Prognose: Corona lässt Emerging Markets ökonomisch zurückfallen

Corona trifft die Emerging Markets ökonomisch härter als den Westen. Wie stark die Wirtschaft in diesen Ländern heuer absacken dürfte und wann Experten wieder mit einem nachhaltigen Aufschwung rechnen.

Prognose: Corona lässt Emerging Markets ökonomisch zurückfallen

Corona war für die Weltwirtschaft schon in den vergangenen Monaten heftig, doch in vielen Emerging Markets (EM) ist auch ökonomisch derzeit kein Ende des Alptraum in Sicht. Die Gründe dafür sind die marode Gesundheitssysteme in diesen Ländern, die geringe Versorgung mit Impfstoffen und ein meist nicht vorhandener Sozialstaat. Doch was bedeutet diese Entwicklung, sowohl aktuell als auch für die nächsten Jahre?

Die Auswirkungen der Krise in diesen Ländern, in denen vielfach auch kein Sozialstaat existiert und die Krise abfedern hätte können, zeigen sich bereits deutlich. So sind im Vorjahr, laut einer Studie des amerikanischen Pew Research Center, rund 150 Millionen Menschen in den Emerging Markets wieder aus der Mittelklasse abgerutscht - der erste Rückgang seit 30 Jahren. Vor allem in Indien und Südostasien hat sich die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung durch die Pandemie deutlich verschlechtert.

Geringe Weltwirtschaftsleistung bis 2024

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem jüngsten World Economic Outlook aufgrund der Pandemie sogar noch für 2024 eine drei Prozent geringere globale Wirtschaftsleistung prognostiziert. Betroffen davon sind vor allem Schwellenländer, die weniger finanziellen Spielraum haben, um die Erholung mit Fiskalmaßnahmen voranzutreiben. So wird erwartet, dass Indiens BIP in diesem Jahr um rund fünf tiefer niedriger ausfallen wird und jenes des bevölkerungsreichen Indonesiens ein Minus von über neun Prozent aufweisen wird.

Wirtschaftswachstum der Industrienationen erstmals wieder höher als in Emerging Markets.

Aber nicht alle Schwellenländer wurden gleich getroffen. China, Taiwan und Südkorea haben mit restriktiven Maßnahmen die Krise sogar besser und schneller gemeistert als die USA und Europa. „Für Investoren gilt es entsprechend die Unterschiede zu kennen und Investments darauf auszurichten“, meint Raphael Lüscher, Manager des Swisscanto Equity Fund Sustainable Emerging Markets (ISIN LU0338548034). Der Fonds erzielte in den vergangenen zwölf Monaten mit Werten wie ein Plus von knapp 37 Prozent.

Einzelne EM-Börsen steigen

Trotz der Schwierigkeiten, mit denen manche der Schwellenländer zu kämpfen haben, haben diese Börsen seit Mai des Vorjahrs zu einer kräftigen Erholung angesetzt, um in den letzten drei Monaten unter heftigen Kursschwankungen gerade ein leichtes Plus zu erzielen. Gemessen am MSCI Emerging Markets betrug der Zuwachs bei rund 18 Prozent. Zu den Gewinnern an der Börse zählen im heurigen Jahr bisher Osteuropa. So legte der STOXX Eastern Europe 300 um fast 14 Prozent zu. Die Börse in Südafrika kletterte, obwohl hart von Corona getroffen, im vergangenen Jahr um 56 Prozent. Dort treiben die börsenotierten Rohstoffunternehmen die Hausse. Asien bildet das Schlusslicht.

Lüscher von Swisscanto rechnet für diese Börsen im Jahresverlauf mit Kursschwankungen. „Erst wenn die Pandemie verkraftet ist, dürften die Schwellenländer wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren, der sie für Anleger interessant macht.“ Denn die Wachstumsaussichten bleiben langfristig attraktiv. Bis 2050 erwartet die UNO in den Schwellenländern eine Zunahme der arbeitenden Bevölkerung von rund 1,25 Milliarden Menschen. In den entwickelten Märkten dagegen wird ein Rückgang von rund 70 Millionen Jobs erwartet.

Wachstum und seine negativen Folgen

„Das bedeutet, dass ein Großteil der zukünftigen globalen Produktion und des Konsums in den aufstrebenden Märkten stattfinden wird“, resümiert Lüscher. Die negativen Begleiterscheinungen des erhöhten Wachstums für Gesellschaft und Wirtschaft würden aber gerade in diesen Ländern besonders hoch sein, so der Experte. So sind diese Länder besonders mit Umweltverschmutzung, einer unzureichende Wasserinfrastruktur, einer unterentwickelten Gesundheitsversorgung, überforderte soziale Einrichtungen oder eine sich ausweitende Einkommensschere.

Der Schlüssel zur Lösung des Dilemmas sieht Lüscher, Manager des Swisscanto Nachhaltigkeitsfonds, zwischen dem angestrebten Wirtschaftswachstum und den negativen Begleiterscheinungen darin Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch stärker zu entkoppeln. Andererseits müsse aber auch die Chancengleichheit für die Bevölkerung gefördert werden, damit alle vom Wohlstandswachstum profitieren können. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Berücksichtigung nachhaltiger Faktoren.

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