Ölpreis steigt kräftig - Kommt das Ende des Billigöls?

Dreh- und Angelpunkt für die Preisentwicklung des Erdöls ist, ob die Nachfrage größer ist oder das Angebot. Die aktuelle Konstellation könnte sich in den nächsten Monaten ändern.

Dreh- und Angelpunkt für die Preisentwicklung des Erdöls ist, ob die Nachfrage größer ist oder das Angebot. Die aktuelle Konstellation könnte sich in den nächsten Monaten ändern.

Seit Anfang August ist der Ölpreis deutlich gestiegen und notiert bei knapp unter 50 Dollar das Barrel. Wie es zu dem Preisschub kam und wie sich der Ölpreis bis Anfang 2017 entwickeln könnte.

Seit Anfang August zieht der Ölpreis kräftig an. Brent Crude Oil verteuerte sich von seinem Tiefs von knapp 42 Dollar auf rund 50 Dollar per Barrel. Für Auftrieb sorgte zuletzt ein unerwartet deutlicher Rückgang bei den wöchentlichen US-Benzinlagerbeständen um satte 3,3 Millionen Barrel. Doch entscheidend für die längerfristige Entwicklung an den Rohstoffmärkten bleibt wie hoch die Förderquoten der wichtigen Erdölproduzenten sich entwickeln.

So beflügeln denn auch Spekulationen über ein Ende des Förderrekords und damit ein Ende des Überangebots ebenfalls den Ölpreise. Zu diesen Spekulationen hat Opec-Präsident Mohammed bin Saleh Al Sada beigetragen, der vergangene Woche für Ende September ein informelles Treffen des Ölkartells einberufen hat. Dort hoffen Investoren auf eine Begrenzung der Fördermengen.
Doch noch ist es nicht so weit. Viele Länder produzieren am Produktionslimit. In den USA etwa sind die Rohölbestände in der vergangenen Woche überraschend gestiegen.

Opec mit Förderrekord

Saudi-Arabien hat im Juli sogar so viel Öl wie selten zuvor gefördert und damit die Produktion des Opec-Verbundes kräftig nach oben getrieben. Wie aus dem jüngsten Monatsbericht der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hervorging, steigerten die Mitgliedsstaaten die Fördermenge auf 33,11 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag. Dies ist der höchste Wert seit mindestens 2008, wie eine Durchsicht der Opec-Förderberichte ergab. Allein Saudi-Arabien pumpte demnach im Juli pro Tag 10,67 Millionen Barrel Rohöl aus dem Wüstensand.

Nach Einschätzung von Analysten zeigt das jedoch, dass die Opec-Mitglieder sich mehr Sorgen über ihre Marktanteile als über den Preisverfall machen. Dazu führe laut Opec der niedrige Ölpreis dazu, dass die Raffinerien auf Hochtouren laufen und so mehr Benzin erzeugt als benötigt wird.

Alles erreicht, was es zu erreichen gibt?

Die gestiegenen Fördermengen sprechen zwar für einen anhaltend niedrigen Ölpreis. Doch nun deuten mehrere Zeichen daraufhin, dass der Höhepunkt der Förderausweitung erreicht ist und sich die Ölproduzenten auf eine Begrenzung der Fördermengen einigen könnten. Gestern hat sich sogar Chakib Khelil, Ex-Energieminister Algeriens und ehemaliger Präsident der Opec in die Diskussion eingeschaltet. Er erklärte gegenüber dem Finanzinformationsdienst Bloomberg: "Den großen Produzenten geht es um den Marktanteil. Sie haben nun all den Marktanteil den sie wollten. Alle Voraussetzungen für ein Abkommen, das die Fördermengen begrenzt, sind da", argumentiert Khelil.

Verhandlungen könnten scheitern

Doch so manche Experten haben Zweifel, dass ein Abkommen tatsächlich zustandekommt. "Nur weil diejenigen Länder, die unter den finanziellen und sozialen Auswirkungen der niedrigen Ölpreise zu leiden haben, nun koordinierte Maßnahmen fordern, lässt sich dieses Ziel nicht einfacher realisieren", meinen Experten der Bank-Austria-Mutter UniCredit. Es sei "fast davon auszugehen", dass die Gespräche scheitern.

Nachfrage zieht an

Im April ist der Versuch sich auf eine Förderbegrenzung zu einigen, zwar gescheitert, doch das könnte sich bei der nächsten Treffen der ölproduzierenden Länder ändern. "Saudi Arabien, der Iran, Irak und Russland produzieren am oder knapp am Rande ihre maximalen Kapazität", so Khelil. Im April waren die Gespräche gescheitert nachdem der Iran sich weigerte seine Produktion zu limitieren. So hat Saudi Arabien seit Juni seine Fördermenge angehoben, um die Nachfrage im In- und Ausland bedienen zu können. Im ersten Halbjahr hatte Saudi-Arabien die Förderung noch stabil gehalten.

Im April, nach dem scheiterten der Verhandlungen, sprachen Beobachter von einem "Fiasko". Das größte Hindernis für eine Einigung ist, dass der Iran sich nach der Aufhebung jahrelanger Sanktionen des Westens nicht an einer lange ersehnten Ausweitung der Produktion hindern lassen will. Dass Saudi-Arabien einseitig kürzer tritt, gilt als unwahrscheinlich.

"Das globale Überangebot an Erdöl geht bereits zurück und Markt wird sein Gleichgewicht voraussichtlich im nächsten Jahr erreichen", so Khelil gegenüber Bloomberg. Ein Befürworter der Förderbegrenzung ist auch Venezuela, das unter dem niedrigen Ölpreis empfindlich leidet.

Eugen Keller, Experte beim Bankhaus Metzler dagegen behauptet: "Die stark steigenden Ölpreise sind nicht auf reale wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen." Denn am Spiel von Angebot und Nachfrage habe sich zuletzt kaum etwas geändert. Nach Einschätzung von Keller werden die Ölpreise neben einem schwachen US-Dollar "vor allem durch spekulatives Geld" nach oben getrieben.

USA, Iran, Libyen bauen Kapazitäten aus

Doch es gibt auch Argumente, die gegen einen Anstieg des Ölpreises sprechen. So deutet laut DZ Bank in den USA vieles deutet darauf hin, dass die US-Ölindustrie den Preisschock inzwischen überwunden hat und wieder Kapazitäten aufbauen. So stieg die Zahl der neu in Betrieb genommenen Ölplattformen laut einer Erhebung des Ölservicedienstleisters Baker Hughes in der vergangenen Woche erneut an. Das US-Energieministerium hat zudem einen etwas geringeren Rückgang der US-Ölförderung für das laufende Jahr in Aussicht gestellt.
Der Iran treibt die Erneuerung seiner Ölinfrastruktur weiter zielstrebig voran und könnte Agenturberichten zufolge bis Ende des Jahres mit mehr als 4 Millionen Barrel pro Tag das vor dem Inkrafttreten der Sanktionen erreichte Niveau sogar übertreffen. Und Libyen hat laut DZ Bank zuletzt bedeutende Fortschritte bei der Erneuerung seiner Ölinfrastruktur gemacht. Neben der Modernisierung der veralteten Förderanlagen will das nach wie vor vom Bürgerkrieg geschüttelte Land auch die Exportkapazitäten weiter erhöhen und hat mit Instandsetzungsarbeiten für den größten Ölhafen des Landes in Es-Sider begonnen. Die schwer beschädigte Hafenanlage soll laut Angaben des zuständigen Ministeriums bereits im kommenden Monat wieder ihren Betrieb aufnehmen, was die ohnehin fragile Situation an den Ölmärkten weiter belasten dürfte.

50 Dollar per Barrel bis Jahresende prognostiziert

Doch kurzfristig ist "das Risiko einer erneuten Preiskorrektur durchaus vorhanden“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. „Ein Jahresendkurs von deutlich über 50 USD wird aber schwer erreichbar sein. Höchstwahrscheinlich wird sich eine weitere Preiserholung bis ins nächste Jahr verzögern“, sagt Hansen abschließend. Sollte sich der Preis über der psychologisch und technisch wichtigen 50-Dollar-Marke etablieren, wäre das für viele ein Kaufsignal, sagten Händler.

Von über 100 Dollar auf 30 Dollar und wieder retour

Zur Erinnerung: Mitte 2014 hat ein Fass Nordseeöl noch mehr als 100 Dollar gekostet. Bis Januar 2016 sind die Preise auf weniger als 30 Dollar gefallen, ehe eine Erholung sie wieder im Juni über 50 Dollar trieb. Seither geht es aber wieder bergab: Allein im Juli hat sich Brent um fast 15 Prozent verbilligt.

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