Österreicher Stumpf bringt deutsche Exyte an die Börse

Der österreichische Milliardär Georg Stumpf hat die Börsenpläne seines Anlagenbauers Exyte präzisiert. Ein bedeutender Minderheitsanteil des Unternehmens soll noch heuer an die Börse gebracht werden. Stumpf wird mit dem Börsengang rund eine Milliarde Euro verdienen.

Österreicher Stumpf bringt deutsche Exyte an die Börse

Immobilientycoon Stumpf mit Lebensgefährtin Patricia Schalko.

Es wäre nicht Georg Stumpf, wenn nicht alles streng geheim über die Bühne ginge. Lediglich hinter vorgehaltener Hand wurde Anfang September noch der Nachrichtenagentur Reuters zugetragen, dass Stumpfs Unternehmen Exyte noch im September an die Börse gehen wolle. trend berichtete bereits Anfang September von "Stumpfs milliardenschwerer Börsenplan" (Ausgabe 36/2018.

Nun sind die Börsenpläne fixiert: Der österreichische Milliardär bringt den schwäbischen Anlagenbauer Exyte, ehemals M+W, an die Börse. Exyte stellt vor allem staub- und partikelfreie Reinräume für die Chip-Produktion her. Ein "bedeutender Minderheitsanteil" des Unternehmens soll in Zukunft in Streubesitz sein, wie Exyte am heutigen Montag (24.9.2018) erklärte. Exyte-Alleineigentümer Stumpf will 25 bis 30 Prozent seiner Anteile abgeben. In Finanzkreisen wird spekuliert, dass Stumpf mit dem Börsegang Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro auf den Markt werfen will.

Für das Unternehmen werde ein Börsenwert von 2,5 bis 3 Mrd. Euro angestrebt, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Zeitpunkt des Börsegangs wurde noch nicht angegeben. Nur so viel: Die Aktien sollen im vierten Quartal 2018 erstmals an der Frankfurter Börse platziert werden. Bank of America Merrill Lynch und UBS werden den Börsegang federführend begleiten.

Der Chef von Exyte ist seit 2017 Wolfgang Büchele, zuvor oberster Manager bei Linde. Exyte hat 2017 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro erzielt, im ersten Halbjahr 2018 waren es 1,7 Milliarden Euro. Insgesamt soll der Umsatz im laufenden Jahr bei mehr als 3,5 Milliarden Euro liegen. Beim bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werden mehr als 160 Millionen Euro angestrebt.

Der Wachstumskurs

Sowohl das Umsatz- als auch das Ebit-Ziel für 2018 entspricht zum Vorjahr einer Steigerung um fast die Hälfte. Büchele will das durch operative Verbesserungen, organisches Wachstum und Zukäufe erreichen.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll 2018 auf mehr als 160 (108) Mio. Euro steigen, nach sechs Monaten waren es 82 Mio. Euro. Finanzkreisen zufolge will Exyte 25 bis 30 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten.

"Wir sehen seit längeren einen deutlichen Bedarf an zusätzlichen Chipfabriken", sagte Büchele. Zu den Kunden von Exyte zählen Halbleiter-Konzerne wie ASML, Infineon und Micron. Exyte profitiere vom wachsenden Bedarf an Halbleitern etwa für Datencenter, Internet-Medien und das autonome Fahren, unabhängig von den Preisschwankungen, sagte Vorstandschef Wolfgang Büchele zu Reuters. "Unser Wachstum wird deshalb weitergehen." Geld für Zukäufe brauche Exyte nicht, erklärte Büchele. "Ergänzende Akquisitionen zu unseren drei Kerngeschäftsfeldern können wir aus dem Cash-flow finanzieren."

Exyte ist der vierte Börsengang in Frankfurt, der für dieses Jahr noch angekündigt ist. Bisher stehen der Online-Möbelhändler Westwing, der Elektroroller-Hersteller Govecs und der Zug- und Lkw-Zulieferer Knorr-Bremse auf der Liste. Wenn sich ihre Erwartungen erfüllen, könnte das Jahr 2018 für Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von bis zu zwölf Milliarden Euro so gut werden wie seit 18 Jahren keines mehr.

Allein Knorr-Bremse-Mehrheitseigentümer Heinz Hermann Thiele will drei Milliarden Euro oder mehr erlösen. Im ersten Halbjahr hatten elf Neulinge im streng regulierten Prime Standard mehr als 7,2 Mrd. Euro eingesammelt, allen voran die Siemens-Tochter Healthineers mit 4,2 Mrd. Euro. Den Rekord hält das Jahr 2000 mit mehr als 14 Mrd. Euro.

Der Millennium-Bauer

Georg Stumpf, laut US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" viertreichster Österreicher mit einem geschätzten Vermögen von 2,9 Milliarden Dollar und hierzulande als Erbauer des Millennium Towers an der Wiener Donau bekannt, strebe dabei eine Unternehmensbewertung von 2,5 bis drei Milliarden Euro an, ist zu hören. Bis zu einer Milliarde könnten in die Taschen des Wieners fließen, wird in Finanzkreisen spekuliert.

Erst im August wurde die M+W Group mit Sitz in Stuttgart in Exyte (vom englischen "excite") umbenannt. Der Anlagenbauer, der als führender Anbieter von Reinraumtechnologie für die Chipindustrie gilt, beschäftigt insgesamt rund 4800 Mitarbeiter. Stumpf war 2009 bei der damaligen M+W Group eingestiegen, einer ehemaligen Jenoptik-Tochter. Deren Kerngeschäft - die Produktion von Chipfabriken, Datencentern und Anlagen für die Pharmaindustrie - firmiert seit August unter dem Namen Exyte.

Glaubt man deutschen Medienberichten, führt Stumpf das Unternehmen, das ihm aus seiner Schweizer Oerlikon-Beteiligung im Jahr 2007 zufiel, von Wien aus mit strenger Hand. Es gab in den vergangenen Jahren etliche Managementwechsel, Stumpf selbst soll sich regelmäßig auch in das operative Geschäft einschalten.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

Österreichischer KMU-Eigenkapitalfonds startet

Die AG Capital erreicht das First Closing des österreichischen …

Die Elite der Vermögensverwalter 2021

Für den größten Bankentest im deutschsprachigen Raum hat der …

Inflation steigt im Euroraum auf ein 30-Jahres-Hoch

Die Inflation steigt weiter und erreicht in Europa teilweise Werte von …

Investieren in den Klimaschutz

Zur Bekämpfung des Klimawandels sind enorme finanzielle Mittel …