OMV-Chef Seele: "Cash und Kosten" gegen die Krise

OMV-Chef Seele: "Cash und Kosten" gegen die Krise

OMV-Chef Rainer Seele kämpft gegen schrumpfende Margen.

Beim österreichischen Mineralölkonzern OMV ist der Umsatz um ein Drittel, der Gewinn sogar fast um die Hälfte eingebrochen. Greenpeace sieht bereits den wirtschaftlichen Untergang der OMV. OMV-Chef Seele will mit Blick auf "Cash und Kosten" die Rückgänge in Griff bekommen, die auf den Ölpreisverfall zurückzuführen seien. Der Ölpreis ist im ersten Quartal um 37 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Die Investitionen wurden massiv zurückgefahren.

Wien. Ein katastrophales Quartalsergebnis hat die OMV präsentiert, was zuletzt aber auch erwartet wurde. Der Öl- und Gaskonzern OMV hat im ersten Quartal 2016 wie erwartet einen starken Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Analysten hatten aber ein noch größeres Desaster prognostiziert. Der Umsatz sank gegenüber dem Vergleichsquartal 2015 um 31 Prozent auf 3,991 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 79 Prozent auf 48 Mio. Euro, wie die OMV am Mittwoch ad hoc bekannt gab.

Die von der APA befragten Analysten hatten im Durchschnitt sogar mit einem operativen Verlust gerechnet. Auch der Rückgang des Nettogewinns (den Aktionären zuzurechnender Periodenüberschuss) um 42 Prozent auf 95 Mio. Euro fiel glimpflicher aus als befürchtet - die Analystenschätzungen lagen bei einem Minus von 77 Prozent.

Der Umsatzrückgang sei vor allem auf geringere Downstream-Umsätze (Raffinerien, Tankstellen) zurückzuführen. Die weiter gesunkenen Raffineriemargen haben der OMV zu schaffen gemacht, teils konnte dies jedoch durch die niedrigen Ölpreise ausgeglichen werden.

Das um Lagereffekte bereinigte CCS EBIT vor Sondereffekten, eine für die Branche wichtige Kennzahl, sank von 333 Millionen Euro im 1. Quartal 2015 auf rund die Hälfte von 167 Mio. Euro im 1. Quartal 2016. Die gesunkenen Öl- und Gaspreise hätten das Upstream-Ergebnis gedrückt, heißt es zur Erläuterung. Bei der Rumänien-Tochter Petrom verschlechterte sich die gleiche Kennzahl von 133 auf 92 Mio. Euro. Zum Konzern-EBIT von 48 Mio. Euro (Q1 2016: 228 Mio. Euro) trug die Petrom 77 Mio. Euro (-30 Prozent) bei.

Netto-Sondereffekte von -15 Mio. Euro - vor allem eine weitere Rückstellung für die Gate-LNG-Verbindlichkeit und die damit verbundenen Transportverpflichtungen - wurden im ersten Quartal verbucht. Die negativen Lagereffekte (CCS-Effekte) auf Grund des Rückgangs der Ölpreise machten 104 Mio. Euro aus.

Der den Aktionären zuzurechnende CCS Periodenüberschuss vor Sondereffekten betrug 174 Mio. Euro (nach 237 Mio. Euro). Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,29 Euro (nach 0,50 Euro).

Cash und Kosten

Das Jahr 2016 habe mit einem weiteren starken Rückgang der Ölpreise und außergewöhnlich niedrigen Gaspreisen begonnen, erklärte OMV-Chef Rainer Seele am Mittwoch, "in diesem Umfeld konzentrieren wir uns, wie in unserer Strategie beschrieben, vorrangig auf Cash und Kosten".

Der durchschnittliche Brent-Ölpreis sei im ersten Quartal mit 34 Dollar (29,89 Euro) pro Fass um 37 Prozent niedriger gewesen als vor einem Jahr. Die OMV hat ihre Investitionen um 34 Prozent reduziert, die Explorationsausgaben um 24 Prozent und die Produktionskosten um 13 Prozent pro boe (Barrel Öl-Äquivalent). Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit stieg um 43 Prozent auf 579 Mio. Euro

Für das Gesamtjahr 2016 erwartet die OMV, dass der Brent-Ölpreis im Jahresdurchschnitt bei rund 40 Dollar (35,17 Euro) pro Barrel liegen wird. Auch das Gas-Marktumfeld wird als "herausfordernd" erwartet. Die Raffineriemargen werden wegen der vorhandenen Überkapazitäten in Europa niedriger sein als 2015, und auch die Petrochemie-Margen dürften im Vergleich zum Vorjahr sinken.

Der Kurs der OMV-Aktie ist am Mittwoch abgesackt: Der Aktienkurs notierte bis Mittwochmittag um rund zwei Prozent tiefer.

Greenpeace: "OMV droht wirtschaftlicher Untergang"

Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace macht sich große Sorgen um die OMV: Nur der schrittweise Ausstieg aus der Öl- und Gasförderung könne die OMV vor dem wirtschaftlichen Untergang bewahren, warnen die Umweltschützer.

"Frühere Marktprognosen haben sich als falsch heraus gestellt. Die Ölpreise sind heuer bislang um fast zwei Drittel niedriger als vor drei Jahren und auch die Gas und Kohleimportpreise haben sich seit 2013 halbiert", betont der in Hamburg tätige Energiemarktexperte Steffen Bukold am Mittwoch in einer Greenpeace-Aussendung anlässlich eines Pressegesprächs der Organisation in Wien.

Die Ölbranche habe seit Beginn der Ölpreiskrise im Herbst 2014 Investitionen von 270 Mrd. Dollar (aktuell rund 237 Mrd. Euro) verschoben oder ganz gestrichen, erklärte Bukold. Im Jahr 2015 seien die Investitionen für die Suche und Förderung von Erdöl und Erdgas um 23 Prozent zurückgegangen. "Seit Januar 2015 sind schon 67 größere Öl- und Gas-Förderunternehmen in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert."

Diese Entwicklung könnte auch durch das Klimaabkommen von Paris verstärkt werden, meint der Strategieberater Georg Günsberg, der sich auf Energie- und Klimapolitik spezialisiert hat. Weltweit hätten deshalb rund 500 Institutionen ihr Kapital aus der "fossilen Branche" abgezogen.

"Die OMV braucht einen neuen Kurs, der mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens im Einklang ist", rät Greenpeace-Energiesprecher Adam Pawloff. "Wir wollen deutlich mehr Investitionen in erneuerbare Energie." "Hochrisiko-Bohrprojekte" wie jene in der Arktis, dürften nicht mehr Teil der Strategie sein.

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