traut Brezinschek dem US-Aktienindex Dow Jones heuer einen Anstieg von derzeit rund 25.000 auf rund 26.000 Punkte zu. Der deutsche Aktienindex DAX könnte von aktuell 12.300 noch auf 13.000 Punkte zulegen und der Wiener ATX von aktuell 3.450 auf 3.800 Punkte steigen.

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