OeNB-Chef Holzmann: "Zinsen müssen weiter deutlich steigen"

Robert Holzmann, Chef der Österreichischen Notenbank OeNB, geht von weiteren deutlichen Zinserhöhungen im Jahr 2023 aus. Der nächste Schritt könnte bereits Anfang Februar folgen.

OeNB-Chef Holzmann: "Zinsen müssen weiter deutlich steigen"

OeNB-Gouverneur Robert Holzmann

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss aus Sicht mehrerer Notenbank-Gouverneure an ihrem Kurs der Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation auch im neuen Jahr festhalten. Österreichs Notenbank-Gouverneur Robert Holzmann betonte, die EZB dürfe angesichts der Inflation im Euroraum aus Sicht von ihren Zinserhöhungskurs nicht verlassen. Die Sätze müssten noch weiter deutlich nach oben gehen, um auf ein Niveau zu gelangen, das ausreichend restriktiv sei, erklärte Holzmann in einer Präsentation für eine Konferenz in Wien. Das sei erforderlich, um eine rechtzeitige Rückkehr der Inflation zum mittelfristigen Ziel von zwei Prozent zu erreichen.

"Die Zinsen werden noch deutlich steigen müssen", sagte auch Finnlands Notenbankchef Olli Rehn am Mittwoch in einem Webinar des Peterson Institute for International Economics. Laut Rehn gelte es, Niveaus zu erreichen, die die Wirtschaft hinreichend bremsen, um eine zeitnahe Rückkehr zum mittelfristigen Inflationsziel von zwei Prozent sicherzustellen.

Aktuell ist die EZB von ihrem Ziel aber noch weit entfernt. Im Dezember sank die Inflationsrate angesichts nicht mehr ganz so stark gestiegener Energiepreise zwar leicht auf 9,2 Prozent. Das ist aber immer noch mehr als vier Mal so hoch wie die Notenbank-Zielmarke.

Kurs halten bei Zinserhöhungen

"Somit halten wir Kurs", sagte Rehn. "Dies bedeutet signifikante Zinserhöhungen auf den ausstehenden Sitzungen in diesem Winter." Abhängig sei dies von den Wirtschaftsdaten und der Entwicklung des Ausblicks. Anders als andere EZB-Währungshüter wischt Rehn die Kritik an der Euro-Notenbank, sie habe zu spät auf die hochschnellende Inflation reagiert, nicht einfach beiseite. "Im Nachhinein betrachtet mag an diesem Argument etwas Wahres dran sein, zumindest unter dem Gesichtspunkt, dass wir so mehr geldpolitischen Spielraum hätten schaffen können, zu reagieren, falls die Wirtschaft in eine Rezession fällt", sagte er. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe aber zunächst erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der ökonomischen Folgen ausgelöst. Das habe eine gewisse Vorsicht gerechtfertigt.

Die EZB hatte schließlich im Juli die Zinswende vollzogen und seitdem die Schlüsselsätze in vier Schritten um insgesamt 2,50 Prozentpunkte angehoben. Der aktuell an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt inzwischen bei 2,00 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisierte für die nächsten Sitzungen weitere Zinserhöhungen im Umfang von jeweils 0,50 Prozentpunkten wie zuletzt im Dezember. Die nächste Zinssitzung findet am 2. Februar statt.

Auch Fankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau erwartet weitere Schritte nach oben. "Im Jahr 2023 werden in den kommenden Monaten neue Zinsanhebungen in einem pragmatischen Tempo sehr wahrscheinlich notwendig sein, um die Inflation in Richtung zwei Prozent zu bringen", sagte er im Finanzausschuss des französischen Senats. Was er konkret unter einem pragmatischen Tempo versteht, führte er nicht aus. Villeroy machte aber deutlich, dass aus seiner Sicht die Zinsen inzwischen ein neutrales Niveau erreicht haben.

Brutto-Netto-Rechner: Was Sie verdienen, was Sie kosten

Wie viel vom Bruttogehalt landet monatlich tatsächlich auf dem Konto? Und …

Green Finance Alliance: Finanzunternehmen für Klimaschutz
Green Finance Alliance: Finanzunternehmen für Klimaschutz

Das Klimaschutzministerium hat mit der Green Finance Alliance eine …

EZB Präsidentin Christine Lagarde gibt die nächste Zinsentscheidung der Notenbank bekannt.
EZB dreht weiter an der Zinsschraube: Leitzins auf 3,0 %

Mit der fünften Zinserhöhung in Folge stemmt sich die Europäische …

Investmentfonds kamen 2022 schwer unter Druck

Ukrainekrieg, Energiekrise, Inflation und Zinsanstieg haben …