Ölaktien: Experten sehen Absturz als Kaufchance

Der Ölpreis am Weltmarkt ist seit Jahresbeginn um 70 Prozent abgestürzt. Die Kurse von großen Ölkonzernen um bis zu 50 Prozent. Nun haben Banken für Ölaktien die Kursziele angepasst, empfehlen diese aber vielfach zum Kauf. Die Erste Bank sieht die Baisse in der Ölbranche als Kaufgelegenheit.

Ölaktien: Experten sehen Absturz als Kaufchance

Fracking verursacht hohe Kosten. Um wengistens die Fixkosten zu decken, produzieren vor allem US-Firmen, trotz Überkapazitäten am Ölmarkt weiter.

Die Umstände für den Preissturz sind jedoch äußerst ungewöhnlich. Noch nie in der Geschichte gab es so einen rasanten Preisverfall wie Anfang der Woche. Der Preis für die US-Referenzsorte WTI stürzte sogar ins Minus. Die Sorte Brent, sie kostete im Jänner noch über 60 Dollar, sackte auf 20 Dollar pro Barrel ab.

Der Ölpreis am Weltmarkt ist seit Jahresbeginn um rund 70 Prozent abgestürzt. Die Kurse großer Player sind seither um 40 bis 50 Prozent in den Keller gerasselt. Nach dem großen Ausverkauf empfehlen nun erste Analysten wieder zum Kauf. So sieht die Erste Bank die Baisse in der Ölbranche als Kaufgelegenheit.

Lager in den USA bald gefüllt
Der Ölsektor kämpft vor allem mit einem großen Problem, den exporbitanten Überkapazitäten, die sich vor allem in den USA in den vergangenen Monaten aufgebaut haben und nun mit der Corona-Krise völlig aus dem Ruder laufen am Horizont abzeichnet. 160 Millionen Barrel lagern in Tankschiffen. Die Lager sind voll, speziell in den USA, wo Mitte Mai etwa in Cushing, Oklahoma, dem Abrechnungspunkt für Rohöl der Marke WTI,kein Platz mehr in den Lagern sein dürfte. Das weltweite Überangebot an Öl beträgt rund 30 Millionen Barrel Öl pro Tag ,was einem Rückgang von 100 Millionen Barrel Öl pro Tag vor der Corona-Krise entspricht.

Überkapazitäten halten an
An den hohen Überkapazitäten dürfte sich so schnell auch nichts ändern, wenn auch leichte Entspannung in Sicht ist. Ab Mai senkt die OPEC und Russland, nach wochenlangem Tauziehen, die Förderquoten, wenn das auch den Nachfragerückgang nicht kompensiert. Pro Tag werden zehn Millionen Barrel Öl weniger gefördert, was angesichts der hohen Überkapazitäten wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt. Auch Schiefergas, das vor allem in den USA gefördert wird, wird nach wie vor viel zu viel gefördert. Noch versuchen die die Unternehmen die Produktion so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Sie hoffen sie wenigstens ihre Produktionskosten zu decken, damit sich ihre Investitionen amortisieren und versuchen sich so lange zu retten bis ihre Absicherungen im Laufe des Jahres auslaufen.

Ölkonzerne sitzen auf Milliarden von Cash

Experten gehen, auch trotz des extremen Nachfragerückgangs, davon aus, dass sich der Ölpreis wieder erholen wird. So soll etwa US-Präsident Donald Trump mit den Schiefergas-Produzenten in den USA an einem Deal arbeiten. So könnte in den USA die Fracking-Produktion gekappt werden oder sie könnten dafür bezahlt werden, kein Öl zu fördern. Oder aber es gibt keine Stützungen des Marktes und ein Teil der US-Frakingindustrie geht pleite und der Markt regelt sich so selbst.

Bewährte Strategien gegen Ölpreisrückgang
Die großen Ölkonzerne haben über die Jahre längst Strategien entwickelt, um auf einen Ölpreisrückgang adäquat zu reagieren. Das bedeutet vielfach, dass sie ihre Produktion drosseln, die Förderung kostspieliger Felder werden, solange der Ölpreis zu niedrig ist, stillgelegt. Die großen Ölkonzerne sitzen vielfach auf Milliarden von Cashreserven und bieten deshalb oft auch lukrative Dividenden. So zahlt etwa der britische Ölkonzern Total rund fünf Prozent Dividendenrendite pro Jahr, bei Royal Dutch sind es 6,7 Prozent.

OMV-Aktie gilt als besonders attraktiv
Erste Bankhäuser wie die Erste Bank empfehlen nun Ölaktien wieder zum Kauf. So hebt die Bank die Aktie der OMV nach den jüngsten Kursverlusten von fast 50 Prozent in drei Monaten, als "besonders attraktiv" hervor, betonen jedoch, dass das Geschäftsjahr 2020 herausfordernd wird. Die wurde mit einem Verlust von 47 Prozent binnen drei Monaten auch besonders stark nach unten geprügelt. Das Kursziel wurde von bisher 60 Euro auf 40 Euro gesenkt. Was bei einem aktuellen Kurs von 25 Euro noch immer ein stattlicher Gewinn wäre. Beim Ertrag je Aktie erwarten die Erste-Analysten 2020 einen Verlust von 1,12 Euro. In den Folgejahren soll wieder ein Gewinn pro Stück von 1,88 Euro bzw. 6,52 Euro erwirtschaftet werden. Dividenden von ein Euro je Papier werden erst für 2021 und 2022 erwartet. Die Analysten der Bank Berenberg geben für die OMV ein Kursziel von 33 Euro aus.

Aktie von Total favorisiert
Für die Banker der Credit Suisse ist die Aktie von Total, sie ist in den vergangenen drei Monaten um rund 38 Prozent eingebrochen, unter den großen europäischen Ölkonzernen der Favorit. Unterstrichen wird in der Analyse die starke Bilanz und das im Branchenvergleich niedrige Break-Even-Niveau während des gesamten Wertschöpfungszyklus. Es reicht also ein vergleichsweise niedriger Ölpreis, um Kosten und Investitionen zu decken. Die Schweizer Banker haben für Total ein Kursziel von 47 Euro ausgegeben. Auch die Analysten der US-Bank JPMorgan empfehlen Total zum Kauf. Für die Aktie, die derzeit bei knapp 31 Euro notiert, wird ein Kursziel von 40 Euro ausgegeben und mit „übergewichten“ eingestuft. Zudem wird angenommen, dass der Konzern, trotz niedrigen Ölpreise dürften die europäischen Ölkonzerne ihre Dividenden für das erste Quartal nicht senken.

Was abstürzt, wird auch wieder steigen
Wer jetzt einsteigt, sollte sich aber darauf gefasst machen, dass die Kurse noch weiter nachgeben. Denn ein Ende der Pandemie und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen sind nicht absehbar, was die Preise an den Rohölmärkten weiter unter Druck bringt. Wenn sich durch den Angebotsüberhang die Lager weitere füllen, dürften auch die Preise für die Sorte Brent noch stärker nachgeben. Eines steht aber auch fest: Der Ölpreis wird wieder steigen und mit ihm die Notierungen von Ölaktien. Investoren sollten sich, ob sie sich jetzt oder erst später für einen Anstieg positionieren, vor allem auf jene Papiere konzentrieren, die breit aufgestellt sind und wie die OMV oder Total solide Bilanzen aufweisen.

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