"Pensionen um 20 Prozent niedriger als zum Start der Pensionsreform"

"Pensionen um 20 Prozent niedriger als zum Start der Pensionsreform"

Das Risiko, dass bei Pensionsantritt nicht viel Geld am Konto ist, steigt von Jahr zu Jahr.

Die Pensionsreform 2004 hat massive Veränderungen für alle noch Berufstätigen gebracht. Jetzt schon bekommen Neupensionisten um rund 20 Prozent weniger Pension. Clemens Fuest, Präsident des deutschen ifo-Instituts und IHS- Direktor Martin Kocher erklären, was künftige Pensionisten tun sollten, um ihren Lebensstandard abzusichern und welche Maßnahmen der Staat setzen sollte, um die Finanzierbarkeit des Pensionssystems zu erhalten.

Die Finanzierbarkeit der Pensionen war einer der Themen des Herbstdialogs zum Thema Altersvorsorge in Wien. Zwei prominente Redner, Clemens Fuest, Präsident des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) und Martin Kocher, Wissenschaftlicher Direktor des IHS- Institut für Höhere Studien, warnten vor den Auswirkungen der sinkenden Geburtenrate in Österreich.

Die Wissenschaftler führten aber auch Lösungsansätze an, wie man im Alter trotzdem noch genug Geld haben kann und wie das staatliche System nicht ins Wanken gerät. Nachfolgend finden Sie ihre Empfehlungen.


Wie Pensionen gesichert werden können

1. Sparquote erhöhen

„Das System, dass die arbeitende Bevölkerung für die Pensionisten zahlt, kann nicht mehr funktionieren, wenn die nächste Generation immer kleiner wird“, warnt ifo-Boss Fuest. Das staatliche österreichische Pensionssystem werde deshalb weniger leisten können und Zahlungen zurückschrauben müssen.

Sparquote der Österreicher hat sich seit 2008 halbiert

Die einzige Absicherung die Fuest gegen dieses Dilemma sieht heißt: "Ansparen". Doch obwohl die Sparquote der Österreicher noch leicht über dem europäischen Durchschnitt liegt, ist diese angesichts der niedrigen Zinsen zu gering, um die Verluste der künftigen Pension ausgleichen zu können. Nach Angaben der Statistik Austria hat sich die Sparrate der Österreicher seit dem Krisenjahr 2008 sogar halbiert und liegt derzeit bei 6,4 Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte. „Da die Zinsen so niedrig sind, muss immer mehr gespart werden, vom Staat, aber auch von den Menschen selbst“, mahnt der ifo-Chef. Die einzigen wirklich fleißigen Sparer in der EU sind die Schweizer und mit einem deutlichen Abstand die Deutschen. Die Schweizer haben ihre Sparquote seit der Krise sogar noch einmal kräftig erhöht und sparen derzeit 18 Prozent ihres verfügbaren Einkommens.

In den Industrieländern liegen Ersparnisse laut den Erhebungen des ifo-Instituts jedoch noch immer unter den Sparraten vor dem Ausbruch der Finanzkrise. 2009 sanken die Ersparnisse auf 19 Prozent des BIP. Nie zuvor wurde weniger gespart als in dieser Schwächephase. Noch um die Jahrtausendwende wurden in den Industrieländern lagen die Ersparnisse bei 24 Prozent des BIP, derzeit knapp 18 Prozent.

Trotz der für künftige Pensionen kritischen Situation erwartet das ifo-Institut zumindest bis 2023 keine steigende Sparrate der Bevölkerung. Auch kein gutes Zeichen: Die Investitionen in den Industrieländern sinken seit dem Jahr 1987 und dürften laut dem Weltwährungsfonds bis 2023 weiter kontinuierlich sinken (siehe Grafik).

Gefährlicher Cocktail für Pensionen: Anhaltend niedrige Ersparnisse, sinkende Investitionen in den Industrieländern. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

2. Staatsverschuldung gering halten

Nicht nur die künftigen Pensionsbezieher, sondern auch der Staat sei gefordert, die Finanzen ins Reine zu bringen. „Ein Staat, der mit einer alternden und gleichzeitig auch schrumpfenden Bevölkerung kämpft (Anm.: gemeint ist die Erwerbsbevölkerung ), sollte keine hohe Schulden haben", mahnt der ifo-Wissenschaftler. Besonders essentiell sei daher, dass der Staat keine hohen Schulden anhäuft.

Die angesprochene demographische Entwicklung zeigt sich auch an der Bevölkerungsprognose der Statistik Austria. Ihr zufolge wird der Anteil der Erwerbsbevölkerung (20 - 64 Jahre) von 2017 bis 2030 von 61,9 Prozent auf 57,3 Prozent sinken und der Anteil der Pensionisten (65 Jahre und älter) im gleichen Zeitraum von 18,6 Prozent auf 23 Prozent steigen (siehe Tabelle).

Bevölkerungsentwicklung in Österreich; für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung

Bevölkerungsentwicklung in Österreich; für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung

3. Ausgleich für sinkende Pensionen

Neu-Pensionen sind heute schon heute zwischen 15 und 20 Prozent niedriger als noch zum Start der Pensionsreform 2004 - und das obwohl die von ihnen in die Pensionsversicherung geleisteten Beitragszahlungen, aufgrund höherer Gehälter, höher sind als die älterer Pensionisten. Der Grund: Von 2004 bis 2017 wird der Bemessungszeitraum für Pensionen in 12-Monatsschritten auf 480 Beitragsmonate ausgedehnt.

Ab dem Jahr 2028 errechnet sich die Pensionsbemessungsgrundlage an der Höchstbeitragsdauer von 480 Beitragsmonaten. (Eine Übersicht über die Verlängerung des Bemessungszeitraums zur Berechnung Ihrer eigenen Pension bis 2028 finden Sie hier.

Um den Lebensstandard in der Pension erhalten zu können, gilt es diese Differenz zu kompensieren. „Mit jedem Jahr des Zuwartens wird der Kreis der betroffenen Personen größer und Reformen werden erschwert“, warnt IHS-Direktor Kocher in Richtung der Politik.

4. Prämien und Steuererleichterungen für Altersvorsorge

Ein erklecklicher Teil der österreichischen Sozialausgaben entfällt auf Pensionszuschüsse. Und die Ausgaben steigen jährlich weiter. Im Budgetbericht 2018/2019 sind nach 13,822 Milliarden Euro im Jahr 2017 für 2018 bereits 14,356 Milliarden Euro und für nächstes Jahr 15,421 Milliarden Euro eingeplant (siehe Tabelle).

Staatliche Pensionszuschüsse in Österreich (Quelle: Budgetbericht 2018/2019). Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Staatliche Pensionszuschüsse in Österreich (Quelle: Budgetbericht 2018/2019). Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

IHS-Direktor Kocher warnt, dass die Belastungen des Staatshaushalts für die Pensionen aufgrund der sinkenden Geburtenrate und der sich daraus ergebenden geringeren Zahl der Beitragsleistenden weiter steigen werden. "Auch wenn sie nur rund zwei Prozent zusätzlich beträgt ist das nicht empfehlenswert", warnt Kocher. Der IHS-Chef fordert daher die Aufwertung der betrieblichen Altersvorsorge. Für Geringverdiener sollte es dabei Prämien, für alle anderen Arbeitnehmer Steuererleichterungen geben. Darüber hinaus sollte ein flexibleres Pensionsantrittsalter eingeführt werden.

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