Negativer Trump-Effekt: Börsen drehen ins Minus

Das Spektakel, das der künftige US-Präsident Donald Trump bei seiner ersten Pressekonferenz veranstaltet hat, indem er manche Journalisten, darunter einen Reporter von CNN, der Fake-News bezichtigt hat, ist an der Börse nicht gut angekommen. Trump hatte nach unzähligen Ankündigungen im Wahlkampf und via Twitter die Chance vertan, vor allem Konkretes zu seinem Wirtschaftsprogramm zu sagen. Überdies hat sein designierter Außenminister und Ex-Exxon-Manager Tillerson Gegenteiliges zu Trumps bisheriger Agenda signalisiert.

Negativer Trump-Effekt: Börsen drehen ins Minus

Die erste Großchance hat "President-elect" Donald Trump versemmelt: Die Börsianer sind fürs erste Mal enttäuscht.

Donald Trump hat einmal mehr eine große Show abgezogen, aber konkrete Aussagen über ein Wirtschaftsprogramm ist der "President-elect" schuldig geblieben. Er hatte zwar Anlauf genommen, einige wirtschaftliche Andeutungen gemacht, schlussendlich hatte er dann abgedreht und all seinen Mitstreitern gedankt. Schwach für einen zukünftigen Präsidenten, der erstmals abseits von Twitter endlich Farbe bekennen sollte, um vor allem die Akteure der "Markets" - wie Trump die Börsen kurz stets nennt - zufrieden zu stellen. Trump präsentierte sich unverändert in seiner Wortwahl und dem Affront gegenüber manche Pressevertreter im "Wahlkampfmodus" und profilierte sich einmal mehr als "Polterer".

Am Donnerstag haben sowohl Aktien- und Devisenkurse ins Minus gedreht. Der Dax in Frankfurt notiert mit 1,07 Prozent im Minus, der FT-SE-100 der Börse London verlor ebenso 0,14 Zähler. Mit Börsenöffnung am Donnerstag in den USA sind auch die US-Indices Dow Jones, S&P 500 sowie der Nasdaq in New York zwischen 0,75 und 0,8 Prozent im Minus. Die Enttäuschung hatte sich bei Börsianern breit gemacht. Einige Analysten meinten, Trump hätte ein leichtes Spiel gehabt etwas mehr zu seinem Wirtschaftsprogramm zu sagen. Weder zu Steuersenkungen, noch zu dem immer wieder angekündigten Infrastrukturprogramm hatte Trump in seiner geradezu als Reality-Show anmutenden Pressekonferenz nichts Konkretes zu melden.

Die damit verbundene Unsicherheit hatte nach der Pressekonferenz nicht nur die Aktienkurs, sondern auch den US-Dollar belastet. Und die Abwärtstendenz hält an. Der Der Euro hat am Nachmittag an die kräftigen Gewinne vom Vortag angeknüpft und ist auf den höchsten Stand seit Beginn des neuen Jahres gestiegen. Der Euro ist um 0,75 Prozent am Donnerstag gestiegen und kletterte auf 1,0661 Dollar.

Tillersons Contra gegen Trump

Konkreter als der "President-elect" war hingegen der designierte US-Außenminister Rex Tillerson. Der Multimilliardär und Ex-Exxon-Chef hatte in seiner Anhörung vor im US-Senat einige Punkte aus dem Wahlprogramm Trumps konterkariert und somit widersprochen. Tillerson äußerste sich recht kritisch über Russland. Er zeigte außerdem Verständnis für die Sorgen mancher NATO-Partner. Vor allem zu den Themen Klimaschutz und Freihandel vertritt der ehemalige Exxon-Chef andere Positionen als Trump. Zum Klimawandel meinte Tillerson, dass ein internationaler Dialog fortgesetzt werden müsse.

Trump hatte den Klimawandel als "Scherz" bezeichnet, nach seinem Wahlsieg hatte er aber fast eine Kehrtwende vollzogen und gemeint, er stehe dem Thema "offen" gegenüber. Der US-Milliardär hatte zudem angekündigt das Pariser Klimaschutzabkommen zu kündigen. Anders Tillerson: Die USA sollte "ihren Platz am Tisch behalten" und "bei den Gesprächen über die Bedrohungen des Klimawandels, die eine weltweite Antwort erfordern". "Kein Land kann das alleine lösen", fügte er hinzu.

Ein weiterer gravierender Unterschied zu Trumps Visionen hat Tillterson beim Freihandel aufgezeigt und Trump widersprochen: "Ich lehne TPP nicht ab." Er teile aber Ansichten Trumps "in Bezug darauf, ob die ausgehandelte Vereinbarung allen Interessen Amerikas am besten dient".

Das Abkommen zwischen zwölf Pazifik-Anrainerstaaten ist fertig ausgehandelt, aber noch nicht vom US-Senat ratifiziert. Unter anderem saß Japan mit am Verhandlungstisch - nicht jedoch China. Bei einem Scheitern von TPP könnte Chinas wirtschaftliche Macht im Pazifikraum weiter wachsen.

Mit Blick auf Chinas Vorgehen im Südchinesischen Meer hat Tillerson eine härtere Gangart gegenüber Peking angekündigt: "Wir werden China ein klares Signal senden müssen." China müsse den Bau künstlicher Inseln einstellen, zudem dürfe China kein Zugang zu diesen Inseln gestattet werden. In diesem Punkt teilt der designierte Außenminister die Ansichten von Trump.

Offen blieb bei der Anhörung, welche Haltung der 64-jährige Tillerson in der Frage von Strafmaßnahmen gegen Russland einnimmt - bislang lehnte er die Russland-Sanktionen ab. Trump will die Beziehungen zu Russland verbessern und strebt eine gute Arbeitsbeziehung zu Präsident Wladimir Putin an, Tillerson pflegte als Ölmanager selbst enge Beziehungen zu Putin.

In der Frage der Atomwaffen sprach sich Tillerson dafür aus, dass die USA sich weiter für die nukleare Nichtverbreitung einsetzen sollten. "Wir können nicht von unserer Verpflichtung abweichen, die Zahl dieser Waffen auf dem Planeten zu reduzieren", sagte er. Auf die Frage, ob Länder wie Südkorea und Japan Atomwaffen besitzen sollten, wie es Trump angedeutet hatte, antwortete Tillerson: "Das sehe ich nicht so."

Der Zinsfeldzug von Trump gegen Yellen

Ein eisiger Wind wird künftig der US-Notenbank-Präsidentin Janet Yellen ins Gesicht blasen, die von Donald Trump bereits im Wahlkampf als Gegner auserkoren wurde. Yellen wurde von Trump öffentlich beschimpft, dass sie nicht unabhängig sei. Die verbalen Breitseiten gipfelten in dem Vorwurf, sie halte die Zinsen auf Geheiß des scheidenden Präsidenten Barack Obama niedrig und solle sich - so wörtlich Trump - "dafür schämen".

Nach Ablauf ihrer Amtszeit an der Spitze der Fed will er sie abberufen. Yellen bleibt somit wohl nur noch gut ein Jahr, um der Geldpolitik ihren Stempel aufzudrücken. Doch Trumps Leute haben sich schon auf Yellen eingeschossen. Sie muss sich auf Gegenwind im Kongress gefasst machen. Republikanische Parlamentarier wollen die mächtigste Notenbank der Welt an die kurze Leine nehmen. Die über 100 Jahre alte Fed ist zwar von der Politik unabhängig. Trump hat in seine Bulldozer-Manier mit verbalen Attacken immer wieder in Richtung Notenbank geschossen.

Im Gespräch ist eine Art geldpolitisches Korsett, das den Bewegungsspielraum der Fed stark einengen würde. Dass Yellen in dieser brisanten Lage vorzeitig das Handtuch wirft, gilt dennoch als unwahrscheinlich: "Auch wenn Yellen unter Druck geraten dürfte, weiß sie doch, dass ein Rücktritt der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Fed schaden würde", sagt der Amerika-Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Mickey Levy.

Der Konjunkturaufschwung in den USA erfordert laut Notenbank-Führungsmitglied Patrick Harker ein schnelleres Tempo bei Zinserhöhungen. "Ich sehe drei moderate Anhebungen für dieses Jahr, vorausgesetzt, die Wirtschaft bleibt in der Spur", sagte der Chef des US-Notenbankablegers in Philadelphia am Donnerstag auf einer Veranstaltung im Bundesstaat Pennsylvania. 2016 und auch 2015 hatte die Zentralbank jeweils nur ein Mal die geldpolitischen Zügel gestrafft. Die Wirtschaft zeige nun "beträchtliche Stärke", sagte Harker.

Der Unsicherheitsfaktor Trump

Für die Weltwirtschaft gibt es nach Ansicht vieler Experten ein neues Stabilitätsrisiko: Der US-Milliardär und neue US-Präsident Donald Trump. Die Ängste, die zahlreiche Ökonomen, Manager und Politiker mit Trump verbinden und die er mit seinen unzähligen Twitter-Nachrichten sowie der ersten Pressekonferenz seit der Wahl noch bestärkte, sind groß. Vor allem fürchten viele den Ausbruch von Handelskriegen. Auch bei Devisen sind unruhige Zeiten vorprogrammiert. Zudem könnten Trumps Steuerpläne den weltweiten Unterbietungs-Wettbewerb bei Firmensteuern anheizen. Viel Wirtschaftsexperten sprechen von einem "hohen Grad an Unkalkulierbarkeit".

Die ersten Folgen sind bereits in Mexiko in Zahlen sichtbar. Im US-Nachbarland hat Trump bereits einen Kurssturz der Währung sowie Turbulenzen in der Wirtschaft ausgelöst. Zur Ankündigung von Toyota, ein Werk in Mexiko zu bauen, twitterte er die Drohung: "Keineswegs. Baut die Fabrik in den USA oder zahlt hohe Importzölle". Auch deutsche Autokonzerne horchten auf. Die US-amerikanischen Toyota-Konkurrenten Ford und General Motors erhielten via Twitter die Ansagen, dass sie nicht Werke in Mexiko bauen, sondern Jobs in den USA schaffen sollte.

Doch dazu war in seiner ersten Pressekonferenz nicht die Rede.

Das geheime Dossier

Allen Dementis zum Trotz muss sich Trump auch in seiner ersten Pressekonferenz Berichte über belastendes Material in den Händen Russlands auseinandersetzen. Das kompromittierende Material, über das der Kreml angeblich verfügen soll, war das dominierende Thema der Pressekonferenz, was Trump sichtlich empörte.

Die Geheimdienste hätten noch kein Urteil darüber getroffen, ob die entsprechenden Informationen "glaubwürdig" seien, erklärte US-Geheimdienstdirektor James Clapper am Mittwoch (Ortszeit) nach einem Gespräch mit Trump.

Trump attackierte Medien und Geheimdienste seines Landes für die entsprechenden Veröffentlichungen. Clapper erklärte, er habe Trump am Mittwochabend seine "tiefe Bestürzung" über die Medienberichte zum Ausdruck gebracht. Er sei sich mit Trump einig gewesen, dass die Berichte "äußerst zerstörend und schädlich für unsere nationale Sicherheit" seien. Clapper geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Informationen nicht von den US-Geheimdiensten an die Medien weitergegeben wurden.

Trump hatte zuvor die Geheimdienste verdächtigt, Informationen über ein angeblich russisches Dossier mit belastendem Material lanciert zu haben. Derartige Durchstechereien seien laut Trump "schändlich" und "illegal".

Der 35-seitige Bericht über Trump sei von einem früheren Agenten des britischen Geheimdienstes MI6 zusammengestellt worden. Der Autor, Ex-Agent Christopher Steele, leitet inzwischen die Londoner Firma Orbis Business Intelligence. Die frühere Arbeit dieses Agenten werde von US-Geheimdienstmitarbeitern als vertrauenswürdig eingestuft.

Doch Trump bezeichnete die Berichte als "Fake-News". Er weigerte sich, die Frage eines CNN-Reporters zu beantworten. Dem US-Sender vor, "Fake News" zu verbreiten. CNN hatte lediglich berichtet, dass Russlands angebliche Informationen über Trump Thema eines Gesprächs zwischen Trump und US-Geheimdienstchefs gewesen seien.

Trump soll eine zweiseitige Zusammenfassung des 35-seitigen-Orbis-Bericht erhalten haben. In dem Bericht ist unter anderem von einem Sexvideo mit russischen Prostituierten in einem Moskauer Hotelzimmer von Trump die Rede.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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