Nachlassende Brexit-Sorgen lösen an den Börsen Kursfeuerwerk aus

Die Börsen in Europa haben am Montag kräftig zulegen können. Die Prognosen und Wetten auf einen Verbleib von Großbritannien in der EU haben am Montag ein Kursfeuerwerk entfacht. Der Goldpreis gibt indes nach. Finanzwerte waren besonders gefragt.

Nachlassende Brexit-Sorgen lösen an den Börsen Kursfeuerwerk aus
Nachlassende Brexit-Sorgen lösen an den Börsen Kursfeuerwerk aus

Frankfurt. Erleichterung an den Börsen auf breiter Front: Vier Tage vor der Volksabstimmung in Großbritannien über einen Austritt oder einen Verbleib in der Europäischen Union (EU) überwiegt bei Anlegern die Zuversicht. Buchmacher sehen das Pro-EU-Lager inzwischen deutlich vorn. Der Dax (ISIN DE0008469008) kletterte am Montag um 3,2 Prozent auf 9.936 Zähler, der EuroStoxx50 (ISIN EU0009658145) legte um 3 Prozent auf 2.935 Zähler zu.

Der britische Leitindex "Footsie" gewann 2,5 Prozent. "Das ist eine Erleichterungsrally", sagte Marktstratege Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. "Die Finanzmärkte hängen mittlerweile ausschließlich an den Brexit-Umfragen." Am Donnerstag stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht.

An der Wiener Börse stieg der ATX (ISIN AT0000999982) um 2 Prozent und lag gegen Mittag bei rund 2.183 Punkten.

Entspannung am Devisenmarkt

Auch am Devisenmarkt war die Entspannung deutlich zu spüren. Der Euro verteuerte sich zeitweise um einen Cent und erreichte mit 1,1382 Dollar den höchsten Stand seit elf Tagen (--> aktueller Kurs EUR/USD). Die britische Währung, die in den vergangenen Wochen stark unter Druck gestanden war, legte noch stärker zu. Das Pfund Sterling gewann drei Cent auf 1,4671 Dollar. Es war der größte Kurssprung seit fast eineinhalb Jahren (--> aktueller Kurs EUR/GPB) . "Offensichtlich verfestigen sich die Wetten auf einen Verbleib der Briten in der EU", schrieb Investmentanalyst Clemens Bundschuh von der LBBW in einem Kurzkommentar.

Buchmacher taxierten die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs Großbritanniens in der EU dem Wettanbieter Betfair zufolge auf 75 Prozent, um rund zehn Prozentpunkte mehr als am Freitag. In Großbritannien ging der Wahlkampf weiter, nachdem er Ende der vergangenen Woche wegen des Mords an der Labour-Abgeordneten und EU-Befürworterin Jo Cox kurzzeitig ausgesetzt worden war.

Aufatmen an Rohstoffmärkten

Die gestiegene Risikofreude der Anleger machte sich auch an den Rohstoff- und Anleihemärkten bemerkbar. Der Preis für ein Barrel Nordsee-Öl Brent (ISIN XC0007240267) knackte wieder die 50-Dollar-Marke (44,4 Euro) und auch das wichtige Industriemetall Kupfer legte deutlich zu. Gold verbilligte sich dagegen um über ein Prozent auf 1.282 Dollar je Feinunze (--> aktueller Goldpreis). Auch Bundesanleihen, die Investoren in schwierigen Zeiten gerne in ihre Depots legen, weil sie als eine der sichersten Anlagemöglichkeiten gelten, waren nicht mehr so stark gefragt. Das trieb die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen deutschen Bundesanleihen wieder in deutlich positives Terrain. Sie rentierten bei 0,05 Prozent, nachdem sie vergangene Woche zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ins Minus gerutscht waren.

Besonders gefragt an den europäischen Aktienmärkten waren Bankenwerte. Unter den zehn größten Gewinnern im EuroStoxx50 waren sieben Finanzwerte. Deutsche Bank (DE0005140008) legten mehr als 6 Prozent zu, UniCredit (IT0004781412), BNP Paribas, Intesa Sanpaolo und ING gewannen bis zu fünf Prozent. Der europäische Bankenindex stieg um bis zu 4,8 Prozent auf den höchsten Stand seit zehn Tagen.

Volkswagen (DE0007664005) machten nach einer Kaufempfehlung von JP-Morgan-Analysten und einem Medienbericht über eine Einigung im Dieselskandal in den USA Boden gut. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, VW stehe kurz vor der Zahlung von 10 Milliarden Dollar. "Dies wäre positiv, da VW bereits eine Zahlung in dieser Höhe in Aussicht gestellt hat", sagte ICF-Analyst Ruland.

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