Dritter Markt: So locker sind die Vorschriften für Börsenkandidaten

Dritter Markt: So locker sind die Vorschriften für Börsenkandidaten

2019 wird es, was Emissionen betrifft, an der Wiener Börse wieder spannend.

Im Jänner geht mit dem Dritten Markt an der Wiener Börse ein Segment für KMU und Start-ups an den Start. Die Unterschiede zwischen den neuen Börsenplätzen "direct market", "direct market plus" und großen Börsen wie dem ATX.

Am 21. Jänner 2019 geht an der Wiener Börse erstmals nach Jahren wieder ein Börsensegment für KMUs und Start ups an den Markt. "Es als Kinderstube für den amtlichen Handel gedacht. Der neue Börsenplatz soll dazu dienen, so Unternehmen zu größeren heranwachsen zu lassen", erklärt Maria Zorn von der Wiener Börse. Vieles soll durch diesen sogenannten Dritten Markt für kleinere Unternehmen, die an der Börse notieren möchten, einfacher und auch billiger werden als an den größten Wiener Märkten, Prime oder Standard Market.

Die Voraussetzungen der beiden neuen Marktplätze im Dritten Markt

5.000 Euro für den Start reichen
Der Einstieg in den Dritten Markt ist günstig. Um an der neuen Börse notieren zu können, ist man bei der Erstemission als Unternehmen mit 5.000 Euro dabei. Zur Auswahl stehen entweder der „direct market“ oder der „direct market plus“. Die Zulassungs- und Publizitätspflichten sind wesentlich geringer als für Unternehmen, die im Prime oder im Standard Market gelistet sind.

Direct market plus mit höheren Anforderungen als im direct market
Um als Unternehmen im strengeren davon, dem direct market plus, gelistet zu werden, müssen die Unternehmen mindestens seit einem Jahr bestehen. Für den direct market gibt es diesbezüglich keine Untergrenze. Aus einer GmbH muss in beiden Fällen zunächst eine Aktiengesellschaft (AG) werden. Die Gesellschafter müssen gemeinsam mindestens 70.000 Euro Grundkapital in die AG einbringen. Ein Mindestemissionsvolumen wie beim Prime Market (Amtlicher Handel) ist nicht vorgesehen. "Die Höhe hängt vom Wachstum des Unternehmens und davon und ob es sich um ein etabliertes Geschäftsmodell handelt oder etwa um ein Start up", erläutert Wiener Börse Sprecherin Zorn. Als Richtwert für die Marktkapitalisierung gilt jedoch beim Start ein Millionenbetrag in einstelliger Höhe. 15 bis 20 Aktionäre sollten es pro Aktie sein.

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Wann ein Kapitalmarktcoach vorgeschrieben ist
Unternehmen, die im direct market plus notieren möchten, müssen sich zudem ein Jahr lang von einem sogenannten Capital Market Coach begleiten lassen. Bevor Start-ups an die Börse gehen, sollten diese vorher jedoch die typischen Finanzierungsstadien wie Business-Angels, Seed-Finanzierung, Venture Capital und Private Equity durchlaufen haben.

Wann ein Kapitalmarktprospekt verlangt wird
Emittenten brauchen für die Erstnotiz lediglich ein Informationsmemorandum, den Jahresabschluss, einen aktuellen Firmenbuchauszug, die Satzung, und je nachdem, und wenn durch den Börsengang frisches Kapital über eine breite Anlegerbasis aufgenommen wird, ein Kapitalmarktprospekt. Wenn es sich nur um ein Listing handelt und kein öffentliches Angebot ist ein Prospekt nicht notwendig. Zahlreiche andere Bestimmungen, etwa die Notwendigkeit Abschlüsse nach IFRS- zu bilanzieren und die Umsetzung des EU-Übernahmegesetzes gelten im Gegensatz zum Amtlichen Handel (ATX) nicht.

Entscheidung der Börse fällt binnen weniger Tage
Hat das Unternehmen alles Notwendige zusammen, ist an der Börse ein schriftlicher Antrag notwendig, um eine Emission am Dritten Markt zu beantragen. Die Wiener Börse entscheidet dann binnen weniger Tage, ob einer Emission stattgegeben wird oder nicht.

Ad hoh Meldungen auch für kleine Unternehmen erforderlich
Um in weiterer Folge im Dritten Markt plus notieren zu dürfen, müssen die Unternehmen, wie im großen ATX, börsenrelevante Informationen per Ad hoc Meldung unmittelbar danach, etwa nach einer Abstimmung, publizieren. Weitere Informationen über den Einsteig in den direct market plus finden Sie hier.

Zum Vergleich: Voraussetzungen für Unternehmen im ATX

Mindestvolumen: 2,9 Millionen Aktien
Um in den amtlichen Handel (ATX) aufgenommen zu werden, muss bei der Zulassung eines Unternehmens ein Mindestvolumen von 2,9 Millionen Aktien auf den Markt kommen. Privatanlegern müssen Papiere im Wert von 725.000 Euro mindestens angeboten werden. Als Streubesitz reicht letztlich ein Volumen von 181.250 Euro. Die Rechnungslegung muss nach International Accounting Standard (IAS) gelegt werden, um die Unternehmen besser vergleichbar zu machen. Börsenrelevante Informationen müssen per Ad hoc Meldung unmittelbar nach einer Abstimmung publiziert werden.

Anleger im neuen Börsensegment sollten die Risiken jedoch nicht unterschätzen: "Je kleiner die Unternehmen, umso größer die Risiken", warnt Börsenprofi Zorn.

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