Österreichische Aktien kaufen, bevor wieder Vernunft einkehrt

Ken Fisher - US-Investmentberater und Autor

Ken Fisher - Investmentberater und Autor

Nach der enttäuschenden Entwicklung im Jahr 2018 sehen die Chancen für die Wiener Börse nun wieder gut aus, meint Investor und Multimilliardär Ken Fisher.

DER ATX war 2018 einer der schwächsten Aktienmärkte weltweit. Aber lassen Sie sich davon nicht beirren! Was am tiefsten fällt, erholt sich zumeist am stärksten. Der Anstieg im Jänner lässt ein gutes Jahr für die österreichischen Aktien und die anderen europäischen Schlusslichter erwarten.

Dem in Euro umgerechneten MSCI-Länderindex zufolge erzielte Österreich im abgelaufenen Jahr die niedrigsten Renditen aller Industrieländer. In den Schwellenmärkten lagen nur drei darunter: Pakistan, Griechenland und Türkei.


Finanzwerte sind als Wirtschaftsmotor stark gefragt.

Ist das rational? Österreichs Wirtschaft wächst und ist wettbewerbsfähig. Über die EZB-Politik lässt sich streiten, aber sie ist eine zuverlässige, unabhängige Organisation. Die politischen und wirtschaftlichen Institutionen in Österreich sind beständig und kontrollieren sich gegenseitig.

Finanzwerte, mit circa 35 Prozent der Marktkapitalisierung größter Sektor im ATX (ISIN AT0000999982), sind als Wirtschaftsmotor auf dem europäischen Markt sehr gefragt. Im Q4 des Vorjahres stellte Österreichs BIP-Wachstum mit einem Plus von 0,7 Prozent den Rest Europas mit dessen mageren 0,2 Prozent in den Schatten. Stabile Haushaltsausgaben und langfristige Anlagen zeigen, dass die Nachfrage im Privatsektor gesund ist. Sollten diese Faktoren nicht globale Investoren anlocken?

Trotzdem lag Österreich hinter Südafrika, dessen Regierung gerade Privateigentum enteignet. Auch hinter dem von Terrorismus und Unruhen geplagten Ägypten. Ebenso Indien, wo ein geschätzter Zentralbankchef von der Regierung entlassen wurde. Und auch hinter China, dessen wirtschaftlicher Abschwung 2018 zu den großen Sorgen zählte. Selbst die ölabhängige, einseitige und unter US-Sanktionen leidende russische Wirtschaft lag vor den österreichischen Aktien. Erstaunlich!

DIESER WIDERSPRUCH ist der erste Hinweis darauf, dass der Ausverkauf 2018 übertrieben war. Letzten Monat erklärte ich, wie auf solche Ausverkäufe meist ein V-förmiger Anstieg folgt. Das bisherige Plus des ATX von 11,3 Prozent zwischen 27. Dezember und Ende Jänner scheint die rechte Seite dieses V zu sein. Doch es ist noch ein weiter Weg, um die Verluste des Vorjahres aufzuholen. Der Jänner schloss 16,8 Prozent unter dem Allzeithoch von Jänner 2018. Die weltweiten Aktien schlossen dagegen nur 6,2 Prozent unter ihrem Hoch vom 3. Oktober. Sie stiegen zwischen Ende Dezember und 31. Jänner um 12,1 Prozent und überflügelten damit österreichische Werte. Das zeigt viel ungenutztes Potenzial für Anleger, Österreichs Stärke auszuloten.

ATX, 5-Jahres-Entwicklung, Stand vom 22.März 2019. Für aktuelle Kursinformationen bitte auf den Chart klicken.

ATX, 5-Jahres-Entwicklung, Stand vom 22.März 2019. Für aktuelle Kursinformationen bitte auf den Chart klicken.

DIE MÄRKTE straften Österreich unfair für die Mitgliedschaft in der Eurozone. Die meisten Berichte über das Q4-BIP sorgten sich vor einer wachsenden italienischen Rezession. Dies traf nicht ein, auch wenn Italien dreimal kräftig Gegenwind hatte. Erstens die hohen Zinsen, die Unternehmenskrediten und langfristigen Anlagen schadeten.

Grund dafür: primär Angst. Die langfristigen Zinsen sind bereits zur Ruhe gekommen. Zweitens - wie in Deutschland -ein Rückgang in der Autoproduktion, die sich ebenfalls erholen wird. Denn: Es brauchte Zeit, bis sich die Autobauer auf die neuen EU-Abgaswerte eingestellt hatten. Drittens wirkt sich der Abschwung im chinesischen Privatsektor auf Europa und die Welt aus. Auch das sollte sich bessern, wenn die Maßnahmen Chinas zur steuerlichen und geldpolitischen Belebung greifen. Italien bewegt sich eher seitwärts und nicht nach unten.

Die europäischen und globalen Leitindizes sind allesamt positiv. Die Wirtschaft wächst. Jetzt ist die Zeit zu kaufen, während der ATX noch hinterherhinkt. Auch die Entwicklung anderer Schlusslichter wie Deutschland, Irland, Belgien und Italien lässt eine positive Prognose zu. Außerhalb Europas scheinen Korea und China für einen Anstieg vorbereitet.

LASSEN SIE SICH nicht vom Trübsinn über Europa und China anstecken. Banken und Energieunternehmen (17,4 Prozent der ATX-Marktkapitalisierung) sowie Rohstoffe (15,3 Prozent des ATX) werden die unerwartet starke Weltwirtschaft weiter beleben. Die Nachfrage nach den Produkten und Leistungen dieser Unternehmen wird für Gewinne sorgen und den Aktien gefallen.


Der Autor

Ken Fisher ist einer der erfolgreichsten Investmentberater der USA und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen. Einmal im Monat analysiert er im trend nun die Lage an den Märkten.


Der Gastkommentar ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 9/2019 vom 1. März 2019 entnommen.


Geld

Währungsrechner- Der Euro und die Weltwährungen

Geld

Elite Report: Die besten Vermögensverwalter 2020

Börsewissen #IC19

Investors Challenge #IC19: Die Gala der Sieger [VIDEO]

Wo die Finanzmarktaufsicht 2020 die Regeln verschärfen will

Geld

Wo die Finanzmarktaufsicht 2020 die Regeln verschärfen will