Open Banking: Wenn Ihre Bank mit Dritten spricht

Banken dürfen Kontodaten seit Jänner an Dritt-Unternehmen weitergeben, sofern der Kunde sein Einverständnis dazu gibt. Was die Konsumenten davon halten, was die Bestimmungen für die Banken bedeuten und welche neuen Möglichkeiten sich dadurch eröffnen.

Open Banking: Wenn Ihre Bank mit Dritten spricht

Stellen Sie sich vor, Ihre Bank, Ihr E-Mail-Anbieter oder Facebook leistet alle Zahlungen für Sie, optimiert selbstständig Ihren Stromtarif auf Basis Ihres Verbrauchs oder schließt - ebenfalls automatisch - vor jedem Urlaub eine Reiseversicherung ab. Seit Anfang dieses Jahres ist dies durch die neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie „PSD2 Open Bank-Richtlinie“ tatsächlich möglich. Das Ziel der EU-Kommission ist, damit mehr Wettbewerb in den europäischen Zahlungsverkehrsmarkt zu bringen.

Erreicht werden soll das, indem über digitale Schnittstellen - sogenannte APIs (Application Programming Interfaces) - die Informationen über die bei den Banken geführten Konten auch Drittunternehmen (Nichtbanken) zur Verfügung gestellt werden, damit neue Anbieter am Markt neue und innovative Produkte entwickeln können. Finanzdienstleistern, Start-ups und FinTechs bieten sich dadurch neue Möglichkeiten. Aber auch etablierten Finanzinstituten oder E-Commerce-Giganten wie Amazon.

Neue Zahlungsrichtlinie beendet das Monopol der Banken über die Kontodaten

Obwohl den meisten die neue Bankenrichtlinie noch unbekannt ist, hat sie EU-weit Auswirkungen auf mehr als eine Milliarde Bankkonten: Die Zahlungsrichtlinie beendet das Monopol der Banken über die Kontodaten ihrer Kunden. Diese sind nun gezwungen, die entsprechenden Informationen mit Zustimmung der Kontoinhaber kostenlos an Dritte weiterzugeben.

Echtzeitzahlungen direkt auf das Konto von Amazon & Co

Die neue Richtlinie stellt auch den Rahmen für Echtzeitzahlungen im Online-Handel. So ist damit erstmals erlaubt, dass Geld, beispielsweise direkt von Amazon, vom eigenen Konto abgebucht wird. Amazon hätte - einmal die Erlaubnis erhalten - , ständig Zugang zum eigenen Konto. Noch muss sich Amazon damit zufrieden geben, dass die Zahlung erst nach der Lieferung erfolgt. Bei Echtzeitzahlungen hingegen wird der Kaufpreis sofort übertragen. Banken, die bisher für dieses Service eine Gebühr verlangt haben, dürften aufgrund dieser Echtzeitzahlungen um Einnahmen umfallen. Experten schätzen, dass Banken bis zu 40 Prozent an Einnahmen verloren gehen könnten.

Bank könnte automatisch Steuern und Sozialleistungen ihrer Kunden zahlen

Doch wie stehen die Kunden dazu, ihre persönlichen Kontodaten einem Dritten, wie etwa Amazon, zugänglich zu machen? Die Berater von A.T. Kearney haben die Chancen der Banken ausgelotet und dazu 20.000 Konsumenten in Europa und den USA befragt, davon 500 in Österreich. Das Fazit: Überzeugen Service und Mehrwert, dann sind Kunden bereit, ihre Finanzdaten mit Dritten zu teilen. Studienautorin Daniela Chikova, Partnerin bei A.T. Kearney: „41 Prozent der Österreicher würden ihre Finanzdaten mit einem Drittanbieter teilen, wenn so ihre Steuern oder Sozialleistungen automatisch verwaltet werden könnten. Jeder dritte Befragte ist auch daran interessiert, seine Versorgungszahlungen (Gas-, Strom-, aber auch Mobilfunkrechnungen) auf diesem Weg zu optimieren.

Hausbank im Wettstreit um Services mit Drittanbietern

Wer also den Stromanbieter, Versicherer oder Netzbetreiber wechseln möchte, könnte bald auf Vergleichsplattformen wie Durchblicker & Co. verzichten, da die Internetpräsenz nicht nur von Dritten sondern auch von der Hausbank selbst übernommen werden könnte oder die sogar aktiv die besten Tarife und Konditionen anbietet.

18 Prozent der Österreicher würden Open Banking erlauben

Ob Open Banking zur Erfolgsgeschichte wird, hängt in erster Linie vom Vertrauen der Konsumenten ab - und dafür wird erwartet, dass Daten sicher sind und ernsthaft geschützt werden. Die Österreicher sind hier besonders skeptisch. Nur 24 Prozent der Befragten wären der A.T. Kearney Analyse zufolge bereit, Dritten einen Zugriff zu gewähren. In Osteuropa sind die Bedenken in Bezug auf Datenschutz deutlich geringer. 44 Prozent der Kroaten und 39 Prozent der Italiener beantworteten diese Frage positiv. Für 34 Prozent der Österreicher ist die Sicherheit das wichtigste Kriterium, 18 Prozent würden Open Banking aus Gründen Bequemlichkeit erlauben.

Nur 14 Prozent vertrauen Internetriesen wie Amazon

Derzeit hat die Hausbank im Kampf um die Kunden gute Karten. 78 Prozent der österreichischen Konsumenten vertrauen am meisten ihrer Hausbank. Im Gegensatz dazu sind Internetriesen wie Amazon und Google mit 14 Prozent weit abgeschlagen. Dazu kommt, dass die Österreicher kaum Lust auf einen Wechsel der Bank aufweisen. Nur 12 Prozent spielen sich mit dem Gedanken, die Hausbank zu wechseln, der europäische Durchschnitt liegt bei 21 Prozent.

58 Prozent der Europäer nutzen Paypal

"Auf ihren Vertrauens-Lorbeeren sollten sich die Banken trotzdem nicht ausruhen, denn mit Paypal ist noch ein Internet-Player im Rennen", so der zweite Studienautor Achim Kaucic bei A.T. Kearney. 58 Prozent der Europäer setzen bei Online-Transaktionen auf Paypal. "Der Grund dafür ist, dass PayPal nicht nur bequem, sondern nachweislich auch sicher ist“, so Kaucic.

Kommt die „Bank of Amazon“?

Für Internetriesen ist Open Banking jedenfalls eine Option, ermöglicht es ihnen doch, eigene Finanzdienstleistungen zu erweitern. Amazon verfügt über eine hohe Anzahl an Kundendaten. In Zusammenarbeit mit Visa bietet Amazon schon heute eine Kreditkarte an. Über Amazon Cash können Kunden auch Bargeld auf ihr Amazon-Konto laden, und ist in Gesprächen mit US-Großbanken, um eine Art Girokonto für junge Kunden zu entwickeln. „Längerfristig macht derjenige das Rennen, der es schafft, positive Kundenerfahrung, Datenanalysefähigkeit, Agilität und starke Marken miteinander zu verschmelzen“, so Chikova.

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