OPEC bleibt auf der Bremse - Ölpreis auf Talfahrt

Nach der Vereinbarung der OPEC-Länder, die Fördermenge weiterhin zu kürzen, ist der Ölpreis um über fünf Prozent gefallen. Der Preis für die US-Sorte WTI notiert unter der 50 Dollar-Marke.

OPEC bleibt auf der Bremse - Ölpreis auf Talfahrt

New York/London Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel an ihre Vortagesverluste angeknüpft. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sank auf 51,26 US-Dollar (45,71 Euro). Das waren um 20 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 27 Cent auf 48,63 Dollar.

Die Ölpreise waren bereits am Donnerstag stark unter Druck geraten. Der Kurs der Nordseesorte Brent hatte am Donnerstag bereits um 4,9 Prozent verloren. Die US-LEichtöl-Sorte WTI notierte sogar um über fünf Prozent tiefer und somit wieder unter der 50-Dollar-Marke. Die Ölminister der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hatten bei ihrem Treffen in Wien zwar ein erwartungsgemäß seit Jänner geltendes Produktionslimit um neun Monate bis zum März 2018 verlängert. Die Produktion in den 24 Ländern des OPEC-Kartells wurde im Jänner erstmals um zwei Prozent zurückgefahren, um den Preis hoch zu halten.

Die Märkte schienen aber doch etwas enttäuscht, begründete Jan Edelmann, Analyst bei der HSH Nordbank, die Kursverluste. Einige hätten offenbar noch mit etwas mehr gerechnet.

Die OPEC-Vertreter zeigten sich jedoch zufrieden mit dem Ergebnis. "Neun Monate sind das Optimum", sagte Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih. Ziel der Maßnahme ist es, den Ölpreis zumindest zu stabilisieren. Er kündigte an, die Zusammenarbeit mit den Nicht-OPEC-Ländern solle verstärkt werden.

Die OPEC und einige andere Ölförderländer wie Russland haben am Donnerstag eine Verlängerung der Förderkürzungen für neun Monate beschlossen. Bis März 2018 wollen sie die Förderung - wie schon seit Anfang dieses Jahres - weiter um 1,8 Millionen Barrel (159 Liter je Fass) am Tag gebremst halten. Der gewünschte Effekt an den Märkten blieb allerdings zunächst aus.

Die USA gegen die OPEC

Die OPEC und ihre Partner hatten sich Ende November auf eine sechsmonatige Förderbremse ab Jänner geeinigt, nachdem der Ölpreise seit 2014 permanent gefallen ist. Die Preise wurden infolge der Förderkürzung wieder über 50 Dollar je Fass getrieben. Anfang 2016 war der Preis für ein Fass Öl erstmals seit 2003 unter 30 Dollar gefallen. Vor allem Saudi-Arabien hatte sich lange gegen eine Förderkürzung gestemmt. Die OPEC liefert weltweit ein Drittel des Ölbedarfs.

Noch im Sommer 2014 hatte er bei 115 Dollar gelegen. Dieser Preisabsturz hat den Förder-Ländern Haushaltslöcher eingebrockt, die sie auf Dauer nicht tragen wollten. Eine Folge der Stabilisierung der Preise bei nunmehr rund 50 Dollar ist allerdings die wieder höhere Attraktivität der ursprünglich kostspieligeren US-Schieferölproduktion (Fracking). Die USA hatte sich in den vergangenen Jahren mit der Fracking-Methode zum Lieferant von Öl entwickelt. Allerdings ist die Fracking-Methode sehr aufwändig. Im Vorjahr war ein Preis von 60 Dollar pro Fass noch der Mindestpreis für eine profitable Fracking-Förderung.

Technische Fortschritte haben die Förderung mit Fracking begünstigt. Im Gegensatz zur herkömmlichen Förderung kann bei Fracking bei einem zu niedrigen Preis auch kurzfristig die Förderung zurückgefahren werden.

Seit Mitte 2016 ist die US-Ölförderung um mehr als zehn Prozent gestiegen auf über 9,3 Millionen Fass täglich. Damit sind die USA als Ölförderer auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien und Russland. Dem Energieberater Wood Mackenzie zufolge bedeutet die Beibehaltung der derzeitigen Ölfördermengen, dass in den USA 950.000 Barrel täglich mehr gepumpt werden. Damit dürfte das Überangebot bestehen bleiben.

Der US-Ölboom in diesem Jahrzehnt gilt als Hauptgrund für das Überangebot. Derzeit liegt die Produktion über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, der nun wieder angestrebt wird.

Der Druck auf die Preise

Da viele Anleger auf eine längere und deutlichere Förderkürzung gesetzt hatten, gerieten die Preise für Öl aus der Nordsee und US-Leichtöl massiv unter Druck und brachen um je rund fünf Prozent ein.

Im Vorfeld hatten sich das führende OPEC-Land Saudi-Arabien und Russland als wichtigstes Öl-Land außerhalb des Förderkartells bereits auf neun Monate verständigt. Doch war an den Märkten spekuliert worden, die Verlängerung könne großzügiger ausfallen. "Es ist eine Enttäuschung, dass sich die OPEC nicht zu mehr durchringen konnte, um die Preise zu stabilisieren", sagte Olivier Jakob, Analyst bei der Schweizer Beratungsfirma Petromatrix. Eine Verlängerung von neun Monaten sei in den Preisen schon berücksichtigt. "Das zeigt, dass die OPEC nicht viel mehr machen kann." Einige Anleger hatten darauf gesetzt, dass das Kartell die Förderbremse für ein Jahr verlängert. Zudem wurde spekuliert, dass die Kürzung deutlicher ausfallen könnte.

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