Oberste Zentralbank warnt vor weiteren Geldspritzen

Oberste Zentralbank warnt vor weiteren Geldspritzen

Die Bank der Zentralbanken warnt vor der Geldpolitik der EZB.

Die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken lässt die BIZ, die Bank der Zentralbanken, zu einem ungewöhnlichen Aufruf hinreißen. Was der obersten Zentralbank die größten Sorgen bereitet und was im schlimmsten Fall droht.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ( BIZ) gilt als „Bank der Zentralbanken“ und nimmt eine Schlüsselrolle bei der Kooperation der Zentralbanken und anderer Institutionen ein. Genau diese oberste Institution der Notenbanken warnt nun die Europäische Zentralbank.

Zuerst Mal abwarten

Die Zentralbank der Notenbanken rät Währungshütern weltweit, mit ihrer laxen Geldpolitik nicht zu überziehen. Statt immer neue Maßnahmen zum Anheizen der niedrigen Inflation zu ergreifen, sollten sie mit geringen Preissteigerungsraten leben lernen, erklärte Claudio Borio von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Borio ist keringeringerer als Leiter der BIZ-Abteilung für Geldpolitik und Wirtschaft und ein erklärter Kritiker der ultra-lockeren Geldpolitik. Die Notenbanken müssten nicht ihre Mandate ändern, jedoch womöglich die Zeitspannen anpassen, in denen sie mit dem Erreichen ihrer Ziele rechneten.

Inflation von zwei Prozent nach mehr als drei Jahren massiver Geldspritzen nicht erreicht

Auch EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger plädiert dafür, die von der Notenbank ergriffenen Maßnahmen zum Anheizen der Inflation erst wirken zu lassen, bevor neue Beschlüsse ins Kalkül gezogen würden.

Zur Erinnerung: Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, hat dieses Ziel jedoch trotz niedrigster Zinsen seit mehr als drei Jahren nicht erreicht. Auch die Bank of Japan versucht bereits seit längerem, mit massiven Geldspritzen für Preisauftrieb zu sorgen - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Das Land gilt als gebranntes Kind, da es jahrelang in einer deflationären Abwärtsspirale gefangen war, in dem fallende Preise, sinkende Löhne und stockende Investitionen die Wirtschaft lähmten.

Schuldenfalle droht: Zurückzahlen von Schulden könnte unmöglich werden

Borio sieht die Gefahr, dass die Notenbanken weltweit mit ihrer Geldschwemme eine Lage heraufbeschwören könnten, in der die Rückzahlung von Verbindlichkeiten erschwert oder gar unmöglich gemacht wird: "Eine solche Schuldenfalle würde es schwierig machen, die Zinsen anzuheben, ohne der Wirtschaft zu schaden."

Die BIZ hat in diesem Zusammenhang bereits vor einem gefährlichen Anstieg der Unternehmensschulden in den Schwellenländern gewarnt. Dabei bereiten den BIZ-Volkswirten vor allem die gestiegenen Dollar-Verbindlichkeiten von Firmen Sorgen. Denn klettert der Kurs der US-Währung weiter, könnten manche stark verschuldete Unternehmen in Ländern wie China, Russland oder Südkorea in Bedrängnis geraten. Rund 9,7 Billionen Dollarschulden befanden sich den Experten zufolge Ende 2015 außerhalb der USA - etwa ein Drittel davon in Schwellenländern.

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