Nationalbank-Studie zeigt enorme Vermögenskonzentration

Eine von der Oesterreichischen Nationalbank erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Vermögenskonzentration in Österreich noch eklatanter sein könnte als bisher angenommen. Das reichste eine Prozent der Bevölkerung könnte demnach die Hälfte des gesamten Vermögens besitzen.

Nationalbank-Studie zeigt enorme Vermögenskonzentration

Spitze Vermögenspyramide: Ein Prozent der österreichischen Haushalte besitzt die Hälfte des gesamten Vermögens.

Das Vermögen von Millionären in Österreich könnte bisher deutlich unterschätzt worden sein. Eine Studie der Nationalbank (OeNB) kommt zu dem Ergebnis, dass das reichste ein Prozent nicht auf rund 25 Prozent, sondern auf bis zu 50 Prozent des Gesamtvermögens kommen könnte. Zum reichsten Prozent zählen Österreicherinnen und Österreicher mit einem Vermögen von mehr als zwei Millionen Euro.

Die Kehrseite: während rund die Hälfte des Nettovermögens in den Händen des reichsten einem Prozent liegt, besitzen den Erhebungen der Arbeiterkammer zufpöge die ärmeren 50 Prozent der österreichischen Haushalte gemeinsam gerade einmal 2,5 Prozent des Gesamtvermögens.

Abhängig von den zugrunde liegenden Annahmen merken die Autoren der OeNB-Studie an: "Alle verfügbaren Informationen deuten daraufhin, dass der wahre Wert des Vermögensanteils, der von den oberen ein Prozent gehalten wird, näher an den 50 Prozent liegt als an den HFCS-Ergebnissen", heißt es in der Studie. Der HFCS-Untersuchung (Household Finance and Consumption Survey) zufolge war man von rund 25 Prozent ausgegangen. Für eine präzisiere Berechnung der Vermögensverteilung wären allerdings bessere Daten am oberen Ende, also bei den Superreichen, erforderlich.

Problematische Erhebung

Das Forscherteam umfasste neben zwei OeNB-Ökonomen den US-Statistiker Arthur Kennickell, der sich bereits seit Jahrzehnten mit der Vermögensverteilung beschäftigt. Das Trio hat neben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung unter anderem auch die Reichenlisten des "Trend" in ihre Modelle einbezogen.


Die 15 reichsten Österreicher

Die 15 reichsten aus dem trend. Ranking 2021

Rang Name Unternehmen, Aktivitäten Vermögen (in Mrd. €)
1 Porsche & Piech, Familien Beteiligung Porsche, VW, Finanzanlagen, Immobilien 51,1
2 Mateschitz, Dietrich Red Bull GmbH (49%), Medien, Hotels, Beteiligungen 16,4
3 Schaeffler, Elisabeth & Georg Schaeffler AG, Continental AG (Autozulieferer, Reifen) 9,4
4 Wlaschek, Friederike, Karl Philipp, Marie-Luise Erben nach K. Wlaschek (Immobilien, Billa) 5,6
5 Graf, Johann Novomatic-Gruppe 5,5
6 Benko, René Immobilien (Signa-Gruppe), Handel (Signa Retail, Kika/Leiner), Medien 4,9
7 Tojner, Michael Montana Tech Components (u.a. Varta), Wertinvest) 4,7
8 Stumpf, Georg Immobilien, Industriebeteiligungen (M+W-Gruppe, exyte) 4,3
9 Flick, Ingrid & Familie Finanzvermögen aus Erbe nach F.K. Flick 4,0
10 Swarovski, Familie Glas, Kristall, Optik, Schleifmittel 3,6
11 Mayr-Melnhof, Franz & Familie Mayr-Melnhof AG (Karton, Verpackung), Ländereien, Holzwirtschaft 3,6
12 Lehner, H. & G. Familien Alpla-Gruppe (Kunststoff, Verpackungen) 3,5
13 Schlaff, Martin Finanzinvestor (z.B. RHI AG, ca. 30%) 3,4
14 Kaufmann Andreas, Christian, Michael, Erben nach H. Kaufmann; FRAPAG, Billerud, Leica 3,2
15 Geiger, Reinhold L'Occitane International SA (Kosmetik) 3,0


"Angesichts der enormen Diskrepanzen in den erzielten Ergebnissen finden wir den Informationsgehalt der Daten zur Vermögensungleichheit eher begrenzt", schlussfolgern die Autoren. Aufgrund dessen sei es schwierig, Modelle für Vermögens- und Erbschaftssteuern zu berechnen. Auch Indikatoren für die Vermögensungleichheit und internationale Vergleiche könnten fehlerhaft sein.

Bei den reichsten zehn Prozent, die ein Vermögen von über 500.000 Euro haben, gehen die Berechnungen weniger stark auseinander, aber auch hier könnte die HFCS, die EU-weit durchgeführt wird, die Vermögensungleichheit bisher unterschätzt haben. Die HFCS geht davon aus, dass in Österreich rund 58 Prozent des Gesamtvermögens von den reichsten zehn Prozent gehalten wird. Die Modelle der nun vorgelegten Studie geben eine Bandbreite von 60 bis 75 Prozent an.

An der bisherigen Vermögenserhebung gab es schon früher Kritik. Die Arbeiterkammer (AK) hatte 2020 dargelegt, dass die OeNB-Erhebung HFCS die Vermögen der besonders Reichen aus mehreren Gründen nicht erfassen könne. Etwa könnten bei kleinen Stichproben die wenigen Superreichen nicht erfasst werden, außerdem verweigerten Reichere eher die Antwort bei einer Befragung, und sie gäben ihre Vermögenswerte tendenziell zu gering an.


Die Vermögenskonzentration in Österreich

Bis 2025 wird das Gesamtvermögen der Österreicher auf 3,9 Billionen Dollar zulegen. Die schon ausgeprägte Ungleichheit wird sich weiter verschärfen.

Durch die boomenden Aktienmärkte ist das Wachstum des Finanzvermögens 2020 mit fünf Prozent auf knapp eine Billion Dollar deutlicher ausgefallen als nach Ausbruch der Coronakrise zunächst erwartet. Aber schon heute besitzen nur rund 400 Personen mehr als ein Drittel davon - keine weniger als 100 Millionen Dollar. Bis 2025 soll der Anteil dieser Gruppe auf 36 Prozent steigen. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn das Gesamtvermögen der Österreicher bis 2025 auf über 3,9 Billionen Dollar zulegt, wie der "Global Wealth Report" der Boston Consulting Group vorhersagt. Nicht zuletzt aufgrund ihrer risikoreicheren Asset-Allokation werden die Superreichen auch davon überproportional profitieren. Arbeiterkammer und Gewerkschaften fordern schon länger höhere Vermögenssteuern, weil Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt liegt.

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