Osteuropa-Börsen: Kein Ende der Rallye in Sicht

Osteuropa-Börsen: Kein Ende der Rallye in Sicht

Russland regt wieder die Kursphantasie der Anleger an. Das Land schaffte heuer den Sprung aus der Rezession, es profitiert vom steigenden Ölpreis, der Währungsschock weitgehend verdaut. Konsumenten dürften 2017 wieder mehr kaufen.

Der Aktienmarkt in Osteuropa zählte 2017 zu jenen mit den höchsten Kurszuwächsen weltweit. Warum der Kursaufschwung weitergehen dürfte und wie Sie am besten davon profitieren.

Alle reden über Europa und die USA. Doch die Musik spielte 2016 für Anleger anderswo, etwa in Osteuropa. Selbst im Vergleich zur Entwicklung in den Schwellenländern insgesamt, hat Osteuropa ordentlich an Performance abgeräumt. Während sich Anleger beim breiten Aktienindex für Schwellenländer, dem MSCI Emerging Markets auf Eurobasis heuer mit knapp acht Prozent Rendite zufrieden geben mussten, lag der Lohn der Angst beim MSCI Osteuropa, bei knapp 23 Prozent. Und das nach dem die Aktienkurse im Osten bereits ein Jahr zuvor deutlich Meter gemacht haben.

Doch hält der Aufschwung an den Börsen an? Sollten Anleger noch auf den Zug aufspringen?

Die Chancen auf weitere Kursgewinne stehen gut, wenn Experten nach den zuletzt stark Kursanstiegen, auch kurzfristig mit einem Rücksetzer rechnen. Die Bewertung des Aktienindex MSCI Osteuropa ist aber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von acht Prozent dennoch niedrig. Der breite MSCI-Emerging-Market-Index ist mit knapp 14 Prozent deutlich höher bewertet. Zieht die Konjunktur im Westen, wie prognostiziert, weiter an, sollte Osteuropa überproportional davon profitieren. „Die Börsen in Osteuropa bilden einen Hebel gegenüber der konjunkturellen Entwicklung in Europa und weltweit“, erläutert Angelika Millendorfer, Managerin des Raiffeisen Osteuropa Aktienfonds (ISIN : AT0000805460), gegenüber trend.at Der Osteuropa-Fonds, über viele Jahre einer der Top-Fonds dieser Anlagekategorie, hat seit Jahresanfang eine Rendite von 24,5 Prozent erzielt. Im Schnitt werden diese Länder nach Einschätzung der Managerin zwischen drei und vier Prozent pro Jahr wachsen. Dieses hohe Wachstumstempo dürfte die nächsten fünf Jahre anhalten. In dessen Gefolge ziehen auch die Unternehmensgewinne im Osten bereits wieder merklich an.

Wie günstig die Märkte sind, zeigt auch ein Blick auf die Entwicklung der Osteuropa-Fonds in den vergangenen drei Jahren. Der Schroder Emerging Markets (ISIN: LU0106824443), der in Bezug auf die Performance beste Fonds auf 3-Jahressicht, hat pro Jahr nur einen Ertrag von 4,5 Prozent erzielt.

Rumänien: Aufgehende Stern im Osten

Favorit für hohe Wachstumsraten und kräftige Kursanstiege ist Rumänien. Das Land, das heuer ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent erzielte, soll in den nächsten Jahren in fast ähnlich hohem Tempo weiter wachsen. Drei, bis vier Prozent sollen in jedem Fall drinnen sein. „Das Land ist stark mit der Wirtschaft im Westen verflochten. Legt die Wirtschaft in diesen Ländern zu, kann Rumänien mit Kostenvorteilen wie niedrigen Lohnkosten besonders stark punkten“, argumentiert Millendorfer. Zudem haben die Unternehmen einen starken Restrukturierungsprozess hinter sich und „sind nun modern aufgestellt“, argumentiert Millendorfer. Die Menschen seien im Schnitt gut ausgebildet und die Wirtschaft beginnt von den zuletzt umgesetzten Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption zu profitieren.

Der ROTX, der Aktienindex in Rumänien, konnte davon allerdings noch nicht nennenswert profitieren. Seit Jahresanfang lag der Kurszuwachs bei 3,7 Prozent, in den vergangenen drei Jahren bei insgesamt 10,4 Prozent. Der Aktienmarkt ist jedoch relativ klein und mit nur einer Handvoll relevanter Blue Chips bestückt. Doch das könnte sich ändern. Millendorfer rechnet damit, dass in nächster Zeit mehrere Börsengänge den Markt beleben werden und der Aktienindex im wichtigen MSCI-Weltaktienindex ein stärkeres Gewicht bekommen dürfte – was wiederum die Kurse steigen lassen sollte.

Börse Russland: Mehr als 30 Prozent Kursgewinn in einem Jahr

Börsen-Highflyer Russland, der in den vergangenen zwölf Monaten, Anlegern eine Rendite von rund 31 Prozent gebracht hat, steht bei Raiffeisen-Fondsmanagerin Millendorfer weiter hoch im Kurs. Nach zwei Jahren Rezession keimt die zarte Hoffnung auf neues Wachstum im kommenden Jahr. Die Wirtschaft des Landes hat sich an den Verfall der Energiepreise größtenteils angepasst und profitiert nun vom Anstieg des Ölpreises. Der Währungsschock vom Dezember 2014 ist weitgehend verdaut. Die Inflation geht deutlich zurück. Für 2017 prognostiziert Raiffeisen bereits wieder ein Wachstum von ein bis zwei Prozent. „Der Aufschwung steht auf gutem Fundament“, sagt Millendorfer. Experten glauben, dass Russlands Wirtschaft sogar ein Wachstumspotenzial von jährlich 3,5 bis vier Prozent hat. Ob es dieses Potential auch ausschöpfen kann, wird sich zeigen. Im Gefolge des gestiegenen Rubel und des höheren Ölpreises sollten jedoch nicht nur die Energieschwergewichte an der Börse weiter an Wert zulegen, sondern auch Konsumtitel. So ging der Konsum innerhalb von zwei Jahren um 15 Prozent zurück, Investitionen um zehn Prozent. Diese beiden Größen der Binnennachfrage bieten nun das größte Wachstumspotenzial für die nächste Zeit. Ein weiterer positiver Faktor, der Russlands Wirtschaft positiv beeinflussen kann, ist die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten. Trump könne nämlich die Russland-Sanktionen lockern oder aufheben und damit neue Wachstumsperspektiven eröffnen.

Polen: Erleichterungsrallye erwartet

Polen könnte ähnlich wie Russland die schwierigen Jahre hinter sich haben. In Polen waren es jedoch weniger wirtschaftliche Daten die dem Land zu schaffen machten, als die umstrittene Politik der neuen Regierung und Spannungen mit Brüssel. Diese haben dazu geführt, dass Rating-Agenturen die Bonität des Landes herabgestuft haben. „Doch die von der Regierung geplanten Maßnahmen werden weniger drastisch ausfallen als befürchtet", so Millendorfer. So werden die Reformvorschläge für die staatlichen Pensionskassen nicht so negativ sein, wie befürchtet, glaubt die Fondsmanagerin. Die ursprünglich befürchtete steigende Bedrohung durch eine hohe Verschuldung Privater und Firmen in Schweizer Franken scheint ebenfalls sich in Grenzen zu halten. „Insgesamt steht die Wirtschaft in Polen sehr gut da und die staatliche Verschuldung ist nicht hoch“, resümiert Millendorfer. Das sieht auch die DZ Bank ähnlich: "Polen hat in den vergangenen Jahren immer wieder die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Türkei-Titel mit Aufwärtspotential

Ein wichtiger Markt für Anleger dürfte auch die Türkei bleiben. Millendorfer hat die Türkei-Gewichtung in ihrem Osteuropa nach dem Putsch zwar zurückgefahren, sieht aber mittlerweile wieder Einstiegschancen. "Der Höhepunkt der Krise dürfte überschritten sein", glaubt Millendorfer. So setzt sie auf Bankaktien. „Diese verdienen nicht nur gutes Geld, sie sind auch billig." Hinzu kommt, dass sich das Wirtschaftswachstum zwar abgeschwächt hat, aber die Wirtschaft ist nach wie vor in gutem Zustand ist.

Bewährte Ost-Fonds fürs Portfolio

Selbst die richtigen Ostmärkte herauszufiltern und die wechselnden politischen und ökonomischen Bedingungen zu verfolgen, ist gerade bei Emerging Markets Ländern wie sie in Osteuropa zu finden sind, für Privatanleger kein leichtes Unterfangen. Mit Fonds ist man da schon deutlich besser aufgehoben. Der mit drei Sternen dekorierte Raiffeisen-Osteuropa-Aktien-Fonds hat zwar zuletzt schlechter abgeschnitten als der Durchschnitt der Fondskonkurrenten auf diesem Gebiet, aber der Fonds zählte lange Jahre zu den Spitzenprodukten in dem Bereich und Millendorfer ist eine ausgewiesene Expertin für osteuropäische Aktien.

Der Fünf-Sterne-Fonds Schroder Emerging Europe, der in diesem Jahr bisher 36,2 Prozent Ertrag erwirtschaftete, setzt stark auf Russland. Acht von zehn der am stärksten gewichteten Aktien stammen von der Börse Moskau. Ein Titel, die Abank, aus der Türkei und die OTP Bank aus Ungarn.

Die Nummer 3 auf Sicht von 3-Jahren ist der Invesco Emerging Europe, der Anlegern über diesen Zeitraum pro Jahr 4,2 Prozent Rendite brachte und in diesem Jahr ebenfalls etwas mehr als 36 Prozent. Der Fonds ist bei seinen Toppositionen ebenso voll mit Russland-Titel wie der Schroder Fonds.

Der BlackRock Emerging Europe (ISIN: LU0408221355) hat eine nicht gar so starke Russland-Wette laufen und hat bei seinen am stärksten gewichteten Papieren auch die Erste Bank, Polen und die Türkei im Depot. Der Fonds, der auf Value-Aktien, als auf stark unterbewertete Titel setzt, ist konservativer aufgestellt. Dürfte bei anziehenden Konjunktur jedoch nicht ganz so stark profitieren, dafür aber auch sich in Abwärtsphasen besser halten.

Bahram Sadighian, BlackRock, und Christoph Boschan, CEO Wiener Börse, bei der Präsentation des neuen ETF-Segments der Wiener Börse.

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