Raiffeisen Bank International dreht nach Rückbau wieder auf

Raiffeisen Bank International dreht nach Rückbau wieder auf

RBI-Chef Johann Strobl präsentiert seine erste Bilanz - und die Aktionäre können sich gleich freuen: Es wird wieder eine Dividende ausgeschüttet.

Nach jahrelangem Um- und Rückbau dreht die RBI wieder auf. Der Gewinn wurde 2017 verdoppelt. Die Aktionäre sollen nach drei Jahren ohne Dividende künftig wieder kräftig an den Gewinnen mitnaschen. Das Wachstum in Osteuropa wird auf 3 bis 3,5 Prozent prognostiziert. Einzig die polnische Tochter bleibt noch ein Problemkind.

Die börsennotierte Raiffeisen Bank International (RBI) dürfte den Dreh geschafft haben. Bankchef Johann Strobl hat seine erste Bilanz präsentiert. Und gleich den Gewinn auf rund eine ​Milliarde Euro verdoppelt. Vor allem dürfen sich die Aktionäre wieder freuen. Zumindest hat RBI-Chef Strobl auf Sicht Ausschüttungen von 20 bis 50 Prozent in Aussicht gestellt. Zuletzt hatte die RBI vor drei Jahren eine Dividende ausbezahlt.

204 Millionen Euro oder 62 Cent je Aktie schüttet die Bank für 2017 als Dividende aus, also eine Quote von 18 Prozent. Nach drei dividendenlosen Jahren, in denen vor allem Kapital aufgebaut wurde, wollte die Konzernspitze erst langsam wieder anfangen mit Ausschüttungen. Ziel sind mittelfristig jeweils 20 bis 50 Prozent vom Konzerngewinn.

Strobl ist seit dem Jahr 2010 Mitglied im Raiffeisen-Vorstand. Er hatte im März 2017 das Zepter von Karl Sevelda übernommen. Sevelda hatte zuvor die Bank fast vier Jahre als Vorstandschef und CEO geführt.

Im Jahr 2017 lag der Konzerngewinn bei 1,116 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie 2016 (520 Millionen Euro). Für faule Kredite wird die Bank 2018 aber noch mehr zurücklegen müssen als 2017. Dank stark rückläufiger Kredit-Wertberichtigungen - es gab auch Rückflüsse sowie Kreditpaket-Verkäufe.

Faule Kredite reduziert

Der Bestand an faulen Krediten sank um 2,3 Milliarden auf 4,6 Milliarden Euro. Kredite im Volumen von 1,01 Milliarden Euro wurden verkauft und 1,63 Milliarden Euro an uneinbringlichen, aber schon abgeschriebenen Darlehen ausgebucht. Die Verkäufe gehen 2018 weiter.

Im abgelaufenen Jahr ist der Anteil der faulen Kredite an den gesamten Krediten (Non-Performing-Loans/NPL-Quote) um 3 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent gesunken. Ziel sind auf Sicht drei bis fünf Prozent.

Vor allem in der Ukraine, aber auch in Kroatien - wo auch die RBI Gläubigerin beim angeschlagenen Konzern Agrokor ist - sowie in Ungarn wird heuer das Portfolio weiter bereinigt. In der Ukraine wurde die NPL-Quote 2017 schon von 52 Prozent auf 20,6 Prozent mehr als halbiert. In Russland (4,1 Prozent), Bulgarien (4,3 Prozent) , Tschechien (2,6 Prozent) oder der Slowakei (2,9 Prozent) liegen diese Quoten schon unter dem Konzern-Schnitt.

Netto mussten 2017 in der Konzernbilanz nur rund 287 Millionen Euro für Kreditwertberichtigungen zur Seite gelegt werden - ein Rückgang um fast zwei Drittel. Diese Summe war außergewöhnlich niedrig und dürfte heuer wieder höher werden. 2017 war die komfortablere Risikolage Haupttreiber der Gewinnverdopplung von 520 Millionen auf 1,116 Milliarden Euro. In allen Märkten schreibt die Bank jetzt Gewinne, wurde bei der Bilanzvorlage betont.

Einkaufsprogramm

Nach dem Rückzug aus einigen Märkten (Asien, USA, Slowenien) und weiteren Straffungen im Netz wird nun erstmals wieder an Zukäufe gedacht. Allerdings geht es nicht um ganze Banken. "Es findet seit einiger Zeit in vielen Märkten ein Konsolidierungsprozess statt", sagte Strobl heute. Mit Portfolio-Zukäufen habe die RBI in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht, das werde jetzt wieder ein Thema. Als Beispiel nannte der Bankchef den Kauf der Privatkundensparte der Citibank in Tschechien. Das habe viele neue Kunden gebracht.

In den Ländern Tschechien, Slowenien, Rumänien und Bulgarien wurde eine deutliche Nachfragesteigerung verzeichnet. Die Kreditnachfrage bei Privatkunden sei deutlich gestiegen, sagt RBI-Chef Strobl im Ö1-Mittagsjournal. In diesen Ländern würde vor allem im Wohnungsbausektor investiert.

Das Wirtschaftswachstum in den EU-Ländern Osteuropas wird laut Strobl auf drei bis 3,5 Prozent prognostiziert.

Infrage kämen solche Sparten-Zukäufe in ausgewählten Ländern, in denen die Wachstumskurve, vor allem auch in der Kreditnachfrage, nach oben zeigt. Besondere Zuwächse erwartet die Bank demnach für Rumänien, Tschechien, Bulgarien oder Rumänien. Ergäben sich etwa auch in Russland Gelegenheiten für Portfolio-Zukäufe, würde man sich diese anschauen.

Russland war mit einem Gewinn von netto 443 Millionen Euro im Berichtsjahr wieder Cash Cow unter den Ostbanken des Konzerns. Insgesamt ist die RBI in 15 Märkten mit Banken tätig. Ende 2017 beschäftigte die Gruppe mit einer Bilanzsumme von 135,15 Milliarden Euro erstmals wieder weniger als 50.000 Mitarbeiter, konkret 49.700 (Vollzeitrechnung). Die stärksten Rückgänge im Personalstand gab es im Jahresschnitt in der Ukraine (minus 1.360).

Kapitalerhöhungen stehen bei den Tochterbanken nicht an, hieß es heute. Gesteuert würde aber über einbehaltene Gewinne. Das ist vor allem in Polen der Fall. Laut geltendem polnischem Recht dürfen Banken mit Fremdwährungskreditbestand (d. h. Frankenkrediten) keine Dividenden ausschütten.

Die polnische Lösung

Bei der polnischen Tochterbank Polbank steht die RBI kurz davor, sich von Aktien zu trennen. Entweder über einen Verkauf, wobei fortgeschrittene Verhandlungen mit der französischen BNP-Paribas-Gruppe kolportiert werden, oder über einen Börsengang. Nachdem erste Verkaufsversuche gescheitert waren, hat die RBI für einen neuen Anlauf von der polnischen Aufsicht Zeit bis 15. Mai 2018 bekommen.

Zum aktuellen Stand bei der Polbank äußerte sich Strobl heute nicht. Für die Polbank hatte die RBI vor mehr als sechs Jahren rund 600 Millionen Euro berappt und danach noch Kapital erhöht. Auf Fragen zu aktuell erwartbaren Preisen räumte der Vorstand heute ein, "wir schauen nicht in die Vergangenheit bei Entscheidungen". Ob die Polen-Akquisition im Nachhinein gesehen ein Reinfall war? Man habe größere Hoffnungen gehabt "als wir in der Lage waren zu realisieren."

Die RBI-Aktie hat nach Bekanntgabe der Jahresergebnisse um 2,2 Prozent verloren und notiert am Mittwoch bei 31,12 Euro.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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