Ölpreis pendelt an der 50-Dollar-Marke

Ölpreis pendelt an der 50-Dollar-Marke

Die Maßnahmen des Ölpreis-Kartell OPEC sind verpufft. Die Fixierung der Fördermengen hat nicht dazu geführt, dass der Ölpreis sich zumindest in Richtung 60 Dollar pro Barrel bewegt. Anleger nahmen zuletzt Gewinne mit. Für die Konsumenten bedeutet dies, dass der Spritpreis weiterhin günstig bleiben - trotz Urlaubszeit.

Im Mai war die OPEC mit seinen 13 Mitgliedern in Wien erneut zusammen getreten, um Maßnahmen gegen fallenden Ölpreis zu vereinbaren. Die Begrenzung der Fördermengen sollte den Preis stabilisieren und auf Dauer wieder in die Höhe treiben.

Doch kaum drei Monate danach scheint die Absprache nur noch Schall und Rauch zu sein. Der Ölpreis konnte zwar zulegen, aber die OPEC-Staaten sind sich wieder einmal nicht einig über Förderquoten. Und seit Tagen pendelt der Öl-Preis um die 50-Dollar-Marke. Nachdem er zuletzt wieder gesunken ist, konnte der Preis immerhin heute wieder zulegen. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl Brent (mit Lieferung im Oktober) notiert derzeit bei 52,38 US-Dollar (44,67 Euro). Das sind um 28 Cent (+ 0,53 Prozent) mehr als noch am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI/mit Lieferung im September) notiert ebenso stärker um 36 Cent (0,73 Prozent) auf 49,51 Dollar (42,16 Euro).

Die OPEC hat ungeachtet der Notierungen für Brent oder WTI einen eigenen Preis, der sich zusammensetzt aus einem Korb von zwölf Öl-Sorten des Ölpreiskartells. Am Dienstag notierte OPEC 50,49 Dollar pro Barrel. Am Montag hatte das Barrel nach Angaben des OPEC-Sekretariats in Wien noch 50,04 Dollar gekostet.

Auch wenn der Ölpreis in den vergangenen sechs Wochen von 43,43 Dollar (Brent) auf nun über 52 Dollar um rund 20 Prozent zulegen konnte, ist ein Teil der OPEC-Mitglieder beunruhigt. Die OPEC-Vereinbarung vom Mai sieht vor, dass sich der Ölpreis schneller nach oben bewegt bei Beibehaltung der Förderquote. Einige OPEC-Mitglieder wollen jedoch ausscheren und die Produktion erhöhen.

Vor allem Saudi-Arabien steckt in der Zwickmühle. Einerseits plädiert das führende OPEC-Land für eine Förderquote, um den Ölpreis zu stabilisieren und mittelfristig wieder hoch zu treiben. Und andererseits muss das Land seinen Staatshaushalt wieder in Ordnung bringen und braucht dringend die Petro-Dollar. Saudi-Arabien hat dennoch die Förderung zuletzt stärker gedrosselt als es avisiert hatte.

Mangelnde OPEC-Disziplin

Andere OPEC-Mitglieder sind zuletzt wieder aus dem Ölpreiskartells ausgeschert und produzieren mehr Öl als vereinbart. Nigeria und Libyen haben zuletzt die Ölproduktion erhöht. Im Mittelpunkt stehen auch Länder wie der Irak, Gabun, Ecuador und die Vereinigten Arabischen Emirate, die am stärksten gegen die Förderbeschränkungen des Kartells verstoßen und eher mehr als weniger Öl aus dem Boden holen wollen. Und auch OPEC-Nichtmitglied Russland will mehr produzieren, obwohl es sich zuletzt eher zurückgehalten hat.

Andererseits bekommen die OPEC-Länder wieder Konkurrenz aus den USA. wo sich vor allem die US-Schieferölproduzenten auf den niedrigen Ölpreis eingestellt, in dem sie auch unter 50 Dollar mit Profit produzieren können. Nachdem im Frühjahr 2016 der Ölpreis bei 37 Dollar notiert hatte, hatten die US-Konzerne die Öl-Gewinnung aus Schiefergestein teilweise gestoppt, manche hatte ihre Abläufe so optimiert, dass sie nun auch bei Ölpreisen um die 50 Dollar wieder mit sattem Gewinn produzieren können.

Bis zum Vorjahr brauchte die aufwändige und teure und umstrittene, weil stark umweltbelastende Fracking-Produktion noch einen Ölpreis zwischen 55 und 60 Dollar pro Fass. Die US-Companys sind daher wieder zum Konkurrenten der OPEC-Länder aufgestiegen, US-Ölkonzerne wie Exxon und Chevron schreiben wieder Milliardengewinnen nach den massiven Verlusten im Frühjahr 2016. Es sind nun die US-Ölförderer, die wieder starken Einfluss auf den Ölpreis haben - und nicht die OPEC alleine.

Die Gewinnmitnahmen

Nach dem Anstieg der Ölpreises der vergangenen Wochen nahmen die Anleger noch vor der Konferenz zwischen mehreren OPEC- und Nicht-OPEC-Mitgliedern in Abu Dhabi Gewinne mit. Ende der Vorwoche hatte Rohöl der Sorte WTI alle Gewinne aus der Vorwoche wieder abgegeben. "Die Anleger positionieren sich weiter für eine Preisspanne von 40-55 Dollar pro Barrel", meint Jan-Hendrik Hein, Direktor von ETF Securities. Sollte der Ölpreis in Richtung des unteren Endes der Spanne tendieren, dürften sich die Zuflüsse laut fortsetzen.

„Die jüngste Preisschwäche ist auf die mangelhafte Einhaltung der Förderquoten seitens der OPEC-Mitglieder zurückzuführen“, führt Hein aus. Die Analysten der Commerzbank bleiben für die Zukunft skeptisch, was die OPEC-Vereinbarungen betreffen. Sämtliche Maßnahmen der OPEC zur Preisstützung seien "mittel- bis langfristig zum Scheitern verurteilt".

Zur Erinnerung: Die 24 Länder des Ölpreiskartells und einige Nicht-OPEC-Staaten wie Russland hatten sich im Mai erneut auf Förderquoten geeinigt, die bis zum März 2018 fixiert wurden. Im November 2016 wurden erstmals eine Obergrenze der täglich Fördermenge von 1,8 Milliarden Rohöl pro Tag vereinbart. Das Ziel war es dem Markt Öl zu entziehen, Lagerbestände abzubauen und somit den Ölpreis wieder zu stärken. Mit 50 bis 55 Dollar pro Fass rechneten die Experten für heuer.

Die kurzfristige Sicht

Die jüngste Zuspitzung im Nordkorea-Konflikt hat den Ölpreisen in der Früh zunächst keinen Auftrieb geben. Nordkoreas Militär hat den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam gedroht und damit einen der gefährlichsten Konflikte der Welt weiter angeheizt. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Nordkorea indirekt militärische Gewalt angedroht.

Der Blick wird auch auf die USA gerichtet sein, wo das Interesse der Anleger auf die Entwicklung der Ölreserven fokussiert ist. Am Nachmittag wird die US-Regierung neue Daten zu den Lagerbeständen an Rohöl veröffentlichen. Falls die Lager noch immer voll sind, wird es weiterhin dauern, bis der Ölpreis weiterhin an Fahrt aufnimmt in Richtung 60-Dollar-Marke.

Freuen dürfen sich darüber die Autofahrer. Der Sprit an der Tankstelle wird weiterhin günstig sein.

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Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Universität Innsbruck

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