Ölpreis auf Talfahrt - das Ende der Rallye?

Ölpreis auf Talfahrt - das Ende der Rallye?

Nach zweistelligen Kurszuwächsen beim Ölpreis seit Ende Juli nehmen Anleger nun Gewinne mit. Die Ölpreise sind am Dienstag weiter gesunken. In der Früh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 48,66 US-Dollar (43,04 Euro). Das waren um 50 Cent weniger als am Montag.

Die letzten Wochen entpuppten sich für Anleger in Rohöl als sprudelnde Geldquelle. Der Preis für das schwarze Öl legte binnen weniger Wochen um 22 Prozent zu. Die vergangene Woche schloss der Rohstoffsektor gar mit dem besten Ergebnis seit sieben Wochen ab. Anleger hatten vorige Woche den Preis für Nordseeöl der Sorte Brent über über 50 Dollar je Barrel katapultiert. Auch die Börsen waren zuletzt gut im Schwung. Doch nun legt beides den Rückwärtsgang ein.

3,4 Prozent Verlust in wenigen Stunden

Am Montag verbilligte sich ein Fass Brent um 3,4 Prozent auf 49,16 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 47,09 Dollar drei Prozent weniger. Darauf reagierten auch die Börsen. Zu Wochenbeginn legten der Dax und der EuroStoxx50 angesichts der beschleunigten Talfahrt der Ölpreise den Rückwärtsgang ein: Der Dax verliert 0,8 Prozent auf 10.460 Punkte, der EuroStoxx50 0,4 Prozent auf 2956 Punkte. Die US-Futures signalisieren Kursverluste von etwa 0,3 Prozent für die Eröffnung der Wall Street. Zu den Verlierern zählten europaweit viele Rohstoffkonzerne, die damit auf die Talfahrt der Preise reagierten.

Die Ölpreise sind am Dienstag weiter gesunken. In der Früh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 48,66 US-Dollar (43,04 Euro). Das waren um 50 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im September fiel um 60 Cent auf 46,81 Dollar.

Aktueller Ölpreis Brent

Händler sprachen von einer anhaltenden Korrekturbewegung, nachdem die Ölpreise in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt hatten. Seit Anfang August waren die Preise zunächst um etwa 20 Prozent gestiegen. Seit Wochenbeginn stehen jedoch Preisabschläge von etwa fünf Prozent zu Buche. Derzeit ist der Ölmarkt stark durch Spekulationen auf eine mögliche Förderobergrenze durch namhafte Produzenten wie das Ölkartell OPEC geprägt.

Nach Korrektur wieder angemessene Preisspanne erwartet

Zuvor hatten Spekulationen auf eine Einigung der großen Förderländer über eine Begrenzung der Produktion zu den Preisanstiegen geführt. Dadurch hätte sollen ein wichtiger Beitrag zum Abbau des Überangebots geleistet werden. Doch diese Gerüchte halten viele Analysten für unwahrscheinlich, weshalb die Rallye nun wieder abebbt. So kamen von den Saudis mündliche Intervention zugunsten des Ölpreises. Zu diesen Spekulationen hat Opec-Präsident Mohammed bin Saleh Al Sada beigetragen, der vergangene Woche für Ende September ein informelles Treffen des Ölkartells einberufen hat. Dort hoffen Investoren auf eine Begrenzung der Fördermengen. „Es ist den Saudis so gelungen, die Marktstimmung zu beeinflussen. Dies führte zu einem Abbau einer rasant anwachsenden, spekulativen Short-Position am Future-Markt und folglich zur aktuellen Rallye“, sagt Rohstoffexperten Olse Hansen von der Saxo Bank. Das Aufwärtspotential der Öl-Benchmark Brent hält er indes für beschränkt. Der Rohstoffprofi rechnet mit einem technischen Widerstand bei 50 bis 52 Dollar pro Barrel. „Ich erwarte einer Korrektur. Im Anschluss daran wird Brent sich in dritten Quartal in einer angemessenen Handelsspanne zwischen 45 und 50 Dollar pro Barrel bewegen“, sagt Hansen.

55 Dollar per Ende 2017 prognostiziert

Entspannt sieht die Lage auch die DZ Bank. Der Rohölmarkt befindet sich nach dessen Analystenmeinung nach wie vor im Prozess der Resynchronisierung von Angebot und Nachfrage. "Nachdem die massiven Produktionsstörungen im Mai und Juni in Kanada und Nigeria dafür sorgten, dass dieser Prozess beschleunigt wurde, hat die Geschwindigkeit zuletzt wieder etwas abgenommen", so die DZ Bank in einem aktuellen Kommentar. Trotz der eingetrübte Marktstimmung erwarten die Ölexperten der Bank für das dritte Quartal 2016 einen Preis von 44 Dollar und für das vierte Quartal einen von 48 Dollar - hat damit ihre Prognosen allerdings leicht gesenkt. Für 2017 behält die Bank ihre Prognose von einem Ölpreis von 55 Dollar per Jahresende allerdings aufrecht.

Doch ob sich die Ölpreise in nächster Zeit ändern werden, hängt auch davon ab, ob sich die wichtigsten ölfördernden Länder nun auf eine Beschränkung der Fördermenge einigen können oder nicht. Das wird erst Ende September entschieden, wenn das Ölkartell tatsächlich zusammentrifft.

Das Warten auf Jackson Hole

Nun bis dahin wartet ein nächstes spannendes Treffen, das sowohl Börsen als auch Rohstoffmärkte bewegen könnte. In der zweite Wochenhälfte treffen Notenbanker aus aller Welt im US-Städchen Jackson Hole zusammen. Die Wirtschafts- und Finanzeleite wird vor allem an den Lippen von Fed-Chefin Janet Yellen hängen, von der man hofft, dass sie über den künftigen Kurs der US-Notenbank Klarheit schaffen könnte. Fed-Vize Stanley Fischer hatte vor kurzem erklärt, die Ziele der Fed in Sachen Vollbeschäftigung und Inflation seien fast erreicht. Eine Zinserhöhung noch im laufenden Jahr wird an den Terminmärkten allerdings überwiegend kaum erwartet. Nun hoffen viele Anleger darauf, dass

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