Das Nein der Italiener prallt am Finanzmarkt ab

Das Nein der Italiener prallt am Finanzmarkt ab

Die Börsen in Fernost hatten in einer ersten Reaktion auf das Referendum in Italien mit kurzfristigen Abschlägen reagiert. In Europa geben sich Anleger unbeeindruckt. Von Verunsicherung oder Italien-Schock keine Spur.

Nach Brexit und Trump-Wahl wurde das Reformvorhaben von Matteo Renzi als nächste Belastungsprobe apostrophiert. Und nicht wenige Experten hatten damit gerechnet, dass im Fall einer Niederlage von Renzi die Börsen einmal mehr verrücktspielen, weil dadurch eine Euro-Krise eingeleitet würde. Doch nichts ist geschehen. Im Vorfeld wurde bereits mit einem Scheitern gerechnet.

Die Niederlage von Italiens Regierungschef Renzi und seinem nun angekündigten Rücktritt hat somit die Anleger nicht beeindruckt. Mit einer Ausnahme: In Italien erwischte es die Krisenbanken, deren Aktien Kursverluste hinnehmen mussten. Die Aktien der Unicredit verloren 4,8 Prozent, Intesa Saopaolo waren mit 1,5 Prozent im Minus – nach einem Minus von 3,3 Prozent in der Früh. Die Aktie der Krisenbank Monte dei Paschi notierte an der Mailänder Börse mit fast zwei Prozent im Minus. Zum Handelsauftakt wurde die Aktie allerdings nach einem Absturz von zehn Prozent zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Allerdings wird es auch hier darauf ankommen, wie die Tauschofferte von Schulden in Aktien bei den Gläubigern ankommt. Ein Volumen von 5 Milliarden Euro Schulden soll in Eigenkapital zu tauschen und eine Kapitalerhöhung vollzogen werden um das Bankhaus zu sanieren.

Die Börsenindex der Mailänder Börse legte vor allem aufgrund der Bankentitel eine Berg- und Talfahrt hin. Der Börsenindex FTSE MIB notierte (gegen 13:30 Uhr MEZ) mit 0,1 Prozent knapp im Minus bei 17.086,85 Punkten.

DAX, FTSE-100, ATX und Euro Stoxx notierten im Plus. Der DAXin Frankfurt konnte um 1,42 Prozent auf 10.662 Punkte. Der FTSE-100 in London notierte um 0,2 Prozent höher bei 6.745 Punkten. Der ATX in Wien konnte um 0,72 Prozent auf 2519,66 Punkte zulegen. Der Euro Stoxx 50 konnte um 1,04 Prozent auf 3046,43 Punkte zulegen.

Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen legten hingegen daher zu. Bis zum Mittag stieg die Rendite für zehnjährige Anleihen um 13,3 Basispunkte auf 2,03 Prozent.

Nicht nur diejenigen, die bereits mit einem negativen Ausgangs des Referendums gerechnet hatten, waren kaum überrascht, dass die Börsen am Montag sich im ruhigen Fahrwasser halten konnten. Ein negatives Votum sei bereits „eingepreist“ hieß es am Montag. Skeptiker hatten vorige Woche noch ganz andere Szenarien im Fall aufgezeigt, falls das Votum scheitert.

Vertane Chance

Die Enttäuschung der Ökonomen ist dennoch groß, dass eventuell eine Eurokrise aus dem Nein der Italiener entstehen könnte. Italien habe eine Chance auf Reformen verpasst, meinen gleich mehrere Experte. Allerdings gibt es auch Stimmen, die Warnungen vor einer neuen Eurokrise für übertrieben halten. Gestürzte Regierungen seien schließlich nichts Neues

Das Nein der Italiener beim Verfassungsreferendum ist nach Einschätzung von Volkswirten ein herber Rückschlag für das hoch verschuldete Land. Das Ergebnis der Abstimmung bedeute "weitere verlorene Zeit", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, am Montag.

Das Risiko

Und dennoch: Die italienische Wirtschaft schwächelt, die Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Einen Austritt des Landes aus dem Euroraum halten Volkswirte zwar für unwahrscheinlich, aber das Risiko sei gestiegen.

Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht eine Verlängerung der wirtschaftlichen Stagnation der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft nach dem angekündigten Rücktritt von Regierungschef Renzi. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien dauerhaft Mitglied der Eurozone bleibt, ist gesunken“, meint Fuest.

Die Berenberg-Bank hält einen Austritt Italiens aus der Währungsunion weiterhin für unwahrscheinlich. Das Risiko habe jedoch etwas zugenommen - wenn auch nicht stark, erklärte Chefvolkswirt Holger Schmieding.

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski kalmiert die Sorgen vor einer neuen Eurokrise und hielt diese für übertrieben: „Gestürzte Regierungen in Italien sind nun wirklich nichts Neues, und Europa hat schon Vieles überlebt." Und Raiffeisen Research hält die Sorge vor einer Erschütterung der Stabilität der Eurozone „aktuell für übertrieben“. Für die kommenden Monate sehen die Raiffeisenbanker sogar eine „stabile Instabilität“, wie sie in der Vergangenheit immer wieder vorkam.

Die Anleger haben offenbar auch ihre Lehren aus den vergangenen Monaten gezogen. „Die Märkte werden diesen Ausgang verschmerzen“, sagt Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer von FERI. „Sie haben aus den politischen Wendungen, die das Jahr 2016 bislang brachte, gelernt Das negative Italien-Votum sei schon im Vorfeld antizipiert und quasi eingepreist.“

Aktienmarkt und Staatsanleihen hatten in den vergangenen Wochen „ausgeprägte Schwächen“. Die Risiko-Spreads seien bereits seit August deutlich angestiegen, und auch der Euro habe zuletzt deutlich abgewertet, so FERO-Vorstand Rapp. FERI rechnet deshalb damit, dass negative Marktreaktionen nach dem Italien-Referendum nur kurzfristig anhalten und nicht sehr stark ausfallen werden.

Zickzack beim Euro

Die Gemeinschaftswährung hat am frühen Morgen eine kleine Tauchfahrt unternommen: Bis auf 1,0508 Dollar rauschte der Euro nach unten - eine neue Euro-Krise stand offenbar für viele Anleger am Devisenmarkt als Möglichkeit da. Das war der tiefste Stand seit Mai 2015.

Doch im Verlauf des Vormittags hat der Euro wieder gedreht auf 1,0636 Dollar. Somit hat der Euro wieder auf den Wert gestellt vor der Wahl der Italiener.

Keine Krise - kein Gold

Die „Krisenwährung“ Gold war Montagfrüh kaum in Bewegung. Die Anleger waren gefasst und warfen die Nerven auch hier nicht weg. Im Gegenteil: Der Preis für die Feinunze ist sogar zur Mittagsnotierung um rund ein Prozent auf 1,165 Dollar gesunken.

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