Ölpreis fällt immer tiefer - Prognosen

Ölpreis fällt immer tiefer - Prognosen

Öl könnte noch billiger werden.

Seit dem Jahreshöchststand von Anfang Juni ist der Ölpreis wieder um rund 15 Prozent abgerutscht. Die Ursachen für den Preisverfall und Prognosen für die weitere Entwicklung des Rohölpreises.

Von Mitte Jänner 2016 bis Anfang Juni ist der Ölpreis, ungeachtet kleiner Rücksetzern, gestiegen. Am 7. Juni notierte das Barrel Brent Oil an seinem bisherigen Jahreshöchststand von 52,4 Dollar. Doch Rohöl ist ein äußerst preissensitives Produkt. Kommt die Weltwirtschaft unter Druck oder werden auch nur die Prognosen revidiert, schon schwächelt auch der Ölpreis. Auch auf ein Überangebot des Schwarzen Goldes reagiert das Preisgefüge empfindlich. So geschehen seit dem Jahreshöchststand Anfang Juni und besonders in den letzten Tagen. Aktuell wird das Barrel Brent Oil wieder bei 44,50 Dollar gehandelt. Öl notiert damit unter der psychologisch wichtigen Marke von 45 Dollar.

In den vergangenen fünf Tagen hat sich der Anfang Juni eingesetzte Preisverfall für Brent Oil deutlich verstärkt. Aktuell notiert das Barrel bei 44,5 Dollar. Tendenz weiter fallend.

Überangebot befürchtet

Als Grund für den Rückgang des Ölpreise der vergangenen Tag gilt laut Analysten die Aussicht, dass die USA demnächst mehr Öl als bisher fördert und so auf den Preise drückt. Am Freitag hatte der US-Ölausrüster Baker Hughes gemeldet, dass die Zahl der Ölbohrlöcher in den USA weiter gestiegen ist. Diese haben um 14 auf 371 zugelegt. Mit der Zahl der Bohrlöcher steige auch die Sorge vor einem weiteren Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt.

Einen unerwartet kräftigen Zuwachs bei Benzinreserven gab es bereits. "Der Anstieg der Benzinvorräte, ungewöhnlich während der Sommerfahrsaison, lässt vermuten, dass die Rohölreserven in den kommenden Wochen steigen werden und sich daraufhin negativ auf die Ölpreise auswirken", so die HSH Nordbank in einer aktuellen Analyse. Zunehmende Benzinvorräte führen tendenziell zu sinkenden Ölpreisen: Denn die steigenden Benzinvorräte deuten darauf hin, dass Raffinerien auf eine höhere Nachfrage spekuliert haben und somit mehr Rohöl weiterverarbeitet wurde. HSH: "Da die Benzinlager nun bereits gefüllt sind, müssen die Raffinerien die Weiterverarbeitung des Rohöls drosseln." Zunehmende Lagerbestände bei Rohöl und sinkende Preise sind die Folge.


Es mehren sich negative Faktoren wie die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern, eine geringe Dynamik des gesamten Welthandels und das Ende des globalen Investitionsbooms

Insgesamt setzt Anlegern aber auch die Aussicht auf eine schwächere Weltkonjunktur zu. "Die Marktstimmung ist angeschlagen. Die Finanzanleger ziehen sich weiter aus dem Ölmarkt zurück und verstärken somit den Abgabedruck", so die Commerzbank in einer Studie. Es sei zu beobachten, dass sich Anleger weiter aus dem Ölmarkt zurückziehen und so den Verkaufsdruck verstärken. So hat der IWF seine Prognosen für die Entwicklung der Weltwirtschaft nach dem Brexit-Votum der Briten nach unten revidiert. Die Begründung: Die anhaltende Unsicherheit werde sich auf die Weltwirtschaft schlagen.

Am schwersten betroffen soll naturgemäß Europa sein. Heuer steigt das Wachstum laut IWF-Prognosen zwar noch von 1,5 auf 1,6 Prozent an, 2017 soll es aber von 1,6 auf nur noch 1,4 Prozent zurückgehen. "Es mehren sich negative Faktoren wie die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern, eine geringe Dynamik des gesamten Welthandels und das Ende des globalen Investitionsbooms", so Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie Deutschlands in seiner Halbjahresbilanz.

Belastend auf den Ölpreis wirkt auch die angespannte Situation in der Türkei. Das Land am Bosporus ist als Transitland für den Ölmarkt von besonderer Bedeutung. "Durch die Türkei verlaufen mehrere Ölpipelines mit einer täglichen Transportkapazität von mehr als drei Millionen Barrel und durch den Bosporus werden täglich etwa zwei Millionen Barrel pro Tag transportiert. Eine Behinderung der Transportwege würde zu einer unmittelbaren spürbaren Angebotsverknappung führen", so die HSH Nordbank in einer aktuellen Analyse.

Ölkonzerne und deren Zulieferer - auch in Europa - unter Druck

Schon bisher setzt der niedrige Ölpreis Ölkonzernen zu. BP gab nun bekannt, dass der Gewinn im zweiten Quartal um 45 Prozent eingebrochen ist. Investitionen werden in weiterer Folge erneut zurückgeschraubt. Um die Kosten zu senken, hat BP seine Ausgaben bereits im Vorjahr dreimal zurückgefahren und fast zehn Prozent der 80.000 Mitarbeiter entlassen. Auch andere Ölkonzerne streichen wegen des eingebrochenen Ölpreises ihre Investitionen zusammen - was auch Zulieferer trifft, wie ABB und Siemens auswirkt. Chemieriesen wie BASF setzt der Verfall des Ölpreises ebenfalls zu.

Sinkt der Ölpreis auf 40 Dollar?

BASF geht in seinen Planungen von einem Ölpreis von 40 Dollar aus. Sollte der Ölpreis für die Nordseesorte Brent nachhaltig unter 45 Dollar je Barrel fallen, erwarten die Commerzbank-Analysten sogar einen beschleunigten Preisrückgang.

„Derzeit ist der Markt hin und hergerissen zwischen schwachen kurz- und starken langfristigen Fundamentaldaten“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Dennoch wirkten sich Letztere positiv auf die Preisstabilität aus. Es bestehe kein Zweifel, dass sich die Investitionslücke in der Ölindustrie weiter vergrößern würde, sollte Öl für längere Zeit unter 50 Dollar pro Barrel gehandelt werden. „Je länger es dauert, das Angebotsüberhang abzubauen, desto größer wird das Risiko einer deutlichen Preiskorrektur“, so Saxo-Experte Hansen.

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