Nachbeben an der Börse nach geplatztem Mega-Deal von Unilever

Nachbeben an der Börse nach geplatztem Mega-Deal von Unilever

Kraft Heinz wollte seine Produktpalette mit Unilever-Produkten auffetten. Die Spekulanten wurden kalt erwischt.

Nachdem die Übernahme von Unilever durch Kraft Heinz nicht geklappt hat, kamen nicht nur die Aktienkurse der beiden Konzerne unter Druck. Ob Kraft-Heinz sich dem verpatzten Übernahme-Offert begnügt, darf bezweifelt werden. Unilever könnte hingegen nun selbst auf Einkaufstour gehen.

New York/London. Es wäre der größte Übernahme-Deal der Wirtschaftsgeschichte gewesen. 143 Milliarden Dollar hätte Kraft Heinz in die Hand genommen, um den doppelt so großen Lebensmittelkonzern Unilever zu schlucken. Doch daraus wurde nichts.

Einfacher Grund für die verpatzte Übernahme: Die Pläne von Kraft Heinz wurden zu früh publik und zirkulierten schon gerüchteweise am Freitag an den Börsen, so dass der US-Ketchup- und Lebensmittelkonzern gezwungen war, seine Absichten früher als gewollt zu publizieren. Doch schon 48 Stunden nach der offiziellen Bekanntgabe war der Spuk vorbei. Und Kraft Heinz wurde zur Aufgabe gezwungen, vor allem weil Unilever nicht im Geringsten bereit war auf das Offert einzusteigen.

Der britisch-niederländische Lebensmittelkonzern Unilever hatte allerdings am Freitag schon abgewunken. 50 Dollar pro Aktie seien zu wenig. Experten glauben, dass der Ketchup-Konzern Kraft Heinz mindestens 60 Dollar pro Aktie bieten müsse. Doch vorläufig wird es damit nichts werden.

Der Kaltstart der Woche

An der Börse ging es hingegen am Freitag schon rund. Für viele Spekulanten schien der Deal bereits fix. Sie hatten am Freitag bereits kräftig auf beide Aktien gezockt - und auch schnelles Geld machen können. Sie waren überzeugt davon, dass dem Ketchup-Konzern der Zukauf von weiteren Lebensmittel- und Konsumartikelmarken - wie Knorr, Sanella, Lipton, Dove, Domestos, Langnese unter einem Dach - eine sinnvolle Ergänzung wären. Kraft Heinz war erst 2015 durch die Fusion des Lebensmittelherstellers Kraft und dem Ketchup-Konzern Heinz entstanden.Der Deal war 55 Milliarden Dollar schwer.

Am Montag war zunächst der Börsenzauber vorbei. Die Anleger wurden mit dem Rückzug des Ketchup-Konzerns kalt erwischt. Mit den Unilever-Aktien ging es bergab. Spekulanten warfen die Unilever-Aktien wieder aus dem Depot, was am Montag zu einem minus von sieben Prozent führte - die Aktie hatte somit die Hälfte des Zugewinns vom Freitag bereits verloren. Analysten gehen davon aus, dass der Kurs womöglich noch weiter Federn lässt. Die Kraft-Heinz-Papiere verloren in Frankfurt 2,5 Prozent. Wegen dem Feiertag in den USA (George Washingtons Geburtstag) bleibt die Wall Street am Montag geschlossen.

Die Kraft Heinz-Aktien schnellten alleine am Freitag zwischenzeitlich um 18 Prozent in die Höhe, Unilever-Aktien setzen an auf Rekordhöhe und konnten immerhin um fast 15 Prozent zulegen und notierten zum Schluss bei 14 Prozent plus. Kraft Heinz ging mit knapp elf Prozent aus dem Handel.


Lesen Sie auch:
Mega-Deal: Abfuhr für Kraft Heinz von Unilever


Aber auch andere Lebensmittel- und Konsumartikelhersteller bekamen das Nachbeben an der Börse zu spüren. Die Aktien von Henkel und Beiersdorf verloren bis zu zwei Prozent. Sie waren im Schlepptau der beiden Rivalen am Freitag um je mehr als zwei Prozent gestiegen.

Auftakt zu Fusionen

Für Kraft Heinz ist der verpatzte Übernahmeversuch peinlich. Das Nachbeben wird mindestens sechs Monate dauern, um einen zweiten Anlauf zu starten. Britisches Übernahmerecht sieht im Fall eines abgesagten Übernahmeversuchs eine Abkühlungsphase von sechs Monaten vor bis der nächste Anlauf genommen werden kann.

Doch ist davon auszugehen, dass die beiden Hauptaktionäre von Kraft Heinz, Berkshire Hathaway von US-Starinvestor Warren Buffet (27 Prozent der Aktien) und der brasilianische Finanzinvestors 3G Capital (24 Prozent), weiter auf eine Übernahme pochen dürften.

Marktbeobachter rechnen damit, dass der geplatzte Megadeal das Übernahmekarussell wieder in Schwung bringen könnte. Unilever wird bereits nachgesagt, womöglich den Zahnpastahersteller Colgate-Palmolive auf der Shortlist zu haben.

Und auch Kraft Heinz dürfte weitere Übernahmen ins Auge gefasst haben. So wird bereits damit gerechnet, dass die Amerikaner den Konsumgüterkonzern Mondelez (Milka, Tuc) als Übernahmeziel ins Visier genommen haben.

Dass der US-Ketchup-Konzern nach dem verpatzten Deal weiterhin an einer Übernahme von Unilever interessiert ist, dürfte nicht nur der sich ergänzenden Produktpalette geschuldet sein. Der neue Konzern würde es auf einen von gut 82 Milliarden Dollar bringen - "nur" noch rund sieben Milliarden Dollar Umsatz vom Weltmarktführer Nestle aus der Schweiz entfernt, das es derzeit auf 89 Milliarden Dollar bringt.

Bahram Sadighian, BlackRock, und Christoph Boschan, CEO Wiener Börse, bei der Präsentation des neuen ETF-Segments der Wiener Börse.

Geld

Wiener Börse startet mit ETF-Trading

Geld

Schwarzer Montag: Kommt 30 Jahre danach der nächste Börsen-Crash?

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung

Geld

Milliardär Soros überlässt Großteil seines Vermögens seiner Stiftung