Neues Gesetz gibt Crowdfunding kräftigen Auftrieb

Neues Gesetz gibt Crowdfunding kräftigen Auftrieb

Crowdinvesting: Mit Kleinbeträgen in Projekten finanzieren mit absehbarer Veranlagungsfristen. Allerdings: Das Risiko der Veranlagung ist bei Crowdfunding nicht gering.

Nach Angaben des Fachverband der Finanzdienstleister sind Finanzierungen per Crowdfunding im Trend. Die Steigerungen belaufen sich im dreistelligen Bereich. Die Verbandsfunktionäre sprechen von einem Boom.

Wien. Alternative Finanzierungsformen für aufstrebende junge Unternehmen, Geschäftsideen oder zur Finanzierung von Projekten haben in Österreich offenbar Hochkonjunktur. Abseits vom Bankenkredit hat die Kapitalaufnahme über Crowdfunding im Jahr 2016 kräftig zugenommen. Allerdings noch immer auf bescheidenem Niveau.

Über die Crowdfundingplattformen Österreichs wurden im Jahr 2016 mehr als 22,7 Mio. Euro eingesammelt. Mit der Hilfe von sogenannter Crowdinvestoren wurden damit 71 Projekte finanziert. "Das ist mehr als das Doppelte der Summe aus 2014 und 2015 – ein Plus von 161 Prozent oder 14 Mio. Euro,“ Paul Pöltner, Vorsitzender des Fachausschusses Crowdinvesting-Plattformen des Fachverbands Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), gleichzeitig selbst Co-Geschäftsführer von der Crowdinvesting-Plattform Conda.

Österreichweit gibt es derzeit 13 Crowdfunding-Plattformen mit entsprechendem Gütesiegel. Über diese Plattformen werden Projekte in unter anderem in Österreich, Deutschland sowie in Entwicklungsländern präsentiert und die entsprechenden Bedingungen zum Unternehmen oder Projekt bekanntgegeben.

Das volumenträchtigste Projekt im Vorjahr war das erfolgreiche Crowdinvesting für den Wiener Fußballklub Rapid mit 3 Mio. Euro. Der Wiener Fußballklub hat sich damit eine Teilfinanzierung für den Neubau seines Stadions über insgesamt 1620 Investoren geholt.

Die Plattformen treten dabei als Mittler auf. Sie sammeln das Geld von den Investoren ein und sind für die Abwicklung zuständig. Investoren können via Internet ihren Finanzierungsanteil zeichnen. Finanziert wird so ziemlich alles, von Schneidermanufakturen, Wirtshaus- und Hotelumbauten, Skiliften, Stadionneu- und umbauten, Telemedizin und Sozialprojekten, neuen Fruchtsäften bis hin zu Klimaprodukten sowie Software so ziemlich alles alles, was man sich nur vorstellen kann.

Ein Boom dank neuer Regulierung

Der Boom sei laut WK-Branchenchef Pöltner unter anderem auch auf neue Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) zurückzuführen, mit dem der Rechtsrahmen neu definiert wurde. „Seit dieses im Herbst 2015 in Kraft getreten ist, wurde etwa vier Mal so viel gesammelt wie davor“, sagt Pöltner.

In Österreich wurden die ersten Crowdfunding-Finanzierer im Jahr 2013 gegründet. Bis heute wurden insgesamt 143 Projekte mit der Gesamtsumme von rund 34,5 Millionen Euro finanziert. 16 Projekte haben die in den Ausschreibungsbedingungen vorgeschriebene Fundingschwelle nicht erreicht und wurden somit nicht finanziert.

Bei Crowdfunding werden über viele Kleinbeträge von den Cowdinvestoren Darlehen mit fixer, im Regelfall mittelfristiger Laufzeit zur Verfügung gestellt. Sie bekommen im Gegenzug eine jährliche Verzinsung auf ihr Darlehen. Für den Schuldner hat dies den Vorteil, dass ein Crowdinvestment günstiger ist als ein Bankkredit. Der Investor bekommt nur dann den Zins ausbezahlt, falls das Unternehmen auch Gewinne erzielt.

Nach Ablauf einer im Prospekt vereinbarten Anlagefirst bekommt der Investor das Geld wieder retourniert, falls noch genügend Geld vorhanden ist und das Investment aufgegangen ist. Im Fall der Pleite des Unternehmens oder des Projekts droht den Investoren der komplette Verlust ihrer Einlage. Im Regelfall handelt es sich bei der Kapitalüberlassung um ein nachrangiges Darlehen. Die Forderungen anderer Geldgeber, also Banken und sonstige erstrangige Kapitalgeber, werden im Falle einer Insolvenz noch vor der Crowdinvestoren beglichen.

Crowdfunding-Plattformen in Österreich


Tausend Mal Tausend - Investitionen in Neugründungen (Startups), Projekte sowie etablierten Klein- und Mittelunternehmen (KMUs)
www.1000x1000.at

Conda - Investments in unterschiedliche Projekte, Startups- und Unternehmen
www.conda.eu

Crowd4Climate - Investitionen in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern
www.crowd4climate.org

Dagobertinvest - Investitionen in Immobilien und Mittelstandsunternehmen
www.dagobertinvest.at

Das Ertragreich - Investment in Unternehmen - etwa für Licht, Verpackungs- und Immobilienprojekte
www.dasertragreich.at

Evercrowd - Investition in regionale Unternehmen, Produkte & Porjekte (Interkulturelle Projekte, Telemedizin,
www.evercrowd.com

Finnest - Investition von bestehenden Unternehmen diverser Branchen
www.finnest.com

Fircst Cap - Investments in Startups
www.firstcap.eu

Green Rocket - Investitionen in Umweltprojekte
www.greenrocket.com

Home Rocket - Investition in Immo-Projekten
www.homerocket.com

Lion Rocket - Investments in Kleine und mittlere Unternehmen
www.lionrocket.com

Regionalfunding - Investieren in Unternehmen oder ökosozialen Projekten
www.regionalfunding.at

Rendity - Investition in ausgewählte Immobilien-Projekte
www.rendity.com

Bahram Sadighian, BlackRock, und Christoph Boschan, CEO Wiener Börse, bei der Präsentation des neuen ETF-Segments der Wiener Börse.

Geld

Wiener Börse startet mit ETF-Trading

Geld

Schwarzer Montag: Kommt 30 Jahre danach der nächste Börsen-Crash?

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung

Geld

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung