Ölpreis fällt auf den tiefsten Stand seit über 20 Jahren

Der Ölpreis ist in der Corona-Krise auf den tiefsten Stand seit über 20 Jahren gefallen. Für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI werden nur noch rund 11 Dollar gezahlt. Auch die Aktienkurse von Ölfirmen rauschen nach unten.

Ölpreis fällt auf den tiefsten Stand seit über 20 Jahren

Der Preis für Erdöl aus den USA ist am Montag weiter in die Tiefe gerauscht. An der Börse in London kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI zur Lieferung im Mai am frühen Nachmittag nur noch 11,30 US-Dollar (10,4 Euro). Das war ein Rückgang um mehr als 37 Prozent und der niedrigste Stand seit 1998. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 hatte der Ölpreis einen Höhepunkt von 114 Dollar pro Barrel erreicht.

Seit Jahresbeginn ist der Preis für US-Öl somit bereits um rund 75 Prozent gefallen. Der Grund dafür ist die geringe Nachfrage wegen der Coronavirus-Pandemie. Die Lager in den USA sind zudem gut gefüllt. Es mehren sich am US-Markt zudem die Sorgen, die dortigen Öl-Lagerstätten könnten ihre Kapazitätsgrenzen erreichen.

Überkapazitäten und volle Lager

Überkapazitäten und volle Lager haben auch den Preis für die Nordsee-Sorte Brent dramatisch fallen lassen. In der Früh kostete ein Barrel der Sorte nur noch 27,64 US-Dollar. Auch hier gibt es Bedenken, dass die Lager bald voll sein werden, denn die globale Konjunktur ist aufgrund der Coronakrise eingebrochen, Fabriken stehen still, Flugzeuge sind am Boden, Grenzen sind geschlossen. Die Nachfrage nach Öl, Benzin und Diesel geht weiter zurück.

Große Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien haben zuletzt zwar deutliche Förderkürzungen angekündigt, Experten zweifeln aber, dass durch die Reduzierung der Förderquoten Angebot und Nachfrage in Einklang gebracht werden können.

Schieferöl sprudelt weiter

"Am Markt glaubt man nicht an eine baldige Stabilisierung der Nachfrage", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Der OPEC-Deal hat den Absturz der Preise nur leicht verzögert, konnte ihn aber nicht verhindern." Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade, verwies darauf, dass die Förderkapazitäten der Schieferölproduzenten in den USA unter anderem wegen des technisch aufwendigen Verfahrens nicht so schnell reduziert werden könnten: "Das Besondere hierbei ist, dass man nicht einfach einen Schalter umlegen kann."

Im Sog des erneuten Preisverfalls bei Rohöl gerieten die Aktien der Ölkonzerne unter Druck. Der europäische Branchenindex fiel um 2,6 Prozent, die Aktien von Unternehmen wie Britisch Petroleum, Eni oder Repsol verloren bis zu vier Prozent. In den USA sackten die Titel von Exxon und Chevron im vorbörslichen Handel bis zu neun Prozent ab. Die Papiere von Schieferölförderern wie Chesapeake brachen sogar um knapp 19 Prozent ein.

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