75 Prozent Kurspotenzial beim deutschen Aktienindex Dax?

75 Prozent Kurspotenzial beim deutschen Aktienindex Dax?

Kommt nach "America First" jetzt "Europe first" an den Börsen?

Der deutsche Aktienindex Dax hinkt dem US-Börsenbarometer S&P seit der Finanzkrise weit hinterher. Dass die Kurse rasch in ebenso lichte Höhen steigen, erwarten Experten zwar nicht. Doch Chancen auf Kursgewinne orten Experten sowohl beim DAX als auch bei anderen anderen EU-Börsen.

Dax mit 25 Prozent Kursgewinn

America First" war die Story für die Kapitalmärkte im ersten Halbjahr. Die Phantasie der Anleger beflügelte die Aussicht auf mehr Wachstum, mehr Unternehmensgewinne und mehr Inflation. Das galt jedoch nicht nur für die US-Wirtschaft, sondern auch für große Teile im Rest der Welt. Die Börsen haben das durch ein Kursfeuerwerk honoriert, wie man es schon lange nicht mehr erlebt hat. Von November bis Juni stieg der amerikanische S&P 500 um 17 Prozent, der DAX sogar um 25 Prozent.

Jetzt bröckelt der Lack zumindest bei der von US-Präsident groß verkündeten Devise: "America First". Das gilt nicht nur für die Politik, sondern ebenso für die Finanzmärkte. Die Aktienkurse sind im Juni und Juli kaum mehr gestiegen (allerdings auch nicht gefallen). Was kommt nun? Dieser Frage ist der renommierte deutsche Ökonom Martin Hüfner von der luxemburgischen Fondsgesellschaft Assenagon nachgegangen.

Deregulierung der Märkte als langfristige Stimulanz von Wirtschaft und Börsen

Die USA sieht derzeit für Anleger nicht vielversprechend aus. So dürften die von Trump versprochenen Steuersenkungen und damit verbundene Ausgabensteigerungen nicht in dem erwarteten Maße kommen. "Das dämpft die Phantasie und damit das Kurspotential der Anleger, so Hüfner. Die angestrebte Deregulierung werde zwar kommen, aber dazu sind die Mühen der Ebenen nötig, die nicht schnell von statt gehen werden. „Auf Dauer wird es die Gewinne der Unternehmen aber positiv beeinflussen, nicht zuletzt die der Banken. Die große Story, die die Fantasie der Anleger beflügelt, ist es aber nicht.“

Seit der Finanzkrise klafft zwischen den USA und Europa eine Bewertungslücke

Die große Story kommt diesmal, wenn auch für viele letztlich überraschend, aus Europa. Investmentprofi erwartet hier noch großes Nachholpotenzial an den Börsen. So sind die Aktienkurse in den USA in den letzten 30 Jahren lange Zeit relativ parallel zum DAX, der stellvertretend für andere europäische Märkte ausgewählt wurde, gelaufen sind. Erst seit der großen Finanzkrise hat sich eine größere Lücke aufgetan. Der DAX fiel wegen der Eurokrise weit hinter den S&P 500 zurück. „Da ist eine Differenz von 75 Prozent aufgelaufen“, analysiert Hüfner. Selbst wenn nicht alles realisiert würde, „zeigt das die Chancen, die sich dem Anleger bieten, wenn ´America First´ durch ´Europe First´abgelöst werden sollte.“

Der breite US-Aktienindex S &P zieht dem Dax, dem größten Aktienindex Europas seit Jahren davon.

Europa ist viele Probleme wesentlich später angegangen

Die Lücke hat lange Zeit auch vielfach zu recht bestanden. So wurde die Bereinigung der maroden Banken in den USA rasch durchgeführt, etliche Banken rigoros in den Konkurs geschickt, die Unternehmen haben bei Ausbruch der Krise deutlich schneller reagiert und sofort Mitarbeiter in großem Stil entlassen und die Wirtschaft wurde mit Zinssenkungen wesentlich früher stimuliert als Europa. Deshalb nicht nur das viel schleppendere Anspringen der Wirtschaft in Europa und entsprechend groß ist auch die Bewertungslücke.

Dass die Kurse jedoch in Europa so stark steigen, glaubt Hüfner trotzdem nicht. „Wenige Anleger, vor allem nicht jene in Europa, hätten den Markt auf ihrem Radar. Der Kursanstieg werde auch nicht so abrupt und überraschend kommen wie das in den USA der Fall war.

Ohne Reformen bleibt die Geldflut nicht nachhaltig wirksam

Ob die Kurse in Europa mittel- bis längerfristig deutlich ansteigen, wird vor allem auch davon abhängen, wie sehr die Unternehmen nicht nur vom billigen Geld profitieren, sondern in wie weit viele Länder auch Reformen in großem Stil umsetzen, die die Wirtschaft nachhaltig beflügelt. Die einstigen Krisenländer Spanien, Portugal und Irland kommen bei der Umsetzung der Reformen jedoch gut voran.

Fundamental stehen die Chancen für eine allmähliche Besserung in Europa aber gut. Denn der Euroraum wächst mit drei Prozent recht ordentlich. Lange waren solche Wachstumsraten den USA vorbehalten. Wächst die US-Wirtschaft doch seit Jahren westlich dynamischer. Nicht nur das Reformen zügiger angegangen werden, im Schnitt ist das Land auch viel innovativer. Im ersten Halbjahr hinkt das US-BIP jenem Europas hinterher.

Der Abstand zu den USA wird so geringer. So stiegen die Gewinne der Unternehmen in Europa im ersten Quartal um 35 Prozent. Auch die Entwicklung der EU schreitet voran. So wird die Bankenunion und auch die Fiskalunion vorangetrieben. Kommt dann noch ein erwarteter "Soft-Brexit" ist Europa gut aufgestellt. Schon jetzt beginnen sich die Kapitalströme langsam Richtung Europa zu drehen.


Hüfner sieht vor allem beim französischen Aktienindex CAC 40 gute Kurschancen. "Der Index ist deutlich hinter dem Dax geblieben".

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