Pensionen: Banken wappnen sich vor Ansturm zu Monatsbeginn

Kaum etwas ist so sicher, wie der Andrang am Monatsbeginn in den Bank- und Postfilialen. Tausende Pensionisten und Arbeitslose beheben in dieser Zeit ihr Geld. Nun versuchen die Institute aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr durch hohe Kundenfrequenz diesem Problem mit unterschiedlichen Maßnahmen Herr zu werden.

Pensionen: Banken wappnen sich vor Ansturm zu Monatsbeginn

Für viele Pensionisten ist wichtig, die monatliche Pension vom Konto zu beheben, am liebsten gleich am Monatsersten.

Es ist ein Ritual, das sich seit Jahrzehnten am Monatsbeginn wiederholt. Tausende Pensionisten strömen in den Banken und Postämter des Landes. Sie sind da, um ihre Pension zu beheben. Nicht selten gleich die ganze Summe. Mit dem Geld werden, gleich direkt am Schalter oder am Selbstbedienungsautomat, laufende Kosten wie Miete, Strom und Heizung überwiesen. Der Rest kommt unter die Matratze oder im besten Fall in den hauseigenen Safe.

An gewöhnlichen Monatsersten wird dieses Verhalten höchstens belächelt, - da eine echte Notwendigkeit vielfach nicht besteht - jetzt in der Corona-Krise wird es aber zum Problem. Wie Menschenansammlungen, speziell älterer, in den Bank- und Post-Foyes und vor den Schaltern vermeiden, ist Abstandhalten seit dem Ausbruch von COVID-19 doch oberste Bürgerpflicht, gerade für die Risikogruppe Pensionist. Wie aber den Andrang koordinieren?

Nicht gleich am Monatsersten Geld beheben
Es sind schließlich ein paar 100.000e, die jedes Monat, viele davon gleich am jeweils Monatsersten, in die Filialen drängen, um ihre Pension zu beheben. So bitten etwa Raiffeisen, Bank Austria, die Bawag PSK oder die Erste Bank und Sparkassen den Kundenantrang der betagte Kundschaft per Briefe und Online-Informationen zu koordinieren. Peter Bosek, Chef der Erste Bank etwa in einem Schreiben an die Betroffenen: „Wer den Weg in die Bankfiliale beschreitet, sollte diese nicht an den hochfrequentierten Tagen wie etwa am 1. des Monats tut. An solchen Tagen besteht eine erhöhte Kundenfrequenz und dadurch steigt auch das Ansteckungsrisiko“, warnt etwa

Vorher Termin vereinbaren
So raten etwa Bank Austria, Erste Bank und zahlreiche andere Institute vorher telefonisch oder, wenn möglich, per Mail Kontakt mit ihrem Kundenberater zu suchen und zur jeweils vereinbarten Zeit das Geld zu beheben. Ob die wohlgemeinten Ratschläge gelesen und bedacht werden, bleibt bis die Pforten der Banken ab dem ersten April öffnen, ungewiss.

90.000 Pensionisten kriegen Rente kontaktlos vom Postboten
All diese Sorge und Maßnahmen, obwohl nur ein Bruchteil der Pensionsbezieher die Rente nicht auf ihr Konto überwiesen bekommt und das Geld am Schalter beheben muss. Um den Kundenstrom besser zu steuern, wurde für die Postfilialen Sicherheitspersonal eingestellt. Ziel ist es, dass sich nicht mehr als drei Kunden gleichzeitig in der Filiale aufhalten. Die Schalter der Post wurden zudem mit Plexiglastrennwänden versehen. In Wien werden Pensionisten zudem verständigt, wenn sie ihr Geld in einer Post-Filiale abholen können.

Korridorzeiten für Risikogruppen
Die Erste Bank und Sparkassen führen für Risikogruppen, wie Pensionisten, ab 2. April eine neue Maßnahme ein: Täglich zwischen neun und zehn Uhr sollen nur noch Menschen aus Risikogruppen Bankgeschäfte erledigen. „In so einer Ausnahmesituation müssen wir für Risikogruppen die täglichen Erledigungen so einfach und so sicher wie möglich machen.“

Bank Austria mit CVID-Hotline und Hilfe bei Alternativen zu Filialbesuch
„Viele Kunden überweisen zu Monatsbeginn Mieten, Strom oder Versicherungsraten am Schalter“, erläutert Mauro Maschio, Vorstand Privatkundenbank der UniCredit Bank Austria. Nicht wenige Pensionisten verfügen nicht einmal eine Bankomatkarte. Dabei kostet diese selten etwas extra: „Die ist im Kontopaket inkludiert“, so Maschio. Auch auf Daueraufträge oder Einzugsermächtigungen wird vielfach verzichtet.

Die Bank Austria etwa versucht nun, um Ansteckungen durch COVID-19 zu vermeiden, Kunden verstärkt mit telefonischer Beratung zur Seite stehen. „Das gab es zwar schon bisher, aber wir haben in dieser Ausnahmesituation eine UniCredit COVID Hotline unter der Telefonnummer 050505-26440 eingerichtet und beantworten so die wesentlichsten oder dringendsten aktuellen Fragen“, so Maschio gegenüber dem trend. Eine gute Übersicht über alle Alternativen zum Filialbesuch finden sich etwa auf der Seite der Bank Austria. So soll etwa bei Fragen die, die Bezahlung per Karte als auch Einrichten von Abschöpfungs- und Daueraufträge und Onlinebanking geholfen werden. Bisher verzichten viele Pensionisten auf solche Möglichkeiten.

Unbürokratischer als bisher zum Onlinekonto
Auch die Eröffnung eines Onlinekontos will etwa die Bank Austria ihren Kunden in der aktuellen Situation erleichtern. „Seit vergangener Woche können Bestandskunden Internetbanking über unsere neue Homebanking Seite online aktivieren. Dafür ist kein Besuch in der Filiale mehr erforderlich. Neukunden können ein Konto inklusive Internetbanking unkompliziert von zuhause aus eröffnen“, so Bank Austria Boss Maschio. Der Zugang zum Internetbanking kann dann freigeschaltet werden, sobald die Post die Verfügerdaten zugestellt hat, im Schnitt ein paar Tage nach der Eröffnung des Onlinekontos.

Vollmacht ohne Notar für jene, die im selben Haushalt leben möglich
Pensionisten, die derzeit lieber nicht selber ihre Rente holen können oder wollen, können einen Bevollmächtigen schicken. Erstmals dürfen nun, aufgrund der Corona-Krise, auch solche ohne notarielle Beglaubigung zu einem sogenannten Ersatzempfänger für die Pension werden. Vorausgesetzt der betreffende lebt im Haushalt, ist mündig, kann sich ausweisen und bringt bei der Behebung eine vom Pensionisten erstellte Vollmacht aus. Lebt der Ersatzempfänger nicht im selben Haushalt, ist weiterhin eine notariell beglaubigte Vollmacht nötig. Die strengen Hygienemaßnahmen zwischen Überbringer und Empfänger sollten dennoch nicht außer Acht gelassen werden. Bundeskanzler Sebastian Kurz: „Es ist nichts gewonnen, wenn das Geld trotzdem direkt übergeben wird. Es muss auf die Türmatte gelegt werden oder auf eine andere Weise auf Distanz übernommen werden.“

Erlaubte Behebung von Ersatzempfängern verdoppelt
Bisher durfte ein solcher Ersatzempfänger höchstens 1.500 Euro im Monat beheben, nun wurde für die Zeit der Krise diese Grenzen auf 3.000 Euro angehoben. Das selbe Prozedere gilt auch für all jene, die ihr Arbeitslosengeld am Postschalter beziehen müssen.

Kontaktlose Übergabe
Am Land ist dieser Aufwand der Post nicht nötig. Da wird die Pension, sofern sie nicht auf das Konto überwiesen wird, per Post zugestellt. „In den Bundesländern bringt für rund 90.000 Pensionisten der Postbote die Rente“, erläutert Markus Leitgeb, Sprecher der Post. In Wien wird das aus Sorge, um die Sicherheit der Postposten nicht gemacht. Um einen möglichen Ansteckungsmöglichkeit zu vermeiden, wurden aber auch am Land die Hygienemaßnahmen verschärft. „Wir bieten nun eine kontaktlose Zustellung“, so Post-Sprecher Leitgeb. Die Übergabe erfolgt in einem Kuvert, das in sicherem Abstand hingelegt wird, quittiert wird die Übernahme nicht mehr mit dem Stift des Postboten, sondern mit dem eigenen.“

Betrüger versuchen Shutdown auszunutzen
Dennoch sollten vor allem auch ältere Menschen auf der Hut sein. Gerade in der Krise blüht der Betrug. So warnt etwa die Erste Bank und Sparkassen ihre Kunden in einem Rundschreiben: „ Angreifer verwenden die Coronavirus Krise als Vorwand für kriminelle Handlungen. Bitte vergewissern Sie sich, dass dieses externe Email legitim ist und von einer vertrauenswürdigen Quelle stammt.“ Der Rat: Im Zweifelsfall klicken Sie auf keine Links oder Anhänge. Um Behörden auf einen solchen Angriff aufmerksam zu machen, können solche Mails von Betrügern als Anhang an circ <AT> s-itsolutions.at weitergeleitet werden. Innenminister Karl Nehammer warnt etwa vor Phisingmails, in denen versucht wird Bankkunden, durch externe Mails, um ihr Geld zu prellen. Banken dürfen jedoch online nur Nachrichten innerhalb des Onlinebank-Zugangs verschicken. „Bei Verdacht nehmen Sie Verbindung mit ihrer Bank auf. Seien Sie Wachsam, um gemeinsam für mehr Sicherheit zu sorgen“, rät Nehammer.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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