Pharma-Aktien: Die Corona-Gewinner mit Top-Langzeit-Aussicht

Die Pharma- und Biotechbranche forscht derzeit fieberhaft an neuen Wirkstoffen. Die Anleger begrüßen jeden Hoffnungsschimmer mit hohen Kurszuwächsen. Die Chance und Risiken der Branche und welche Pharmafonds sich gut gehalten haben.

Pharma-Aktien: Die Corona-Gewinner mit Top-Langzeit-Aussicht

Wann kommt der erste Impf- und Wirkstoff gegen Corona - es ist ein Wettlauf der Pharmabranche.

Biotech- und Pharmaunternehmen gehören zu den Stars der Pandemie. Jeder Hoffnungsschimmer auf ein Medikament oder einen Impfstoff im Kampf gegen das Corona-Virus versetzt Menschen und jene, die Geld in diese Branche investiert haben, in Aufregung und lässt die Kurse der Unternehmen kometenhaft steigen. Zweistellige Kurszuwächse bei Aktien solcher Unternehmen sind da rasch drinnen. Davon wurde die gesamte Branche beflügelt, die den Shutdown in vielen Ländern und dessen Folgen bisher an der Börse sogar am besten weggesteckt hat.

Biotech- und Pharma-Aktien: Am wenigsten Verluste im ersten Quartal
Keine andere Branche verzeichnete im ersten Quartal 2020 so geringe Kursverluste wie die Biotech- und die Gesundheitsbranche. Der Weltaktienindex MSCI Biotech World verlor nur gut zwei Prozent, der World Heathcare Index 3,5 Prozent. Der breite europäische Aktienindes EuroStoxx50 brach in der selben Zeit um 25 Prozent ein, der Weltaktienindex MSCI World um 19 Prozent. Im April ging es bei Pharma- und Biotechwerten bereits wieder munter bergauf mit den Kursen. Der Zuwachs betrug in diesem Monat sowohl bei Biotech als auch bei Gesundheitsaktien im Schnitt rund acht Prozent.

Ebola-Mittel gegen schwere Fälle lässt Kurse steigen
Dass sich der Sektor zuletzt so gut gehalten hat, liegt zum einen daran, dass sich konservative Werte, wie die Pharmabranche, traditionell in Krisen vergleichsweise gut halten, ist aber auch den positiven Meldungen seit Ausbruch des Virus geschuldet. Zu jenen, die die Kursphantasie der Anleger kräftig ankurbeln zählt Gilead Sciences. Das kalifornische Pharma- und Biotechunternehmen soll mit dem Medikament Remdesivir, das für den Ebola-Virus entwickelt wurde, bei schweren Covid-19-Fällen helfen können. Die Aktie stieg seit Ende Jänner um 27 Prozent steigen.

Nahezu jedes Pharma- oder Biotech-Unternehmen versucht derzeit ein Medikament oder einen Impfstoff gegen den neuen Virus zu finden, sind doch als potentielle Abnehmer praktisch alle Menschen rund um den Erdball offen. Mindestens 15 Unternehmen sind es im deutschsprachigen Raum.

Alte Mittel werden auf Wirkung gegen Corona getestet
So prüft jede große Pharmafirma ihr Arsenal an Anti-Viren-Mitteln, in der Hoffnung, eines sofort oder leicht abgewandelt, gegen das neue Coronavirus einsetzen zu können. Der französische Pharmariese Sanofi und US-Konkurrent Regeneron testen gemeinsam das Rheumamedikament Kezvara gegen Covid-19 an Erkrankten. Alleine der Versuch lässt die Kurse kräftig steigen. Die Aktie von Sanofis kletterte im letzten Monat um 19 Prozent, die Papiere des US-Herstellers Regeneron legten in den vergangenen drei Monaten gar um 56 Prozent zu. Die Aktie von Evotec , das ebenfalls an einem Impfstoff forscht, verteuerte sich um 16 Prozent.

US- und EU-Firmen wetteifern um Impfstoff
Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson arbeitet an einen Impfstoff gegen Corona. Verlaufen Tests erfolgreich, könnte die US-Firma aber schon Anfang 2021 die ersten Impfungen liefern. Die Aktie schoss im vergangenen Monat um 26 Prozent in die Höhe. Die Kosten für Entwicklung sind allerdings überdurchschnittlich hoch: Johnson & Johnson dürfte bis zur Zulassung rund eine Milliarde Dollar in die Forschung dafür investieren. In Europa forscht unter anderem Pfizer an einem Impfstoff. Die Aktie zog in den vergangenen vier Wochen um 36 Prozent an.

COVID-19: Diese Strategien haben sich bereits bewährt
Erfolgreicher Schnelltest
Das US-Techunternehmen Cepheid hat erfolgreich einen Corona-Virus-Schnelltest entwickelt. Das Besondere dabei: Der Test kann vor Ort beim Patienten durchgeführt werden, und es sind keine Laborproben notwendig. 23.000 Stück dieser Geräte sind laut dem Unternehmen weltweit im Einsatz. Der Schnelltest soll dabei ebenso zuverlässige Ergebnisse liefern wie langwierige Labortests – und das in nur 45 Minuten.

Telemedizin-Firma mit 88 Prozent Kurssprung
In der aktuellen Pandemie erlebt die Telemedizin einen Boom. Virtuelle Arztbesuche beim Telemedizin-Anbieter Teladoc Health per Computer oder Smartphone verzehnfachten sich zuletzt und ermöglichen so nicht nur eine schnelle Beratung, sondern auch eine Voreinteilung der Patienten bei der Behandlung. So können nicht kritisch kranke Personen zu Hause bleiben, entlasten damit die Krankenhäuser und sind vor allem keinem Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Sowohl die US-Regierung als auch Versicherer fördern den Einsatz solcher Technologien. Wenig Risiko, großes Anwendungsgebiet. Das mögen Investoren. Die Aktie sprang in den vergangenen drei Monaten um 88 Prozent in die Höhe.

Beatmungsgeräte und Abstriche werden rund um die Uhr produziert
Bei Beatmungsgeräten boomt das Geschäft, das sich in den Bilanzen von Drägerwerk, Getinge oder Medtronic niederschlagen. Der deutsche Konzern Drägerwerk hat die Produktion von Beatmungsgeräten im Februar verdoppelt und wird sie in den kommenden Monaten vervierfachen. Qiagen fertigt rund um die Uhr Extraktionskits, mit denen die Virus-RNA aus Rachen- und Nasenabstrichen isoliert wird. Die Produktion soll um das 10-fache hinaufgeschraubt werden.


Die moderne Biotechnologie ermöglicht ein schnelleres Verständnis des Virus

Anti-Corona-Wirkstoff: Teure Forschung, hohes Risiko
Doch die Pharmabranche ist mit verschiedensten Gesetzmäßigkeiten ausgesetzt. So etwa die hohen Kosten für Forschung, gleichzeitig drohen immer wieder Umsatzrückgänge durch günstigere Nachahmerprodukte von Konkurrenten nach Auslauf des Patentschutzes, wie ein solcher zuletzt Pfizer zugesetzt hat. Generell ist die Entwicklung eines neuartigen Impfstoffs eine zeit- und kostenintensive Angelegenheit. Bisher dauerte laut Angaben der Schoellerbank ein derartiger Prozess 15 bis 20 Jahren und verursachte Kosten in Höhe von im Schnitt 300 bis 800 Millionen Euro. Bei Pfizer kalkuliert man für die Erforschung eines Anti-Corona-Impfstoffes Kosten von einer Milliarde Euro.
Wenn der technische Fortschritt der letzten Jahre den Forschungsprozess auch beschleunigt. „Die moderne Biotechnologie ermöglicht ein schnelleres Verständnis des Virus, seiner genetischen Sequenz und seiner Auswirkungen auf den menschlichen Körper“, so Gertraud Dürnberger, Managerin des Schoellerbank Global Health Care Fonds. Das hat zur raschen Entwicklung einer Reihe von Behandlungen und Impfstoffen geführt. Derzeit befindet sich eine Handvoll Impfstoffkandidaten in klinischen Tests. Erste Ergebnisse sollen nach einer dreimonatiger Testphase bereits im Juni vorliegen.

Gilead: Anleger bekommen kalt-warum
Bei der Forschung und Tests sind Anleger mitunter aber auch durch verschiedene Meldungen eioonem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, wie das Beispiel Gilead zeigte. Zunächst hieß es das Ebola-Mittel das gegen Corona eingesetzt wurde, hätte doch nicht so angeschlagen, nachdem es weiteren 158 Erkrankten verabreicht wurde. Die Substanz habe weder den Zustand der Schwerkranken verbessert, noch die Virenzahl reduziert. Weil es erhebliche Nebenwirkungen gebe, sei die Behandlung bei 18 Studien-Teilnehmern abgesetzt worden. Die Gilead-Aktie gab in Folge dessen nach. Nun meldete das Unternehmen aber sehr wohl positive Ergebnisse von zwei klinischen Studien, was die Aktie sofort nach oben katapultierte.

Weniger andere OPs, Ärztpraxen haben lange geschlossen
Der aktuelle Fokus der Branche auf den Virus hat jedoch auch Nachteile. In der Coronakrise werden Gesundheitsfirmen nicht wie sonst beim Absatz durch ein kontinuierliches Aufkommen von Operationen oder Arztbesuchen unterstützt. Im Gegenteil: Die Vorbereitung auf einen steilen Anstieg der Coronavirus-Patienten wurden Routine-Tätigkeiten hintangestellt.

Erforschung anderer Pillen gerät ins Hintertreffen
Auch die Erforschung und Einführung neuer Produkte werden wegen des Coronavirus beeinträchtigt. So ist die US-Pillenzulassungsbehörde FDA, die U.S. Food and Drug Administration, derzeit hauptsächlich damit beschäftigt, neue Behandlungen für COVID-19 zu bewerten und gegebenenfalls zuzulassen.
Trotz Risiken und mögliche Verzögerungen bei der Zulassung anderer Medikamente und Wirkstoffe zählt der Sektor im US-Akktienindex S&P aber zu jenen, die ihre Gewinnerwartung für 2020 nach oben revidiert haben.

Unterm Strich überwiegen damit die positiven Erwartungen was die Gewinnentwicklung für Gesundheitsunternehmen im S&P betrifft (siehe Grafik)

Die Gesundheitsbranche zählt zu jenen Sektoren die 2020 gegenüber den Vorjahr die Gewinne im US-Aktienindex S&P nach oben revidiert hat.


Anleger sollten die außergewöhnlichen Kursentwicklungen einiger Unternehmen noch mit Vorsicht betrachten

", warnt Dürnberger. Die Auswirkungen auf den Gewinn eines Unternehmens im Falle der Zulassung eines Medikaments oder Impfstoffs gegen Covid 19 hänge von mehreren Faktoren ab, unter anderem vom nachhaltigen Fortbestehen von COVID-19 und dessen Mutationsfreudigkeit“, so die Managerin weiter. Finanziell betrachtet werden, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, kaum allzu hohe Preise auf dem Markt für Medikationen durchsetzbar sein, glaubt Dürnberger. Unternehmen mit Lösungen in diesem Bereich können in jedem Fall mit einer Imageverbesserung rechnen. „Aus Sicht eines Anlegers muss jedoch das gesamte Geschäftsmodell stimmig und hochwertig sein, um einem langfristigen Investment gerecht zu werden“ so die Schoellerbank-Expertin.

Viele Krankheiten müssen noch besser erforscht werden
"Die Gesundheitsbranche ist weiterhin mit großen Aufgaben konfrontiert, die gleichzeitig immense Chancen eröffnen" erläutert Dürnberger. So gelte es weiterhin, Lösungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, für chronische Krankheiten wie Krebs, für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Fettleber, für Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Alzheimer sowie für besonders seltene Krankheiten zu finden.

Trotz der medizinischen Fortschritte und Innovationen der letzten Jahrzehnte bleibt der medizinische Bedarf daran groß. Die Weltbevölkerung altert zusehends, die Ausgaben für die Erhaltung ihrer Gesundheit steigt und auch der steigende Lebensstandard führt weltweit zu höheren Gesundheitsausgaben.

Höhere Kursschwankungen erwartet
In den kommenden Monaten müssen Anleger im Gesundheitssektor nach Einschätzung der Schoellerbank-Managerin mit erhöhten Kursschwankungen rechnen. Der rasante Kursverfall auf den Aktienmärkten hat dennoch auch in dieser Branche attraktive Chancen geschaffen.

Breite Diversifizierung ratsam
Um von der Gesundheitsbranche als Anleger zu partizipieren und eine große Diversifizierung zu erzielen, bieten Fonds gute Möglichkeiten. Zu den Top-Fonds in diesem Segment zählten etwa der AB - International Health Care Portfolio . Der Fonds zählt zu den Klassikern in diesem Bereich und schaffte es in den vergangenen drei Jahren im Schnitt eine Rendite von 12,2 Prozent zu erwirtschaften. In den letzten zehn Jahren waren es jährlich 10,2 Prozent. Roche, Pfizer und United HealthGroup zählen derzeit zu den größten Positionen. Laufende Fondskosten jährlich: 2,01 Prozent.


Wie der Kampf gegen den Virus auch ausgeht, die Branche dürfte an Aufmerksamkeit und an Gewichtigkeit gewinnen. Experten erwarten aufgrund der Pandemie in den nächsten Jahren steigende Investitionen in das Gesundheitssystem. Entsprechende Kapazitäten werden aufgebhaut und dauerhaft beibehalten, so die Meinung von Experten. Das kostest auch wenig im Vergleich zu der Belastung, die durch das Herunterfahren der Wirtschaft entstehen.

Asien-Gesundheitsfonds mit Plus 30 Prozent in einem Jahr
Deutlich spekulativer, aber durchaus einträglich, erwies sich bisher der Bellevue Funds - BB Adamant Asia Pacific Healthcare. In Asien, wo wie in Japan die Überalterung besonders stark zu tragen kommt, wird auch an speziellen Behelfsmitteln wie Robotounterstützung für ältere Menschen geforscht und an zahlreichen Pillen, um die Menschen lange mobil zu halten. Im vergangenen Jahr stieg der Kurs des Fonds um fast 30 Prozent.

Der Schoellerbank Global Heath Dachfonds zählt zwar mit einem Volumen von zehn Millionen Euro zu den kleinen Fonds in diesem Bereich und ist mit jährlichen Kosten von 2,88 Prozent auch nicht ganz billig, hat aber mit einer Rendite von 9,1 Prozent per anno in den vergangenen drei Jahren, ganz gut abgeschnitten.

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