Raiffeisen International steigert Konzernergebnis um 81,4 Prozent

Raiffeisen International steigert Konzernergebnis um 81,4 Prozent

RBI-Chef Johann Strobl hat allen Grund zur Freude: Osteuropa leuchtet wieder - vor allem in seiner Bilanz.

Die RBI konnte vor allem in Osteuropa kräftig zulegen. Die Region hat fast die Hälfte zum ausgezeichneten Vorsteuergewinn von 529 Millionen Euro beigetragen. In zwölf Ländern ist RBI unter den Top 5 bei der Kreditvergabe. 22 Prozent der notleidenden Kredite sind in der Ukraine.

Wien. Die börsennotierte Raiffeisen Bank International (RBI) ist mit einem deutlichen Gewinnanstieg ins heurige Jahr gestartet. Das Konzernergebnis stieg im 1. Quartal 2018 um 81,4 Prozent von 220 auf 399 Millionen Euro. Alleine der Sondereffekt aus der Auflösung von Kreditrisikovorsorgen trug laut RBI mit 83 Millionen Euro zu diesem positiven Ergebnis bei.

Der größte Teil des verbesserten Vorsteuergewinnes erwirtschaftete die RBI in der Region Osteuropa - und hier vor allem wieder in Russland. Diese Region, zu der noch Weißrussland und die Ukraine gezählt werden, trug mit 248 Millionen Euro zum gesamten Vorsteuergewinn bei. Fast drei Viertel der operativen Erträge in Osteuropa wurden demnach in Russland erwirtschaftet.

142 Millionen Euro an Vorsteuergewinnen kamen aus Südosteuropa - dazu zählen Albanien, Bosnien & Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, der Kosovo, Rumänien und Serbien.

Aus der Region Zentraleuropa flossen 130 Millionen Euro. Zu dieser Region zählen Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Polen und Slowenien, wo die RBI im Leasing aktiv ist.

Auf den Bereich Group Corporates & Markets entfielen 154 Millionen Euro. Dazu zählen unter anderem das Österreich-Geschäft, Raiffeisen Leasing, Raiffeisen Centrobank, Raiffeisen Capital Management, Kathrein Privatbank, Raiffeisen Factorbank und die Raiffeisen Bausparkasse. Um 146 Millionen Euro vermindert wurde das Vorsteuerergebnis durch die Ergebnisse des Bereiches Corporate Center und durch Konsolidierungseffekte.

"Wir sind gut in das Jahr gestartet. Wir konnten unser operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr steigern und Kreditrisikovorsorgen auflösen", so CEO Johann Strobl. Trotz dieses positiven Ergebnisses wird für 2018 erwartet, dass die Risikokosten etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen werden.

Wachstum in allen Bereichen

"Wir bleiben sowohl dem russischen Markt und dem hochqualitativen Kundenservice als auch der weiteren Entwicklung unserer physischen Präsenz und der digitalen Möglichkeiten verpflichtet", heißt es in der Präsentation zu den Quartalszahlen.

Die RBI ist von der jüngsten Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland wie berichtet nicht direkt betroffen. Die Sanktionen dürften aber Folgen für das Kreditgeschäft mit den auf die US-Sanktionsliste gesetzten russischen Konzernen zeitigen. Es wird zwar nicht verlangt, Kreditengagements abzustoßen. Raiffeisen will aber das Geschäft mit sanktionierten Unternehmen zurückfahren.

"Wir werden in allen Geschäftsbereichen wachsen und gleichzeitig einen vorsichtigen Risikozugang beibehalten", betont die RBI heute.

Im ersten Quartal wuchs das Kreditgeschäft in Russland auf Euro-Basis um zwei Prozent, die Nettozinsmarge stieg von 5,43 auf 5,95 Prozent. Am Ende des ersten Quartals waren in Russland 8,15 Milliarden Euro an Krediten ausständig. Davon entfielen 3,15 Milliarden Euro bzw. 39 Prozent auf den Retailbereich, und davon wiederum 40 Prozent auf Konsumkredite, 38 Prozent auf Hypothekenkredite und 19 Prozent auf Kreditkartenkredite.

Das Top-Ergebnis geht nicht spurlos an der Börse vorbei. Die RBI-Aktie hatte im frühen Handel am Dienstag um bis über 6 Prozent zulegen können. Am Nachmittag gegen 15 Uhr (MEZ) notierten die Papiere noch 4,5 Prozent im plus bei 30,08 Euro.

Die RBI ist inklusive Österreich in 15 Ländern vertreten. In zwölf davon ist sie gemessen an den vergebenen Kundenkrediten unter den fünf größten Finanzinstituten - neben Österreich (3) in Tschechien (5), Ungarn (5), der Slowakei (3), Albanien (3), Bosnien & Herzegowina (2), Bulgarien (5), Kroatien (4) , dem Kosovo (1), Rumänien (5), Serbien (5) und der Ukraine (4). In Russland liegt sie gemessen an den Kundenkrediten auf Platz 9, in Polen auf Platz 10 und in Weißrussland an 6. Stelle. In Summe werden rund 16,6 Millionen Kunden betreut.

Die NPL-Rate für notleidende Kredit (NPL-Ratio) ging gegenüber Jahresbeginn um weitere 0,3 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent zurück. Die NPL-Coverage Ratio stieg von 67 auf 69,7 Prozent.

Den höchsten Anteil notleidender Kredite gibt es in der Ukraine (22,1 Prozent), gefolgt von Albanien (15,7 Prozent) und Kroatien (11,6 Prozent). Deutlich über dem Gruppen-Durchschnitt von 5,4 Prozent liegen die NPL-Anteile auch noch in Polen (8,7 Prozent), Ungarn (8 Prozent) und B&H (6,8 Prozent). Zu einem Anstieg ist es in der Ukraine und Ungarn gekommen, Rückgänge gab es in Kroatien, Tschechien und Rumänien.

Der Zinsüberschuss stieg im Vorjahresvergleich um 4,0 Prozent von 797 auf 829 Millionen Euro. Die Nettozinsspanne blieb stabil bei 2,49 Prozent mit Verbesserungen in Tschechien und Rumänien.

Die Umstellung auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 9 wirkt sich mit 130 Millionen Euro negativ auf das Eigenkapital aus, was zu einem Minus von 10 Basispunkten bei der Kernkapitalquote (CET 1 Ratio, fully loaded) führt. Diese liegt nun bei 12,8 Prozent.

Aus dem Verkauf des Kernbankgeschäfts in Polen wird nach Abschluss ein positiver Einfluss von 90 Basispunkten auf die Kapitalquote auf Konzernebene erwartet.

Für die kommenden Jahre geht das RBI-Management von einem durchschnittlichen Kreditwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich aus. "Für 2018 erwarten wir, dass die Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte (Risikokosten) etwa auf dem Niveau von 2017 liegen werden", heißt es weiter.

Die NPL Ratio soll mittelfristig weiter sinken. Mittelfristig wird ein Kosten-Ertrags-Verhältnis (Cost/Income Ratio, CIR) von unter 55 Prozent angepeilt. Der Return on Equity (ROE) im Konzern soll bei etwa 11 Prozent liegen und die Kernkapitalquote nach Dividende bei rund 13 Prozent. Basierend auf diesen Zielen sind Dividendenausschüttungen in Höhe von 20 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses geplant.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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