Pfizer zieht zurück: Viagra-Hersteller übernimmt Botox-Fabrikant doch nicht

Pfizer zieht zurück: Viagra-Hersteller übernimmt Botox-Fabrikant doch nicht
Pfizer zieht zurück: Viagra-Hersteller übernimmt Botox-Fabrikant doch nicht

Viagra-Hersteller Pfizer und der Botox-Hersteller Allergan werden künftig doch nicht unter einem Dach firmieren.

Die Übernahme des Pharmakonzerns Allergan durch Pfizer offenbar geplatzt. Das Vorhaben soll einvernehmlich am Mittwoch ad acta gelegt werden.

Es hätte die größte Übernahme in der Geschichte der Pharma-Industrie werden sollen: 160 Milliarden Dollar (141 Milliarden Euro) war der Pharma-Konzern Pfizer (ISIN US7170811035) bereit für den ungleich kleineren Botox-Produzenten Allergan (ISIN US0184901025) auf den Tisch zu legen. Pfizers Ziel war, zum weltgrößten Arzneimittelhersteller aufzusteigen. Zudem hätte Botox gut in das Pfizer-Portfolio gepasst. Pfizer stellt ja bekanntlich auch die Potenzpille Viagra her.

Die Pfizer-Aktie hatte seit dem Sommer 2015 etwas an Wert verloren, zuletzt aber wieder zugelegt.

Der Verwaltungsrat des US-Konzerns hatte dem Kauf des Dubliner Rivalen auch schon zugestimmt. Nun wird der Deal offenbar ad acta gelegt. Auch die eigentlich bereits fixierte und von Pfizer-Chef Ian Read aus steuerlichen Gründen angestrebte Verlegung des Pfizer-Konzernsitzes von New York nach Dublin Irland ist somit vom Tisch.

Die Allergan-Aktie ist im März von fast 300 Dollar auf 230 Dollar abgestürzt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Absage der Übernahme durch Pfizer auf den weiteren Aktienkurs auswirkt.

Hintergrund ist, dass das US-Finanzministerium am Montag Montag neue Vorschriften bekanntgegeben hat, die sich gegen die Verlegung von Firmensitzen nach Übernahmen richten. Hauptgrund für die geplante Fusion war das Lukrieren eines Steuervorteiles für Pfizer. Dem hat das Weiße Haus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das ist, erklärt Bank Austria Chefanalystin Monika Rosen, auch gleich die erste Lektion hier: "Die US-Regierung wollte den Deal nicht und hat ihn schlussendlich verhindert. Das gilt wohl nicht nur für den konkreten Fall, sondern grundsätzlich für Bestrebungen von US-Firmen, sich durch Fusionen mit ausländischen Firmen Steuervorteile zu verschaffen."

Wer kündigt den Deal auf?

Dem Fusionsabkommen zufolge können beide Seiten das Geschäft absagen, wenn das neue Unternehmen wegen Änderungen im Steuerrecht als US-Konzern eingestuft werden würde. Allerdings muss die Partei, die absagt, der anderen bis zu 400 Millionen Dollar zahlen.

In den USA haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Konzerne nach Großfusionen ihre Firmensitze ins Ausland verlegt, was massive Steuerersparnisse mit sich bringt. Diese als Inversion bezeichnete Taktik ist in Amerika ein Politikum geworden. Selbst die favorisierten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten und Republikaner, Hillary Clinton und Donald Trump, sind sich hier ausnahmsweise einig, dass ein Riegel vorgeschoben werden muss. Die Regierung in Washington hatte 2014 erste Maßnahmen erlassen. Daraufhin platzte etwa die geplante 55-Milliarden-Dollar-Fusion zwischen Shire und AbbVie.

Mega-Fusionen: Mit einem Wert von 150 Milliarden Dollar ist wäre Übernahme von Allergan die drittgrößte der Geschichte geworden.

Pharma-Fusionen

Mit dem Zusammenschluss wären nicht nur Viagra und Botox, sondern eine Reihe weit verbreiteter Schmerzmittel, Alzheimer-Präparate, Blutfettsenker und Augenarzneien unter ein Dach gekommen. Der Pharmagigant hätte jährlich Umsätze von mehr als 60 Milliarden Dollar erzielt und Novartis (ISIN CH0012005267) aus der Schweiz vom Spitzenplatz des weltgrößten Herstellers verschreibungspflichtiger Medikamente verdrängt.

Der weltgrößte Pharma-Konzern Novartis durchlebt an der Börse eine schwere Phase. Seit dem Sommer ist der Aktienkurs um 30 Prozent gefallen.

Die Pharmabranche ist seit längerem im Übernahmefieber. Unter anderem heizen hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente die Fusionswelle an. Erst im Juli 2015 hatte der weltgrößte Generika-Anbieter Teva angekündigt, für 40,5 Milliarden Dollar Medikamente von Allergan zu kaufen. Pfizer selbst ist zwar groß, aber in der Defensive: Seit einiger Zeit schon haben die Amerikaner in der Arzneiforschung keinen wirklichen Kassenschlager mehr hervorgebracht. Die letzte gelungene Übernahme war die des US-Rivalen Hospira für 15 Milliarden Dollar.

Welche Schlüsse können Aktionäre aus dem geplatzten Deal ziehen? Monika Rosen dazu: "Tatsache ist auch, dass der Preis, den Pfizer für Allergan hätte zahlen wollen, als reichlich hoch betrachtet wurde. Das mag erklären, warum viele Analysten den geplatzten Deal mit einer Kaufempfehlung für Pfizer quittiert haben."

Rosen schätzt Pfizer dennoch als kritisch ein. Das Unternehmen habe jetzt immer noch das Problem, die etwas in die Jahre gekommene Medikamenten-Pipeline aufzufrischen. Da hätte Botox (Top-Produkt von Allergan) exzellent dazu gepasst. Rosen: "Pfizer muss sich zu seinen neuen Plänen erst erklären, in der Vergangenheit wurde des Öfteren von der Möglichkeit gesprochen, Pfizer könnte sich aufsplitten. Ein Teil würde neue Medikamente entwickeln, der andere die bestehenden vermarkten."

Andreas Lasser-Klein, Sprecher der Geschäftsführung der Kepler Fondsgesellschaft.

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Uli Krämer, (2. v. r., sitzend), Leiter des Kepler-Portfoliomanagaments, mit einem Teil des Teams im Trading-Room der Fondsgesellschaft.

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